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07.01.2010 - 20.00 Uhr
Mutter versucht, angeklagten Sohn zu entlasten
Ober-Mörlen/Gießen (ti). War der 29-jährige Sohn der Marktleiterin am Überfall auf den Rewe-Markt in Ober-Mörlen am 18. April 2009 beteiligt oder nicht? Er, der seit Montag gemeinsam mit zwei 20 und 31 Jahre alten Männern vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichtes wegen räuberischer Erpressung auf der Anklagebank sitzt, sagt Nein. Staatsanwalt Dr. Benjamin Krause und die Mittäter sagen Ja.
Am zweiten Prozesstag versuchte die Mutter des 29-Jährigen, ihn zu entlasten. Ihr Sohn werde fälschlicherweise beschuldigt, meinte sie.
Als Grund dafür nannte die 50-Jährige die »Insider-Informationen« über Tresore, Geldabholungen und gesicherte Türen in dem Einkaufsmarkt, von denen ihr Sohn durch sie gewusst habe, die aber von den Räubern nicht berücksichtigt worden waren. Wären sie darüber informiert gewesen, »wäre der Überfall anders verlaufen«, lautet ihre Einschätzung. Zudem hätte sich ihr Sohn einfach nur ihre Schlüssel nehmen müssen.
Wird der 29-jährige Butzbacher also nur in etwas hineingezogen? Die Vorsitzende Richterin Gertraud Brühl sah dafür keine Anhaltspunkte. Es gebe gar keine Notwendigkeit, einen dritten Täter zu erfinden, sagte die Juristin. Die Mutter berichtete in diesem Zusammenhang, dass der 31-Jährige, ein früherer Nachbar, ihren Sohn schon einmal falsch belastet habe. Zwei Monate vor der Tat in Ober-Mörlen sollen die beiden gemeinsam mit einem Dritten einen Supermarkt in Gelnhausen überfallen und 38 000 Euro erbeutet haben. Das Landgericht Hanau verurteilte den 29-Jährigen im Oktober zu einer fünfeinhalbjährigen Haftstrafe. Er legte Rechtsmittel ein.
Motiv für die Tat könnten Geldschwierigkeiten aufgrund von Drogenabhängigkeit sein. Mehrmals pro Woche habe er in der Vergangenheit mit den beiden älteren Angeklagten diversen Stoff konsumiert, berichtete ein 28-Jähriger. Er war beim Gelnhäuser Überfall der Dritte im Bunde und bestätigte die Beteiligung des 29-Jährigen. Über die Sache in Ober-Mörlen habe ihn der 31-Jährige bei einem Grillnachmittag am Licher Waldsee informiert. Dass der 29-Jährige auch dabei gewesen sein soll, davon wisse er nichts.
Über dessen Beteiligung konnten auch ein weiterer Marktleiter und eine Angestellte - die beiden Überfallopfer - nichts sagen. Sie hatten an jenem Aprilabend gerade den Kassenabschluss hinter sich und wollten den Markt durch den Seiteneingang verlassen, als plötzlich ein Maskierter vor ihnen stand und sie mit einer Waffe bedrohte - der 20-jährige Friedberger, der dies beim Prozessauftakt gestanden hatte. Die beiden anderen Täter sollen laut Anklageschrift im Wagen gewartet haben. »Das war für uns beide erstmal ein Schock«, sagte der 26-Jährige, der seine Kollegin mit Kabelbindern fesseln musste, nachdem er im Büro den Tresorinhalt entnommen und dem Täter in eine Tasche gepackt hatte, die später von einer Spaziergängerin in einem See bei Arnsburg gefunden wurde. Die Geldbombe mit den Tageseinnahmen in Höhe von 16 000 Euro, die er beim Verlassen des Marktes unter seinem Kittel trug, hatte er zuvor geistesgegenwärtig auf dem Boden abgestellt. Dem Räuber fiel das nicht auf und daher nur das Wechselgeld in die Hände: rund 4000 Euro. Auf die Auswirkungen des Überfalls angesprochen, sagte der 26-Jährige: »Klar hatte ich Angst, aber im Nachhinein habe ich es ganz gut verkraftet.« Nicht so gut erging es der 19-jährige Aushilfe, die psychologische Hilfe in Anspruch nehmen musste. Sie habe unter Schlafstörungen gelitten. Immer wieder sei der Überfall wie ein Film vor ihr abgelaufen.