Wölfersheim-Wohnbach (lk). »Die Kartoffelkeller sind für uns Denkmäler«, sagt Winfried Gramatte vom Arbeitskreis Dorferneuerung. Der hatte zum Tag des offenen Denkmals alle eingeladen, die sich für diese Zeugnisse der Wohnbacher Vergangenheit interessieren - zu Führungen, Vorträgen und einer Ausstellung rund um die 14 Lagerkeller für die Erdäpfel. Dazu gab's Wissenswertes über den Wetterauer Kartoffelanbau. Und passend dazu feierte man auch noch gleich ein Kartoffelfest.
Trotz der kühlen Temperaturen schmeckt den Kartoffelfestgästen das Mittagessen im Freien.
Weit mehr Bürger als erwartet kamen vorbei: Bereits um 11 Uhr konnten Winfried Gramatte und Lokalhistoriker Eugen Rieß in der »Krone« über 50 Besucher zu einem Vortrag über die denkmalgeschützten Keller begrüßen. Die wurden vom frühen 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts von den Einwohnern gemeinsam gebaut und dienten zur Einlagerung der Kartoffelernte - wenige erfüllen diesen Zweck noch heute, andere werden als zusätzliche Kellerräume genutzt, viele stehen leer.
»Wir vom Arbeitskreis wollen Geld sammeln, um die Keller zu sanieren, und wir suchen nach Paten, die sie in Ordnung halten«, erzählt Winfried Gramatte. Früher habe Wohnbach um die 70 Kartoffelkeller gehabt.
»Es gab einige Gründe, sie zu bauen«, erklärt Eugen Rieß in seinem Vortrag. Durch die schnell wachsende Bevölkerung im späten 17. Jahrhundert sei der Wohnraum knapp geworden, und man habe größere Lagerflächen benötigt, weil die Bauern erstens zur Stallviehhaltung übergegangen seien und zweitens ihre Brachfelder mit Flachs, Klee und Kartoffeln bestellt hätten.
Mit dem Anbau der Kartoffel sei die Zeit des Hungers in der Bevölkerung vorbei gewesen. Rieß: »Zumindest bis die Kartoffelfäule kam, denn die dezimierte auch in Wohnbach die Einwohnerzahl.« Die Seuche wütete ausgerechnet nach den beiden Dürrejahren 1845 und 1847 - damit sei der Kartoffelanbau als sichere Nahrungsquelle passé gewesen. Die noch erhaltenen Keller stammen laut Rieß weitgehend aus der Zeit um 1860.
Nach dem Vortrag stärkten sich die Wissbegierigen - an Kartoffeln in vielerlei Variationen. Für Kartoffelsuppe war gesorgt, für Kartoffelsalat und für vieles mehr.
Anschließend führte Winfried Gramatte Interessierte durch die Keller, in denen den Erdäpfeln optimale Bedingungen geboten werden: kühle Temperaturen, gleichbleibende Luftfeuchtigkeit und vor allem Dunkelheit. Die eingelagerten Kartoffeln halten hier das ganze Jahr über - bis zur neuen Ernte.
Auch an die Kleinen war am Sonntag gedacht worden: Sie konnten malen und Rätsel lösen, aber auch an Wettspielen rund um die Kartoffel teilnehmen. Belohnt wurden sie mit einer kleinen Aufmerkasamkeit und einer Urkunde.