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Als die Masken in Mörlau verboten waren

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Artikel vom 11.01.2017 - 16.00 Uhr

Als die Masken in Mörlau verboten waren

Ober-Mörlen (hau). »Wir könnten Bücher schreiben«, sagen Manfred Seipel und Alfons König. Die beiden Ober-Mörler Fastnachts-Urgesteine sind ein gutes Beispiel für die belebende Kraft ehrenamtlichen Wirkens. Ihre Ausstellungen zeigen, was unterm Narrenbanner gemeinschaftlich geleistet werden kann. Und warum es einmal zum Volksaufstand kam.

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Das Foto von 1925 zeigt, wie die Mirler Narren damals mit Farbe, Pappnasen und Bärten das Maskierungsverbot hintergingen.
© Annette Hausmanns
Die allmähliche Auflösung der Dorfgemeinschaft und des sittlichen Verhaltens veranlassten den Bürgermeister, verantwortlich für Ruhe und Ordnung in Ober-Mörlen, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, an den Fastnachtstagen das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit zu verbieten.« So ist es im Buch »1200 Jahre Ober-Mörlen« aus dem Jahr 1990 nachzulesen. Aus heutiger Sicht unvorstellbar in »Klein-Mainz am Usastrand« mit seiner 265-jährigen Fastnachtstradition.

Ganz im Gegenteil: Im Jahr 2006 führte Ober-Mörlens damaliger Rathauschef Sigbert Steffens den Bürgermeisterorden ein – als Anerkennung der besonderen ehrenamtlichen Leistung zur Pflege des Fastnachtsbrauchtums. Der Künstler Klaus F. Roth machte den Entwurf in Anlehnung an das Wappen, wie es über dem Haupteingang zum Schloss in Stein gemeißelt ist. Bis heute wurden 27 Fassenachter aus beiden Karnevalsvereinen geehrt.

Zwei Urgesteine der Mirler Fassenacht, die zu den allerersten Bürgermeisterordensträgern zählen, haben die Auszeichnung jetzt thematisiert. »11 Jahre Bürgermeisterorden« nennen Manfred Seipel von der KG Mörlau und Alfons König vom MCC ihre 16. Gemeinschaftsausstellung zu jährlich wechselnden Themen. Beide übernahmen jahrzehntelang in vorderster Front als Präsidenten (oder Vorsitzende) Verantwortung für ihre Vereine, bevor sie sich vor wenigen Jahren ins zweite Glied zurückzogen.

König wie Seipel gelten als das lebendige Gedächtnis des Karnevals im Usatal. In ihren Archiven geben sich Fotos, Protokolle, Zeitungsberichte und Fastnachtsutensilien ein ebenso illustres wie wohlgeordnetes Stelldichein. Alle Jahre wieder stellen sie ihre Sammlungen auf den Kopf und wenden sich an Weggefährten, um ihre Jahrespräsentationen bestücken zu können. Das Themenspektrum reicht von den Fastnachtsorden, -zügen und -sitzungen über Kampagneneröffnungen, Maskenbälle, Wagenbau im Allgemeinen und Elferratswagen im Speziellen bis hin zu Bühnenbildern, Utensilien für die Sitzungen oder Vorsitzende und Präsidenten der beiden Vereine.

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Alfons König und Manfred Seipel (r.) stehen für die Mirler Fassenacht. Ihre Ausstellung thematisiert diesmal die Leistung der Bürgermeisterordensträger. (Foto: hau)
© Annette Hausmanns
»Ohne die Ortsvereine stünde es um die Kulturpflege im Ort schlecht«, sind die Ausstellungsmacher überzeugt – und meinen nicht nur die Fassenachter. Deren Geschichte lässt sich zurückdatieren auf das Jahr 1752. Eine fröhliche Jagdgesellschaft um den Reichsfrei- und Ober-Mörler Schlossherrn Johann Baptist Maria Joseph von Wetzel soll zum Winterausklang 1752 ein großes Kostümfest veranstaltet und alle 1000 Bürger im damaligen Ober-Mörlen eingeladen haben. Es muss eine lustige Schlittenfahrt mit prächtig ausstaffierten Gefährten und bunt maskierten Menschen geworden sein, schenkt man jenem Bild Glauben, das der Maler Christian Wilhelm Ernst Dietrich (genannt Dietricy) als eines von vier Jahreszeitenbildern anfertigte. Die »Lustige Schlittenfahrt« überlebte beide Weltkriege, bezog nach einer Odyssee rund um den Globus im Jahr 1952 wieder seinen angestammten Platz im Rittersaal des Schlosses und steht für die Geburtsstunde der Ober-Mörler Fassenacht.



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