Ranstadt-Dauernheim (kai). »Weihnachten wird diesmal ganz besonders schön«, versprach eine Stimme, während es auf der Bühne gar nicht danach aussah. Ein trauriger Tobias, seine geknickte Freundin Nadja, dann noch der aggressive Max und Herr Grimmig, der reichste Mann der Stadt, sowieso. Doch Tobias, die handgeschnitzte Marionette, hat den Schlüssel zum Guten: drei Zauberkugeln.
Mit diesem Stück unterhielt das Hanauer Marionettentheater der Familie Richter in der Dauernheimer Turnhalle fast 100 Landfrauen, ihre Kinder und Enkel.
Schnell spielt sich die Marionette Tobias in die Herzen der Landfrauen und ihres Nachwuchses in der Dauernheimer Turnhalle, wo sich 100 Landfrauen vom Bezirksverband Nidda treffen. (Foto: kai)
»Heute wollen wir uns treffen, um im geschäftigen Treiben inne zu halten«, versprach Birgit Kartmann die Vorsitzende der Bezirkslandfrauen Nidda. Gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen, Gedichten gelauscht, die Beate Wettich vortrug, und eben den Marionetten applaudiert. Gern nahmen die Kinder das Angebot von Roland Richter an, mal einen Blick hinter die Bühne zu werfen. »Oh, die Marionetten sind aber klein«, waren die ersten Reaktionen. »Sie wirken wegen des Lichts auf der Bühne viel größer«, erklärte Richter. Vorsichtig streichelten die Kinder Tobias, Nadja und den anderen über die Hände, berührten die Kostüme.
»Herr Grimmig ist eine unserer ältesten Marionetten, er ist schon 250 Jahre alt«, sagte Richter. Der Grund: Richters sind eine Puppenspieler-Familie, das Theater wird von der neunten Generation betrieben. Immer wieder schreiben sie neue Stücke. Eine dieser Eigenproduktionen ist »Tobias mit den Zauberkugeln«, das Richter und seine Mutter vor den Landfrauen aufführten. »Normalerweise spielen wir zu dritt«, erklärte Richter. Doch sein 86-jähriger Vater liege im Krankenhaus und könne vermutlich nie mehr auf Tour gehen, bedauerte Richter. Er animierte die Kinder auszuprobieren, wie sich die Puppen führen lassen. Dabei gab’s nur ein Problem: Der Landfrauen-Nachwuchs ist noch zu klein. 1,60 Meter muss ein Puppenspieler groß sein, um auf der Empore hinter der schräg zulaufenden Bühne hin und her zu gehen und die Puppen zu steuern.