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Töchter glauben an Unschuld ihres Stiefvaters

Artikel vom 18.06.2009 - 11.00 Uhr

Töchter glauben an Unschuld ihres Stiefvaters

Ortenberg/Gießen (ko). Fassungslos sitzt die heute 39-jährige Stieftochter des Angeklagten vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts in Gießen. Sie kann nicht glauben, was man ihrem Stiefvater vorwirft. »Er würde so etwas nie tun.« Mit »so etwas« meint sie die anklagten Straftaten. Staatsanwalt Sven Schönborn wirft dem 66-jährigen Ortenberger mehrfachen Missbrauchs eines Kindes unter 14 Jahren vor.
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Er wird beschuldigt, die heute 29-jährige Frau und damals beste Freundin seiner jüngsten Tochter im Alter zwischen vier und zehn Jahren im Schwimmbecken, im Badezimmer und im Gewächshaus sexuell missbraucht zu haben. Vorwürfe, die im Verlauf der sechs Verhandlungstage von allen drei Töchtern des Angeklagten vehement bestritten wurden.

Die jüngere der beiden Stieftöchter berichtete zum Beispiel, ihr Vater sei nie mit den Kindern im Schwimmbecken und auch niemals mit der Nebenklägerin allein gewesen. Stattdessen beschuldigte sie das mutmaßliche Opfer, in späteren Jahren vermehrt den »Männern schöne Augen« gemacht zu haben. Was dies mit dem Missbrauchsvorwurf zu tun haben soll, blieb das Geheimnis der Zeugin. Auch hätte die Nebenklägerin sich immer von allen, also auch vom Angeklagten, aushalten lassen. »Sie hat doch nie Geld gehabt«, sagte die 37-Jährige.

Ihre zwei Jahre ältere Schwester unterstrich bei ihrer Aussage, ihr Stiefvater sitze zu Unrecht auf der Anklagebank. Sie und ihre Schwestern hätten eine tolle, glückliche Kindheit gehabt. Zu den Anschuldigungen sagte sie: »Ich glaube, sie sucht einen Täter. Warum sie unseren Vater beschuldigt, kann ich nicht verstehen.« Immer wieder beteuerte sie, sie halte die Anschuldigungen für erfunden.

Das sah einer der Ärzte, der das Opfer während eines stationären Aufenthalts in einer Bad Nauheimer Klinik psychologisch betreute, anders. Die 29-Jährige wurde von dem Arzt im Jahr 2005 wegen posttraumatischer Belastungsstörungen behandelt. Ausgelöst wurden diese Störungen nach Schilderung des Arztes durch eine Begegnung mit dem Angeklagten bei einer Geburtstagsfeier. Der Arzt erklärte, er habe keine Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Schilderungen seiner Patientin, sie sei in jungen Jahren missbraucht worden. Dabei habe sie immer behauptet, dass der Täter der Vater ihrer besten Freundin war.

Verteidiger Jürgen Häller sagte, er zweifle nach wie vor an der Schuld seines Mandanten. Vor allem, da der Arzt der Bad Nauheimer Klinik nicht ausschließen konnte, es könne sich auch um einen anderen Täter handeln. Ein Neurologe, der zuvor ausgesagt hatte, bestätigte die Zweifel des Rechtsanwalts. Der Neurologe berichtete, die Geschädigte habe ihm gesagt, sie sei von einem Verwandten sexuell missbraucht worden.



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Artikel vom 18.06.2009 - 11.00 Uhr
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