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16.01.2008 - 19.20 Uhr
Reichelsheim – eine über 1000-jährige bewegte Geschichte
Im goldenen Herzen der fruchtbaren Wetterau gelegen, präsentiert sich das Landstädtchen Reichelsheim als moderne Wohnsitzgemeinde, in der fast 7000 Einwohner leben. Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich 1972 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Beienheim, Blofeld, Dorn-Assenheim, Heuchelheim, Reichelsheim und Weckesheim zur Stadt Reichelsheim zusammen.
© Reichelsheim
Die Stadt mit ihrer über 1000-jährigen bewegten Geschichte ist geprägt von Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, steht aber zugleich dem Fortschritt aufgeschlossen gegenüber. Die Gegend um Reichelsheim war vermutlich bereits von den Kelten besiedelt. Um 400 v. Chr. wurden sie von den Germanen verdrängt. Diese wiederum mussten den Römern weichen. Auf eine römische Ansiedlung weist heute noch die alte Straßenbezeichnung »Römerberg« hin. Ende des fünften Jahrhunderts n. Chr. fällt die Wetterau in die Herrschaft der Franken. Ein fränkischer Siedler namens Richholf gilt als Gründer von »Richholfesheim« - unter diesem Namen wird der Ort 817 erstmals urkundlich erwähnt; später schreibt man »Ruckelsheim« und ab 1618 »Reichelsheim«.
Im 15. Jahrhundert wurde Reichelsheim mit einer Befestigungsanlage umgeben: Mauem, Wallgräben und Wehrtürme sollten die Bürger vor äußeren Angriffen schützen. Reste der Stadtmauer, das westliche Stadttor und vier der ursprünglich sieben Wehrtürme sind heute noch erhalten: der Turm am Friedhof, jener in der Turmgasse, der südöstliche Turm im Anwesen Marloff (Rosgasse) und der Turm der (Wehr?)Kirche. Das Rathaus wurde von 1570 bis 1576 erbaut. Es diente zu dieser Zeit hauptsächlich als Kaufhalle. Eine nassauische Elle (Längenmaß) ist noch sehr gut erhalten und an der westlichen Außenwand angebracht.
Das 17. Jahrhundert brachte große Not über Reichelsheim. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf mehrmals heimgesucht, gebrandschatzt und geplündert. Die Pest trat 1627 wieder auf und raffte innerhalb kurzer Zeit 187 Männer, Frauen und Kinder dahin. Eine Feuersbrunst vernichtete binnen weniger Stunden 68 Häuser. Von 1653 bis 1658 wüteten die Hexenprozesse in Reichelsheim; 58 Einwohner wurden der Hexerei bezichtigt, grausam gefoltert und hingerichtet. Hierüber berichtet ausführlich die Heimat-Erzählung »Der Hexenmeister von Reichelsheim«. Ein Lichtblick in dieser finsteren Zeit war die Verleihung der Stadtrechte an Reichelsheim durch den Grafen Friedrich von Nassau-Weilburg: Im sogenannten Freiheitsbrief vom 15. August 1665 wurden die Einwohner zu freien Bürgern erklärt. 1668 erhielt die junge Stadt Marktrechte.In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohnen 870 Bürger in Reichelsheim. Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe stehen in Blüte, und eine gewisse Aufwärtsentwicklung ist zu verzeichnen.
100 Jahre später hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt. Gesellschaftlicher Wandel, Technisierung und Maschineneinsatz in der Landwirtschaft führen jedoch zum Verlust vieler Arbeitsplätze am Ort, sodass Reichelsheim heute überwiegend zur Wohnsitzgemeinde geworden ist. Reichelsheim verfügt über eine verkehrsgünstige Lage zum Rhein-Main-Gebiet: Die Stadt liegt nahe den Autobahnanschlüssen zur A 45 und A 5 sowie zu den Bahn-/BuslinienNidda/Friedberg und zum Verkehrslandeplatz Reichelsheim.