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Brandschützers Erkenntnis: »Am sichersten ist Gas, wenn es brennt«

Artikel vom 15.09.2008 - 20.43 Uhr

Brandschützers Erkenntnis: »Am sichersten ist Gas, wenn es brennt«

Reichelsheim-Heuchelheim (kai). Gespannt richten sich die Augen von 70 Feuerwehrleuten auf die drei Druckmesser im Hof der Zuckerrübenabfuhrgemeinschaft. Der schwarze Zeiger wandert immer weiter zum Rot - ein Brenner unter einem Gastank erhitzt ihn. Gas strömt aus. Wird's noch wärmer, steigt der Druck weiter, es beginnt zu brennen. Wassertrupps stehen bereit. Da ist die Flamme. »Wasser marsch«, ertönt der Befehl.
Großübung der Reichelsheimer und Florstädter Brandschützer auf dem ZAAG-Gelände: Hier ist eine meterhohe Gasflamme zu löschen.
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Großübung der Reichelsheimer und Florstädter Brandschützer auf dem ZAAG-Gelände: Hier ist eine meterhohe Gasflamme zu löschen. (Foto: Dauernheim)
»Wir haben erfahren, dass wir Gas am besten nicht löschen«, erklärt der Reichelsheimer Wehrführer Alexander Hitz. Er hatte die Idee zu einer Gas-Schulung für die Wehrleute. »Es werden immer mehr Flüssiggasanlagen installiert, da gibt's bei uns Ausbildungsbedarf«, sagt er. Schnell war der Kontakt zur Firma Drachengas aus Frankfurt hergestellt, die solche Schulungen anbietet. Für bis zu 100 Feuerwehrleute, also holten die Reichelsheimer die Florstädter mit ins Boot. Gemeinsam trafen sich 70 Blauröcke am Samstag in Heuchelheim, um zu lernen, wie sie bei Einsätzen mit Gas umgehen - theoretisch und praktisch.

Mehrere Übungsszenarien waren aufgebaut. Auch der Mini-Gastank auf dem Brenner. Nach einigen Minuten duschen sinkt der Druck, die Flamme erlischt.

»Gas tut nichts, wenn man sich an die Sicherheitsvorschriften hält«, erklärt Hans Komprowski. Er liefert täglich Flüssiggas aus und zeigt den Wehrleuten, wie sein Tankwagen funktioniert. Zehn Tonnen Gas passen hinein, das entspricht 20 000 Liter. Am Laster sind die Gefahrguthinweise, die die Feuerwehrleute entschlüsseln müssen. 1965 steht für Propangas, 23 für die Gefahr, die von der Ladung ausgehen kann.

Wie brennendes Gas mit einem Feuerlöscher bekämpft werden kann, probieren die Feuerwehrleute ebenfalls aus. Andreas Kremer: »Den Sprühstoß in die Richtung der Flamme halten, dann geht's aus.« Eindrucksvoll demonstriert er die niedrige Temperatur des Flüssiggases. Er füllt ein wenig in einen speziellen durchsichtigen Behälter. Das Thermometer zeigte 42,9 Grad minus. Kremer taucht eine Nelke hinein, es zischt und dampft. Der Drachengas-Fachmann holt die Blume heraus und zerbröselt sie.

Wie ein Propangastank aufgebaut ist, sehen die Feuerwehrleute an einem aufgeschnittenen Exemplar. »Jetzt können wir besser einschätzen, was wir bei einem Gasunfall machen können«, sagt Hitz. »Am besten ist es, Gas nicht zu löschen, das sicherste Gas ist brennendes.« Tückisch nur, dass sich die unsichtbare Chemikalie am Boden sammelt, schwerer als Luft ist. Ein Liter flüssiges Propangas entspricht 15 Kubikmeter. Es könne entzündbares Gemisch entstehen. Daher sei es für ihn und seine Feuerwehrkollegen wichtig mögliche Zündquellen zu entfernen, beispielsweise den Strom in einem Haus, in dem Gas austritt, abzuschalten, nicht rauchen und keine Flammen entfachen. »Sobald Gas ohne zu brennen ausströmt, ist es unkontrollierbar«, sagt Hitz.

Schwierig ist's für die Feuerwehrleute, eine riesige Gasflamme zu löschen. Mit einer Fackel entzünden die Ausbilder von Drachengas eine meterhohe Flamme. Gleich drei Wassertrupps stehen bereit, um das lodernde Feuer zu löschen. Kremer gibt Tipps, wie das Wasser gelenkt werden muss, damit die Gasflamme erlischt. Minutenlang braust Wasser hinein, immer wieder siegt das Gas. Der Gas-Fachmann lotst die Löschtrupps näher an die Flamme, endlich gelingt es, sie zu löschen.

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Artikel vom 15.09.2008 - 20.43 Uhr
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