Reichelsheim-Beienheim (kai). Auf ihrer närrischen Bühne zogen die Beienheimer alle Register: Tanz, Gesang und Witze, Witze, Witze - gespickt mit ständigen Breitseiten hin zu ihren »Freunden« im Nachbarort Weckesheim. Fast vier Stunden unterhielten die Dippegucker ihre Gäste im zur Narrhalla umgewandelten Bürgertreff.
Singende Jugend: Als die »Fantastischen Sechs« brillieren die Kerbeburschen bei ihrer Gesangspremiere zur Fastnacht. (Fotos: Dauernheim)
Das Dreigestirn aus Sandra Fritsch, Stefan Bischof und Markus Herrmann leitete souverän den Abend, der mit dem Gardetanz der Mädels »x2 = 9 x blau« eröffnet wurde.
Als Tausendsassa auf der Bühne entpuppte sich Kurt Weißenborn: Er nahm das Ortsgeschehen als Barack Obama auf die Schippe, glänzte als Sieglinde im Schulkinder-Zwiegespräch mit seinem Peterle (seiner Frau Angela) und brillierte in der Disziplin »Dauerperückenwechsel« bei »Beienheim sucht das Supertalent«, als er das Jury-Trio Dieter Bohlen, Silvie van der Vaart und Bruce Darnell verkörperte. In seiner Büttenrede als Obama wusste er zu jedem Verein etwas zu sagen: »Beienheim hat super Fußballer, die sind auch in anderen Disziplinen great wie dem Schoppeblasen.« Dem Gesangverein empfahl er, Rollatoren anzuschaffen, damit die paar männlichen Sänger pünktlicher zur Singstunde kommen. Und zum Dorfzwist fragte er: »Welchen Song schrieb Elvis extra für die Weckesheimer?« - »In the ghetto«, antwortete er prompt.
Apropos Gesang: Der entpuppte sich bei den Dippeguckern als absolute Stärke - angefangen von Birgit Eckhardt, die als Gitte Haennig einen Cowboy als Mann suchte und als Margot Sponheimer erklärte, sie sei am Rosenmontag geboren. Oder »Lieselotte« (Isabell Lung), die den Titanic-Song »My heart will go on« präsentierte. Der Hit: die Beienheimer »Fantastischen Sechs«. Die Kerbeburschen taten sich mit Ariane Meiß zusammen und sangen eine Hymne auf ihr Dorf: »Wir leben und wir lieben hier, Gott hat die Erde nur an einer Stelle geküsst, da wo Beienheim ist.« Unter dem Jubel des vollen Saals stimmte das Sextett einen Klassiker der Dippegucker-Fastnacht an: »Die Beienheimer Männer sind wunderbar, halleluja.« Vor 25 Jahren hatte der Song mit den Hoppedies Premiere. Die restlichen Hoppedies nahmen’s gerührt und starteten später beim Auftritt »Beienheim sucht das Supertalent«. Klar schickten die Jungs auch einen Gruß gen Weckesheim. »Gut, dass die Weckesheimer ihre Sitzung schon hatten, die können nicht mehr zurückschlagen«, meinte Moderator Herrmann.
Apropos Büttenreden: Davon gab’s bei den Dippeguckern eine ganze Reihe, den Auftakt machte Michelle Major als Knastbruder. Sie steckte im Vogelkäfig fest, reihte Kalauer an Kalauer und erntete die erste Rakete. Witz an Witz boten auch die Putzfrauen Frau Hüpper (Brigitte Major) und Frau Schlüpper (Sybille Petzinger). Hervorragend der Auftritt von, na wem schon in der Bütt? Brigitte Major - als schwergewichtiger Engel. Mit Witz und Charme stellte sie ihr Problem an der Himmelspforte dar, wo Petrus die Tür aushängen musste, damit sie hineinpasste. Flügel gab’s für den schweren Himmelsboten von einer ausgedienten Boeing 747. Mit der Nahrung haderte sie dort oben: keine Fleischwust, »nur Halle und Luja und kneifende Hemdchen«.
Einen Auftritt der Spitzenklasse boten Andreas Pirente (Piri) und Dennis Treusch. In feinstem Beienheimerisch trugen sie auswendig ihr witziges Gespräch vor: Piri brauchte Geld, um einen Strafzettel zu zahlen. Die Idee seines Kompagnons: eine Beratungshotline für Kinder, wo sie alles fragen dürfen, was sie schon immer mal wissen wollten. Neun fünfzig für jeden Anruf. Am Ende wurde die Geschäftsidee verworfen, denn Kindern soviel Geld abnehmen wollte Piri nicht - also wurde gesungen: »Nur eine unbequeme Frage stellt sich für den Mann von heute - soll ich mir den Sack rasiere?« Klar, dass das den Geschmack der Gäste kurz nach Mitternacht traf.
Und noch etwas konnte punkten: Die Dippegucker-Tänzer. Gelenkig und grazil präsentierte sich Tanzmariechen Jennifer Munz. Variantenreich der Ferien-Ausflug der Crazy Chicks nach New York und auf Hawaii. Als Bondgirls begeisterte die Gruppe Pure Energy. Der umjubelte Top-Akt und Schlusspunkt unter das bunte Programm: Das Männerballett des SKV in zum Teil sehr knappen Dessous mit dem ein oder anderen Busenblitzer, als dicke Mamas, als 70er Schlaghosen-Tänzer und in Rock’n Roll-Kluft.