Münzenberg (pm). Sollte ein bestimmter Elektronikmarkt gerade auf der Suche nach einer neuen Werbeikone sein, im Kulturhaus Trais-Münzenberg könnte er sie finden. Er schläft auf seinen Geldstrümpfen und zwei Sorten Marmelade zum Pfannkuchen sind für den Schneider Nörig rundweg verwerflich. Der Slogan »Geiz ist geil« könnte seine Erfindung sein - wäre da nicht das eine Wort, das ihm nie und nimmer über die Lippen gekommen wäre.
Ganz und gar nicht erbaut von Nörigs Plänen scheint Tochter Anna (Elena Hitzel).
Die Traaser Schaustecker entführen ihre Zuschauer derzeit mit einem Stück aus der Feder von Paul Schurek in die 60er Jahre. Mit der Charakterkomödie vom »Schneider Nörig« haben sie sich einen Klassiker vorgenommen, mit dem das Ohnsorg-Theater seinerzeit schon große Erfolge feierte. In acht - allesamt ausverkauften - Vorstellungen verwandeln die Schaustecker das Kulturhaus in eine kleine, aber feine Theaterwerkstatt, in der sicherlich auch Heidi Kabel und Henry Vahl ihren Spaß hätten.
Dass der geizige Schneider Nörig (Johannes Hummel) am liebsten Spargroschen zählt, ist für seine Familie nichts Neues, aber als er dann noch die Liebe als lukratives Geschäftsfeld entdeckt, übertrifft sich der schlitzohrige Familiendespot selber. Und weil in dieser Zeit die familiären Regeln noch etwas anderen Zielsetzungen folgten, ist es wenig verwunderlich, dass Nörig die Hochzeit seiner jüngsten Tochter Anna (Elena Hitzel) mit einem fast mittellosen Handwerker (Sebastian Brückel) verhindern muss. Die beste Partie ist in Nörigs Augen der alte Nachbar Krupp (Sascha Brückel). Und da Geiz und Gier nahe beieinander liegen, kommt ihm eine weitere Idee in den Sinn: Warum heiratet er nicht selbst auch noch Amanda (Petra Boller), die altledige Schwester seines betuchten Nachbarn, damit auf diesem Wege das ganze Vermögen in Nörigs Familie Einzug hält?
Dagegen wehrt sich allerdings seine ältere Tochter Tine (Christina Kaiser), die eher einen Mord begehen würde als diese »Hexe« als Stiefmutter zu akzeptieren. So endet die eingefädelte Doppelverlobung gar mit einem donnernden Rausschmiss aller Gäste.
Die Verbalattacken seines Schwiegervaters mit Humor parieren und sich nur nicht aus der Ruhe bringen lassen, scheint dagegen das Lebensmotto von Tines Mann Pann (Axel Oeljeschläger) zu sein. Er schlägt im Übrigen mit seinem nordischen Dialekt eine weitere kleine Brücke zum Ohnsorg Theater.
Wer aber glaubt, der Verlauf einer solchen Geschichte wäre absehbar, der kennt die Schaustecker nicht. Der große Auftritt der redseligen Frau Maier (Heike Sames) im dritten Akt bedeutet nochmals ein übergangslos gezündetes Feuerwerk an äußerem Erscheinungsbild und Wortwitz. Dass am Ende aber alles gut wird und der Familiensegen wieder gerade hängt, liegt in der Natur einer Komödie.