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Mit einem Down-Syndrom-Kind leben

Artikel vom 10.02.2010 - 14.00 Uhr

Mit einem Down-Syndrom-Kind leben

Nidda-Borsdorf (ema). Mütter mit kleinen Kindern, die schreiben wollen, haben tagsüber kaum Ruhe dazu. So heißt bezeichnenderweise das Buch, das die Borsdorferin Sonja Kammer jetzt veröffentlicht hat: »Meine Sicht der Dinge - aufgeschrieben, wenn Michel schläft«.
Alles andere als Verzweiflung: Sonja Kammer hat ihre Gedanken in einem Buch gesammelt.
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Alles andere als Verzweiflung: Sonja Kammer hat ihre Gedanken in einem Buch gesammelt.
Michel ist ihr lebhafter Zweijähriger, der unentwegt Dinge ausräumt, ausprobiert, versteckt - kurz, der die Welt entdecken will. Ein besonderes Kind nicht nur in seiner Lebhaftigkeit und Kontaktfreude, sondern noch aus einem anderen Grund: Der Sohn der Erzieherin wurde mit einem Down Syndrom geboren. Sehr authentisch ist der Bericht über die Kaiserschnitt-Geburt des Kleinen, das Spannungsfeld der Mutter zwischen Sich-geborgen-fühlen in der Klinik, Schmerz und Übelkeit nach der Narkose, die Unsicherheit, als man ihr und ihrem Partner sagt, Michel habe das Down Syndrom. Abgrundtiefe Verzweiflung? Sonja Kammers Bericht zeigt, wie unterschiedlich junge Eltern auf eine so schicksalhafte Herausforderung reagieren können: »Die Menschen waren alle so wunderbar, so bemüht um uns und um Michel. Es war heilig, was geschehen ist.« So ist auch die Rückkehr nach Hause überzeugend geschildert: Der Raps auf dem Feld hinterm Haus blüht, die Amseln im Obstbaum haben Junge ausgebrütet, Eltern und Baby sind zum ersten Mal als Familie draußen: »Wir saßen auf der Bank im Garten und hier fühlte ich, dass das alles genau so sein soll. Ein Geschenk des Himmels, dass wir beschützt und geführt sind.«

Keineswegs ist Sonja Kammers Buch ein 240-Seiten-Idyll, Darstellung einer heilen Welt. Da wird zum einen der ganz normale Alltag mit einem kleinen Kind geschildert, das Schränke ausräumt, wichtiges Papier zerknittert, zum ungünstigsten Zeitpunkt krank wird...

Mit Sinn für Situationskomik und Anschaulichkeit erzählt die Autorin vom Stress, den das für junge Eltern bedeutet, von den Familienkonflikten, die dazu gehören. Zugleich ist das Buch aber auch eine »Reise nach innen«, bei der Sonja Kammer Rückschau hält auf ihre Kindheitsprägungen und Jugendjahre, auf geglückte und nicht geglückte zwischenmenschliche Beziehungen, auf Krisenzeiten ihres Lebens, etwa die Suchterkrankung, die sie als junge Frau überwand.

Es ist ein Buch der Beobachtungen und Bewältigungen, eine Geschichte vom Leben mit Tieren, von Begegnungen mit alten Menschen und vom Abschiednehmen, von Streit und Versöhnung in nahen Beziehungen, ein Text, in dem Autorin die Leser mitnimmt in ihre Träume und Ängste. Tage, wo alles schief läuft, werden ebenso geschildert wie Stunden, die pure Glücksgeschenke sind. Für viele Leser wird es ein ermutigendes Buch sein, auch wenn sie der Esoterik distanzierter gegenüber stehen als die Autorin.

Sonja Kammer, Jahrgang 1968, wuchs in Borsdorf auf, lernte Baumschulgärtnerin, machte das Fachabitur im Agrarbereich, studierte Sozialwissenschaften mit dem Ziel Lehramt, wechselte in eine Ausbildung zur Erzieherin, die sie abschloss. Mit ihrem Partner, Michels Vater, lebt sie in Borsdorf und arbeitet in einer privaten Kindertagesstätte.

»Wenn Michel schläft« ist erschienen bei Books on Demand, Norderstedt, und hat die ISBN-Nummer 978-3-8391-2345-4. Es ist im Buchhandel erhältlich.

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Artikel vom 10.02.2010 - 14.00 Uhr
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