Sie sind hier: Startseite » Lokales » Städte und Gemeinden » Nidda »

Sonst schweigen die Lämmer

  Anzeige

Artikel vom 06.06.2014 - 16.55 Uhr

Sonst schweigen die Lämmer

Wetteraukreis (pm). Die hessischen Schäfer bangen um ihre Zukunft. Anlass ihrer Sorge ist die derzeitige Neugestaltung des EU-Agrarförderprogramms und dessen Ausgestaltung in Hessen. Die Landräte aus Wetterau und Vogelsberg schlagen ebenfalls Alarm.

_102647
Lupe - Artikelbild vergrössern
Untergangsstimmung bei Schafhaltern. Die meisten sind zu 60 Prozent von Fördergeldern abhängig. Wird hier weiter gekürzt, bedeutet das für viele Betriebe das Aus.
© pv
Wie der Vorsitzende des Hessischen Verbands für Schafzucht und -haltung, Reinhard Heintz, sagt, hat sich die Zahl der Schafhaltungsbetriebe in den vergangen zwei Jahren um 11 Prozent reduziert. Der Rückgang sei das Ergebnis einer verfehlten EU-Agrarförderung in den vergangenen zehn Jahren, beginnend mit der Umstellung von Tier- auf Flächenprämien und verschärft durch die Pflicht zur elektronischen Einzeltierkennzeichnung. Hinzu komme eine starke Konkurrenz um Agrarflächen durch Biogasproduzenten und die neuen Beiträge der landwirtschaftlichen Sozialversicherung.

Schafhalter seien extrem von Veränderungen in der EU-Agrarförderung abhängig. Ihr Anteil der Einnahmen aus öffentlichen Geldern mache oft zwischen 50 und 60 Prozent der gesamten Betriebseinnahmen aus, erklärt Heintz. Grund für die starke Abhängigkeit sei keine unzureichende Leistungsfähigkeit. Vielmehr werde die Arbeit der Schäfer im Bereich Landschaftspflege nicht genügend honoriert. Dabei würden Positivbeispiele wie das »Life+-Projekt Wetterauer Hutungen« die wichtige Funktion der Beweidung durch Schafe für die Erhaltung wertvoller Biotope immer wieder bestätigen.

Der Verband hat nun Vorschläge für die EU-Agrarförderung erarbeitet und Hessens Landwirtschaftsministerium übermittelt. Gefordert werden etwa flexiblere Beweidungszeiträume oder eine höhere Förderung von Flächen mit starken Produktionserschwernissen. »Die Belange der wenigen verbliebenen Schäfereibetriebe gehen bei den Verhandlungen um EU-Fördertöpfe im Gerangel mit stärkeren Interessenvertretungen der landwirtschaftlichen Produktionszweige erfahrungsgemäß unter«, urteilt Heintz.

Dass die Schäferei um ihre Existenz bangen muss, obwohl sie doch für den Erhalt wertvoller Landschaften und die Produktion ökologisch hochwertiger Lebensmittel sorgt, können auch die Vorsitzenden der Schäfervereine Hessen-Nassau und Vogelsberg, Harald Schmid und Wolfgang Pschierer, nicht verstehen. Tatsächlich arbeiteten viele Betriebe nicht einmal auf Mindestlohnniveau. Die Landräte Joachim Arnold (Wetterau) und Manfred Görig (Vogelsberg) haben daher die Landesregierung aufgefordert, einen Kompromiss mit der EU zu forcieren. Die habe den Ländern mit der Wiedereinführung einer an die Zahl der Tiere gekoppelten Weideprämie einen Weg eröffnet. »Länder wie Frankreich gehen bereits diesen Weg. Deutschland lehnt dies jedoch ab«, sagt Arnold. So bleibe den Schäfern nur die Teilnahme am neuen, flächenbezogenen Agrarumweltprogramm »HALM«, das die Schäfereien zwar fördere, jedoch kompliziert sei, eine geringe Förderung verspreche und mit Risiken einhergehe. Eine Pro-Kopf-Prämie, gekoppelt an die Bewirtschaftung von Flächen in Natura2000-Gebieten, würde dagegen direkt wirken. Laut Görig machen die geringen Einkommen der Betriebe und der hohe Arbeitsaufwand Investitionen nahezu unmöglich. Das fördere die Abwanderung der Schäfer und deren Nachwuchs in andere Berufe. »Da die Länder verpflichtet sind, die artenreichen Weiden zu erhalten, sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, um der extensiven Viehwirtschaft zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen.« Er plädierte wie die Schäfer für die zusätzliche Einführung einer Weideprämie pro Muttertier.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 06.06.2014 - 16.55 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang