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»Das Archiv platzt bereits aus allen Nähten«

Artikel vom 18.05.2009 - 19.11 Uhr

»Das Archiv platzt bereits aus allen Nähten«

Rosbach v. d. H. (geo). »25 Jahre, eine solche Zeitspanne erscheint vor dem Hintergrund von mehreren Tausend Jahren Siedlungsgeschichte und 1125 Jahren schriftlich belegter Existenz Rosbachs kurz. Projiziert auf die Lebenszeit eines Menschen, sind 25 Jahre aber ein beachtlicher Zeitraum«, bemerkte Werner Schumacher, Vorsitzender des Heimatgeschichtsvereins, am Samstag zu Beginn des Juiläumsfestabends zum 25-jährigen Bestehen des Vereins.
Erforschen seit 25 Jahren die Geschichte der Stadt Rosbach: Die Vereinsmitglieder aus dem Gründungsjahr 1984 kommen auf der Bühn
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Erforschen seit 25 Jahren die Geschichte der Stadt Rosbach: Die Vereinsmitglieder aus dem Gründungsjahr 1984 kommen auf der Bühne der Adolf-Reichwein-Halle zusammen.
War der Besucherzuspruch beim Frühschoppen am Wehrturm schon beachtlich, so konnte Schumacher am Abend rund 150 Gäste in der Adolf-Reichwein-Halle begrüßen. Mit dabei waren Vertreter vom Friedberger und Ockstädter Geschichtsverein, vom Rodheimer Geschichts- und Heimatverein sowie Mitglieder des Magistrates, der Stadtverordnetenversammlung, der Ortsbeiräte und der Vereine.

Wie Schumacher betonte, verfolge man das Ziel, die Kenntnisse der Heimatgeschichte zu fördern, zu pflegen und den Bürgern näher zu bringen. In 25 Jahren wurden dafür zahlreiche Vorträge, Ausstellungen, Wanderungen, Ausflüge und Stadtrundgänge veranstaltet. Kurzbeiträge zur Geschichte der Wasserstadt wurden ebenso veröffentlicht wie die Rosbacher Geschichtsblätter - gesammelt mittlerweile ein tausendseitiges Gesamtwerk. Die Beiträge des Vereins zum kulturellen Leben würden sehr geschätzt. Kürzlich sei die Zahl von 180 Mitgliedern überschritten worden. Als größte Leistung würdigte der Vorsitzende den Aufbau des Stadtteilarchivs für Ober- und Nieder-Rosbach. Die Vereinsmitglieder hätten in mühevoller Kleinarbeit vom Verfall bedrohte Dokumente und Schriftstücke früherer Jahrhunderte einzeln erfasst, systematisch geordnet und zukunftssicher archiviert. Künftig soll auch das Archiv im Wehrturm neu strukturiert werden - der Turm platze nach 25 Jahren Geschichtsforschung aus allen Nähten. Ein weiteres Ziel ist die Erarbeitung eines neuen Buchs zur Historie der Stadt.

Dass historische Ereignisse auch auf kommunaler Ebene einen besonderen Stellenwert haben, verdeutlichte Bürgermeister Detlef Brechtel. »Die Beschäftigung mit der Heimatgeschichte ist notwendig. Die Stadt hatte sich damals für die Gründung eingesetzt und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten auch Räume sowie benötigte Sach- und Finanzmittel zur Verfügung gestellt«, sagte Brechtel. Der Jubiläumsverein habe seit seinem Bestehen beispielhafte Leistungen erbracht und Ordnung in die alten städtischen Unterlagen gebracht.

Geschichte reicht bis in die Jungsteinzeit

Zu den Aufgaben des Vereins gehört auch die Sichtung von Schriftgut in den hessischen Staatsarchiven sowie die Vorbereitung und Durchführung der 1125-Jahr-Feier. Vereinsmitglied Dr. Karl-Friedrich Rittershofer, der Festredner des Abends, ist in der römisch-germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts tätig. Er referierte unter dem Titel »Ritter, Kelten, Steinzeitbauern: Rosbach im Umfeld seiner archäologischen Nachbarn«. Von der - an historischen Gebäuden wie dem Alten Rathaus und dem Wehrturm sichtbaren - Geschichte Rosbachs spannte Rittershofer einen Bogen zurück bis zu den frühesten Zeugnissen menschlichen Lebens in der Gemarkung. Diese seien mit den jungsteinzeitlichen Ackerbauern auf das 6. Jahrtausend vor Christus datiert. Mit Hilfe der so genannten Dendrochronologie, einer Datierungsmethode anhand von Jahresringen bei Hölzern, könne die Bauzeit des Ober-Rosbacher Wehrturms um das Jahr 1420 festgelegt werden. Ins 14. Jahrhundert gehöre die Nieder-Rosbacher Wasserburg. Wie die ursprüngliche einmal ausgesehen haben könnte, versuchte Rittershofer am Beispiel der ausgegrabenen Wasserburg in Oberursel-Bommersheim zu zeigen.

Der Referent berichtete auch von der Kapersburg, dem eindrucksvollsten archäologischen Monument auf Rosbacher Boden. Schon bevor die Römer ihr Kastell auf dem Areal gebaut hätten, sei der Ort geschichtsträchtig gewesen. So hätten bereits die Kelten ab dem 2. Jahrhundert vor Christus die Region flächendeckend mit großen befestigten Städten versehen. Rittershofer ging auch auf die früheste sesshafte und ackerbautreibende Gemeinschaft in Mitteleuropa, die Bandkeramiker, ein. Charakteristische bandkeramische Gefäße aus Rosbach ließen den sicheren Schluss zu, dass auch dort eine frühe, bäuerliche Siedlung vorhanden war.



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Artikel vom 18.05.2009 - 19.11 Uhr
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