Reichelsheim (kai). 25 Zentimeter liegen noch vor ihm, für jeden Arbeitstag einer. Das grüne Maßband liegt auf einem Schrank hinter dem Schreibtisch des Reichelsheimer Ordnungsamtsleiters. Das letzte Mal wird Alfred Schiel die Schere am 29. Dezember in die Hand nehmen, um den vorletzten vom definitiv letzten Arbeitstag seines Lebens zu trennen.
Das Maßband, das Alfred Schiel anzeigt, wann sein letzter Arbeitstag ist, misst nur noch 25 Zentimeter. Zum Jahreswechsel beginnt für den Reichelsheimer Ordnungsamtsleiter ein neuer Lebensabschnitt: die Altersteilzeit. (Foto: kai)
Dann ist Schluss mit Hundelärm, Rentenanträgen, Feuerwehretat, Gaststättenkonzessionen, Straßensperrungen, Seniorenausflügen und dem täglichen Weg in die Stadtverwaltung II in Reichelsheim.
Seit 29 Jahren arbeitet der Dorn-Assenheimer in der Ordnungsverwaltung seiner Heimatstadt. Längst ist er eine Institution. Nun ist Schluss. Der Verwaltungsfachmann geht nach vier Jahrzehnten im Beruf die nächsten drei Jahre in Altersteilzeit. Mit gemischten Gefühlen blicken die Mitarbeiter der Ordnungsverwaltung auf den letzten Arbeitstag ihres Chefs. Freundlich, menschlich und immer mit einer Portion Humor gestaltete Schiel seine Arbeitstage. »Ich habe hier nie den Chef raushängen lassen, das ist mir fremd«, sagt er. Die Nachfolge ist geregelt: Corina Karl übernimmt ab Januar seinen Posten. Derzeit verbringt Schiel viele Arbeitsstunden damit, seine Nachfolgerin einzuweisen. »Ich bin auch weiterhin da. Die Kollegen können mich jederzeit anrufen, wenn sie Fragen haben.«
Viel Spaß am Organisieren und Helfen
Manchmal wird er allerdings nicht zu erreichen sein - die nächsten Urlaube hat er schon mit seiner Frau geplant. Eine Woche im Februar in den Bergen ist gebucht, und das Ziel für den Sommer steht auch schon Fest: Rhodos. »Das ist unsere Lieblingsinsel«, verrät er. Von einem der vielen vorherigen Besuche auf dieser griechischen Insel hat er Gemälde und Fotos mitgebracht und sie an die Wand seines Büros gehängt.
In seinem Büro hat es dem Ordnungsamtsleitr immer gut gefallen. Fenster mit Blick auf Apotheke, Bahnhof und Landbank, große Schränke, in denen die Akten verstaut sind, und auch noch eine Schreibmaschine, die er benötigt, wenn er beispielsweise Parkausweise für behinderte Mitbürger ausstellen muss. »Hunde kommen nicht in mein Büro, die schaue ich mir lieber durchs Fenster an«, sagt Alfred Schiel. Ein Aufgabenfeld ist es, die Zulassung fürs Halten von Kampfhunden zu erteilen. Davon gebe es in Reichelsheim allerdings höchstens fünf legal angemeldete.
Vielfältig und abwechslungsreich sind seine Aufgaben: Wenn die Vereine feiern, melden sie die Feste bei ihm an. Je nachdem, wie viele Gäste erwartet werden, ordnet Schiel Brandsicherheitsdienst an. »Wie viele Feuerwehrleute da hingehen, entscheidet der Wehrführer«, erklärt er. Für die Feuerwehr war Schiel in all den Jahren der erste Ansprechpartner. Aber auch für seine Kollegen: Zwölf Jahre war er Personalratsvorsitzender der Stadt. »Es ist immer prima gelaufen, zu meiner Zeit gab es keine Probleme zu lösen«, sagt Schiel.