Nidda/Friedberg (arc). Nichts ging gestern früh am Bahnhof in Nidda - die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte zu einem vierstündigen Streik aufgerufen, der laut ihrem Vize-Vorsitzenden Norbert Quitter zu 85 Prozent »erfolgreich« war. Die Hessische Landesbahn, die die Strecke von Nidda nach Friedberg bedient, teilte sogar mit, alle Züge seien ausgefallen, und auch nach dem Ende des Streiks um 8.30 Uhr sei es noch bis 10 Uhr zu Verspätungen gekommen.
Auf dem Niddaer Bahnsteig tut sich nicht. Die Lokführer sind mit ihrem Streikergebnis von 85 Prozent zufrieden, erklärt der Vizevorsitzende der GDL, Norbert Quitter (links). (Foto: Stephan)
Ja, vom Streik sei auch sie betroffen - aber nein, dazu etwas sagen wolle sie nicht. Die Dame mit den beiden Taschen wendet sich ab, tippt erneut eine Nummer in ihr Handy. Sie läuft wieder mit unglücklichem Blick vor dem Bahnhof auf und ab, wie sie es schon eine ganze Weile tut. Als sie erneut vorbeikommt, hält sie ihr Mobiltelefon nicht mehr ans Ohr, sie schaut ins Leere und sagt leise: »Ich muss um halb neun in Frankfurt sein und hier gibt es nicht einmal ein Taxi!« Es ist halb acht.
Die junge Schülerin aus Geiß-Nidda zwischen den wartenden Reisenden hat es da besser. Sie ist auf dem Weg nach Hungen und steht 40 Minuten mit in die Ärmel gezogenen Fingern am Bahnhof, bis sie ihr Opa mit dem Auto abholt. Zum Streik befragt, zuckt sie mit den Schultern und antwortet: »Man kommt halt zu spät in die Schule.«
Ebenfalls auf sein Privattaxi wartet ein Auszubildender aus Birstein, der auf dem Weg zur Berufsschule nach Wetzlar ist. Er sitzt seit eineinhalb Stunden in Nidda fest und wird bald von seiner Mutter abgeholt. Ein wenig Verständnis für den Streik habe er schon, sagt er und ergänzt dann doch: »Aber es geht hier auch um meinen Beruf, meine Zukunft. Ich darf in der Berufsschule nicht fehlen!«
Andere Erfahrungen in Sachen Streikakzeptanz hat der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Deutschen Lokführer (GDL), Norbert Quitter, gemacht. Er steht mit seinen Kollegen vor dem Niddaer Bahnhof und spricht mit den Reisenden und führt auch die eine oder andere Diskussion. Die Fahrgäste zeigten größtenteils Verständnis für den Streik. Man sei sogar aufgefordert worden, »das jetzt durchzuziehen«, sagt Quitter. Insgesamt sei man mit dem Streikergebnis sehr zufrieden. Beispielsweise in Grävenwiesbach und Schöllkrippen könne man 100 Prozent Erfolg verbuchen, in Friedberg und Nidda 85 Prozent.