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Zwei Tage lang leben wie die alten Rittersleut'

Artikel vom 09.06.2008 - 00.00 Uhr

Zwei Tage lang leben wie die alten Rittersleut'

Münzenberg (bd). Auf der hochmittelalterlichen Ruine mit den beiden Bergfrieden hatten am Wochenende die Ritter das Sagen. Die »Freie Ritterschaft zu Münzenberg« hatte zum großen »Mittelalter-Spectaculum« eingeladen. Die Besucher kamen in Massen, brachten Kind und Kegel mit und Leben auf die Burg. Dort konnte man sich in einem Kostümfilm wähnen und abtauchen in die Zeit der alten Rittersleut'.
Während die gar wild dreinschauenden »Skalden« auf alten Instrumenten zum Tanz aufspielen, schlagen die polnischen Gäste den Mün
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Während die gar wild dreinschauenden »Skalden« auf alten Instrumenten zum Tanz aufspielen, schlagen die polnischen Gäste den Münzenberger Holger Kissing zum Ritter. (Fotos: Dörr)
Gewandete aller Orten bevölkerten den Burghof. Marketender boten ihre Waren feil, Hofdamen schritten artig umher, Mägde bevölkerten die Szenerie, Rüstungen blitzten in der Sonne, Knappen eilten umher, Krieger wappneten sich, die Stimme des Herolds übertönte allen Trubel, Wimpel flatterten im Wind, in der Schenke klapperte das Geschirr, klirrten die Gläser.
Tanzende drehten zu lustiger Sackpfeifenmusik ihre Kreise, und irgendwo bellte ein Hund. So mag es ausgesehen haben, als der alte Münzenberger Burgherr Kuno noch am Leben war.

Das zumeist sonnige Wetter lockte die Zuschauer an, vor allem Familien mit Kindern. Wer sich von den Parkplätzen zu Fuß der Burg näherte, erblickte zunächst große Zeltlager, die sich um das »Wetterauer Tintenfass« gruppierten. Hier lagerten die Ritterschaften – nicht nur die Münzenberger, sondern auch die Friedberger, die Staufenberger und wie sie alle hießen. Aus halb Deutschland waren sie angereist und auch aus dem burgenreichen Nachbarland Polen. Auch zur Freude von Bürgermeister Hans-Jürgen Zeiß: »Mehr Tourismus täte uns ganz gut!«

30 Ritter und Kämpfer zählte die polnische Delegation, eine Ritterschaft aus Warschau vom dortigen Deutschorden mit prächigen Gewändern und edlen Roben, teurem Zierat und rasierklingenscharfen Schwertern. Einen eigenen Waffenschmied hatten die polnischen Gäste mitgebracht und auch einen Priester im Mönchsgewand. Sein Weihrauchfass trat in Aktion, als der Münzenberger Ritterschaftsaktive Holger Kissing im feierlichen Zeremoniell zum Ritter geschlagen wurde, mit Gebet und Schwertweihe.

Wie sich die alten Ritter im Kampf stritten, erlebte das Publikum vor dem östlichen Turm hinter sicherer Absperrung. Da wurden schreiend die Lang- und Kurz-Schwerter gezückt und Angriffe vorgetragen, Schläge pariert und ausgeteilt. Die Friedberger stritten mit den Staufenbergern in voller Montur, recht schweißtreibend und theatralisch. Nach dem Kampf gab es die Revanche, und wenn ein getroffener Ritter mit einem halben Zentner Blech am Leib zu Boden stürzte, rummste es ganz schön.

Alle Hobby-Fotografen kamen auf ihre Kosten. Mehr noch als ihre deutschen Ebenbilder wussten die polnischen Recken zu fechten. Da wurde krachend zugeschlagen, dass manchem beim Zuschauen schier der Atem stockte.

Weniger martialisch ging es vor dem westlichen Turm zu. Hoch oben flatterte die Fahne der Freien Ritterschaft im Wind, unten spendete ein breitkroniger Baum reichlich Schatten, es wurde getanzt und Musik gemacht von zwei Mittelaltergruppen. Der gefragte Herold mit den geschwinden Beinen kündigte sie nach einem Trommelwirbel an, und schon legten die altertümlich gewandeten und mit manchem Tattoo auf der Haut verzierten Musikanten los.
Das Volk klatschte eifrig mit und hatte seine Freude an den wilden Klängen und inspirierenden Oden. Die »Skalden«, die sich als Sänger und Krieger zugleich fühlen, kündeten von Schlachtengetümmel, großem Heldenmut und stiller Magie.
Verzaubern ließen sich die Kinder bei einer Märchenerzählerin, Gaukler zogen ihre Bahnen. Für den Abend war ein Feuerschlucker angekündigt.
Überall gab es etwas zu sehen und zu erleben: Axtwerfen, Armbrustschießen und einen (leeren) Schandkäfig, mittelalterliche Gewänder aus aktueller Fertigung, Schmuck, Gewürze aus aller Welt, Musikinstrumente, Kinderspielzeug aus Holz, Pfeile, Bogen, Schwerter und reichlich »Atzung«. Denn aufs Essen und Trinken verstanden sich schon die alten Rittersleut.

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