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Mord im historischen Frankfurt

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Artikel vom 26.08.2014 - 10.09 Uhr

Mord im historischen Frankfurt

Reichelsheim (arc). Ein brutaler Mord in Frankfurt, zweifelhafte Ermittlungsmethoden, ein Kommissar mit Verbindungen zum Opfer, eine Frau, die um Gleichberechtigung kämpft – das waren so die Ingredienzien des literarischen Menüs, das die »Frauen mittendrin« kürzlich den Besuchern der Veranstaltungsreihe »RomanTisch« servierten.

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Im Hauptberuf Polizist, in der Freizeit Rezitator: Andreas Arnold. (Foto: arc)
© Red
Der so gar nicht romantisch veranlagte Koch – um im Bild zu bleiben – war die Autorin und hauptberufliche Hauptkommissarin Nikola Hahn. Aus deren Roman »Die Farbe von Kristall« las Andreas Arnold, ebenfalls Polizist von Beruf und mit der Autorin bekannt.

Dabei ging es allerdings nicht nur um Mord und Totschlag im Frankfurt der Jahrhundertwende. Denn Hahn hat nicht nur den Mord am Klavierhändler Lichtenstein recherchiert, der sich 1904 ereignete, sondern auch den Wandel in der Polizeiarbeit. So gilt beispielsweise Laura Roth als erste Polizistin der Metropole am Main, auch wenn sie tatsächlich nur Hilfstätigkeiten ausüben durfte, wie Arnold erklärte. Aus eigener Erfahrung konnte er berichten, dass die ersten, ihren männlichen Kollegen ebenbürtigen Polizistinnen erst Mitte der 1980er Jahre auf den Plan traten.

Zurück zum Roman, der auf Tatsachen basiert, wiewohl Hahn ihren preußischen Ermittler Richard Biddling frei erfunden hat. Um die Zuhörer mit diesem Charakter vertraut zu machen, las Arnold zunächst Szenen einer Geburtstagsfeier und einer Kutschfahrt, die zu einem Hundehändler in Niederhöchstadt führt, der später noch eine wichtige Rolle spielen sollte. Nach dieser Einführung wusste das Publikum, dass Biddling in eine reiche Frankfurter Familie eingeheiratet hat und dort nun etwas unter Druck steht, da er selbst nichts zu bieten hat, außer Geschichten von Mördern und Leichen. Um seiner Tochter ein Klavier kaufen zu können, trifft er mit Lichtenstein eine geheime Vereinbarung. Als kurz darauf der Händler erschlagen in seinem Geschäft aufgefunden wurde, hat der Ermittler ein Problem.

Seinerzeit wurden Fingerabdrücke noch nicht als zuverlässige Beweismittel anerkannt. Biddling kämpft nicht nur für die Aufklärung der Verbrechen, sondern auch für eine Reform der Ermittlungsmethoden. So ist der Krimi auch als ein Stück Kriminalistikgeschichte zu lesen.

Große Sorgfalt widmete Hahn auch der Darstellung des alten Frankfurts mit seinen engen Fachwerkgassen und deren Bewohnern, »Frankfurter Originalen«. Es sind jene Szenen, die immer wieder Schmunzeln lassen. Auch in der Lesung kam das »Frankfordderisch« nicht zu kurz und Arnold verstand es glänzend, den Dialekt wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Mucksmäuschenstill war es im Saal, ausgenommen vom gelegentlichen Piepen der Geldautomaten nebenan. Denn weil der Mord in der Bankenstadt Frankfurt geschah, hatten die »Frauen mittendrin« sich die Schalterhalle der Landbank Horlofftal als Lesungsort ausgesucht. Deshalb saßen die Zuhörer auch nicht in Reih’ und Glied, sondern grüppchenweise.

Nach einer Zugabe las Arnold auf vielfach geäußerten Wunsch eine Szene aus Georg Meiers Roman »Das Jahr der wundersamen Elvis-Vermehrung«. Bei dem geschilderten Überfall auf die Reichelsheimer Sparkasse bittet die Geisel den Bankräuber aus politischen Gründen, sie zu erschießen. Die Absurdität des Vorgangs trieb den Zuhörern die Tränen in die Augen und rundete den literarischen Abend ab.

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Artikel vom 26.08.2014 - 10.09 Uhr
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