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Anders als im Bilderbuch

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Artikel vom 19.02.2016 - 20.09 Uhr

Anders als im Bilderbuch

Wetteraukreis (kai). Der Assenheimer Michael Schneller hat einen Wunsch: Er will, dass die Menschen wieder ein natürliches Verhältnis zur Landwirtschaft bekommen. Der neue Kreislandwirt setzt dabei auf seine Kollegen und auf ein gut laufendes Gemeinschaftsprojekt mit dem Wetteraukreis.

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Der neue Kreislandwirt Michael Schneller.
© Ines Dauernheim
Im Büro verbringt Landwirt Michael Schneller viele Stunden, mehr als auf dem Traktor. Getreide vermarkten, Äcker verwalten, jeden Arbeitsschritt auf den Feldern dokumentieren, Anträge ausfüllen, betriebswirtschaftliche Kennzahlen vergleichen, Buchführung erledigen, Informationen zu Wetter, Preisen und Trends in der Agrarpolitik sammeln, Kontakte pflegen, sich an Internet-Projekten zum Aufklären über Landwirtschaft beteiligen, Sitzungen vorbereiten. Der Raum unterscheidet sich kaum von einem Verwaltungsarbeitsplatz. Lediglich der Meisterbrief an der Wand und der Blick in die Felder zwischen Assenheim und Bönstadt deuten darauf hin, dass hier ein Landwirtschaftsmeister ackert.

Natürliche Abläufe wieder verstehen

Das Büro verrät noch mehr über Schneller: Seine Frau Christiane und er sind Afrika-Fans. Blickfang sind die gerahmte Landkarte des Kontinents, eine geschmackvolle Schnitzerei mit dem Umriss Afrikas, ein Gemälde afrikanischen Ursprungs. »Afrika ist faszinierend«, sagt Schneller. »Die Wanderung der Gnus, die Weite, die Natur.« Südafrika, Namibia, Botswana, Tansania bereiste das Ehepaar. »Die Landwirtschaft hat dort einen ganz anderen Stellenwert, jeder versteht die natürlichen Abläufe«, sagt Schneller.

Das wäre sein Wunsch auch für die Wetterau. »Hier ist der Kontakt zur Bevölkerung verloren gegangen, in vielen Köpfen prägen die Medien das Bild von der Landwirtschaft.« Bilderbuch-Landwirtschaft mit Kühen, Hühnern, Schweinen werde als ideal gesehen, die heutige Landwirtschaft mit Massenproduktion gleichgesetzt. »Das ist falsch, das basiert auf Unwissenheit.« Verständnis wecken, aufklären, Kompromisse suchen sind Schnellers Maxime. Ruhig, sachlich, erklärt er es am Beispiel der Feldränder. »Wir mulchen sie nicht aus Spaß, das ist Feldrandhygiene. Das regelmäßige Kürzen der Ränder verhindert Krankheiten, spart Pflanzenschutzmittel.«

Am Mittwoch wurde er zum Kreislandwirt gewählt, folgt auf Herwig Marloff, der zwölf Jahre amtierte. Nun ist Schneller der Vorsitzender des Gebietsagrarausschusses, einem Gremium, dem Landwirte, Landfrauen, Gewerkschafter, Gärtner, Mitarbeiter des Forsts und der Kreisverwaltung angehören.

Vielfältig sind die Themen, die in dem Ausschuss beraten und entschieden werden: Naturschutz-, Landschaftsschutz- und Baugebiete, Ausgleichsflächen, Infrastruktur, landwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe. »Der Kreislandwirt ist ein Vermittler zwischen Behörden und Landwirtschaft.«



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