Geistliche Worte und weltliche Lieder vor der Waldkapelle
Florstadt/Niddatal-Wickstadt (udo). Die erste der drei jährlichen Wallfahrten der katholischen Pfarrei Wickstadt zur idyllisch im Wald gelegenen Kirche Maria Sternbach zog am Sonntag, in der Woche vor Christi Himmelfahrt, zahlreiche Pilger ins Freie.
Vor der Wallfahrtskirche spricht Pfarrer Andreas Heger zu den Gästen des Gottesdiensts.
Die Wallfahrt stand in der Tradition der Bittprozessionen gegen Unwetter und für eine gute Ernte – und alle Teilnehmer waren heilfroh, dass die angekündigten Wolkenbrüche ausblieben. »Bei unseren Wallfahrten hat Petrus immer ein Einsehen«, versicherten bewährte Pilger.
Seine Premiere bei der Wallfahrt hatte Pfarrer Andreas Heger. Er betreut seit Anfang des Jahres die Pfarrei St. Nikolaus mit ihren Kirchen in Florstadt, Assenheim, Wickstadt und Maria Sternbach. Sein Vorgänger, Pfarrer Edgar Sahm, war Ende 2008 nach fast 35 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden.
Der Musikverein Ober-Wöllstadt war nach jahrelanger Auszeit erstmals wieder dabei. Die Musiker gaben bei der Prozession von Wickstadt nach Sternbach den Ton an. Sie unterstützten den Gottesdienst und spielten beim Mittagessen mit flotten weltlichen Songs auf. Zur Marienvesper sang der Kirchenchor aus Wickstadt. Pfarrer Heger war von der Frequentierung der Wallfahrt sehr angetan und froh, viele fremde Gesichter »von jenseits der Pfarreigrenzen« sehen zu können. Die Tradition der herbstlichen Hubertusmessen seines Vorgängers will er weiterführen. Während seiner Ansprache vor dem schmucken gelben Gotteshaus konnte Heger eine Neuigkeit verkünden: Beim Pfarrfest zu Fronleichnam soll die Stiftungsurkunde zur Erhaltung Maria Sternbachs unterzeichnet werden. Pfarrer Sahm hatte sie Ende des Jahres ins Leben gerufen. Nach der mit Spenden finanzierten Renovierung der Kirchen Wickstadt und Maria Sternbach soll so langfristig der Erhalt beider Gotteshäuser sichergestellt werden. »Bei der dritten Wallfahrt im August wird Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann aus Mainz kommen und die Urkunde überreichen«, freute sich Heger.
Singend und betend durch den Wald
Vom Musikverein begleitet, setzte sich die Prozession vor der 1714 geweihten Pfarrkirche St. Nikolaus in Wickstadt in Bewegung. Pfarrer Heger wies die Gläubigen auf die alte Tradition hin, »Bitten und Gebete dem auferstandenen Herrn mitzugeben«. Vor der Kirche wurde aus dem Matthäus-Evangelium gelesen und darum gebeten, dass die Bitten der Gläubigen erhört werden. Gebete sprechend und Bittlieder singend, passierte die Gemeinde mit ihren Gästen die Nidda-Brücke und erreichte – den Weg entlang der blühenden Rapsfelder gehend – das Kruzifix am Waldrand. Hier beteten die Gläubigen um Gnade und zogen zu Kirchengeläut weiter in Richtung Waldkapelle.
Die kleine Kirche Maria Sternbach wurde erstmals 778 in der so genannten Beatus-Urkunde erwähnt. Sie ist dem Heiligen Gangolf geweiht und wird häufig auch von Spaziergängern, Radlern und Joggern besucht. Auf dem Vorplatz zelebrierte Pfarrer Heger den Gottesdienst. Er las aus Johannes über das Gebot der Liebe. Auf der Freikanzel predigte der Geistliche über den Spruch, einem fluchenden Bauer wüchsen bald Disteln auf dem Feld. Wer indes in seiner Arbeit aufgehe und diese gerne verrichte, der schaffe ein erfülltes Verhältnis zu seiner Umgebung. Auch mit Gebeten stelle der Mensch sein Leben unter den Segen Gottes. »Der Blick des Menschen soll dahin gerichtet sein, wo der unendliche Gott wirkt.«
Nach dem Gottesdienst stärkten sich die Wallfahrer vor der Marienvesper mit Erbsensuppe und Würsten und genossen die spritzige Musik der Wöllstädter. Die Kinder kamen zu einem Spieletreff zusammen, später wurden Kaffee und Kuchen serviert.
Als große Herausforderung beschrieb Pfarrer Heger nach der Zeremonie seine Aufgabe, die beiden Pfarreien Dorn-Assenheim und Wickstadt zu führen und behutsam einander anzunähern. Die kleine, acht Orte betreuende Pfarrei Wickstadt habe zwei moderne und zwei historische Kirchen zu unterhalten, was ebenfalls eine großes Vorhaben darstelle.