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Turbulente Darstellung der Nachwuchsstars

Artikel vom 11.11.2009 - 18.51 Uhr

Turbulente Darstellung der Nachwuchsstars

Karben. Premierenluft wehte durch das Karbener Kino. Schließlich hieß es am Montagabend zum allerersten Mal »Film ab« für die »Märchenparty«, einen Spielfilm nach dem Theaterstück »Where is the Party« von Isabell Götz und Vera Minchio. Die Hauptdarsteller: 19 Mädchen und Jungen des Jugendkreises der evangelischen Kirchengemeinde Okarben. Der Regisseur: Pfarrer Eckart Dautenheimer. Als Kameramann war Wolfgang Böhm im Einsatz. Und wie bei Filmfestspielen üblich, hatten es sich auch die Karbener Nachwuchsstars nicht nehmen lassen, bei der Uraufführung ihres Werkes dabei zu sein.
Pfarrer und Hobby-Regisseur Eckart Dautenheimer (r.) begrüßt die Gäste zur Premiere des Films »Märchenparty«. 	(Foto: jas)
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Pfarrer und Hobby-Regisseur Eckart Dautenheimer (r.) begrüßt die Gäste zur Premiere des Films »Märchenparty«. (Foto: jas)
Zwar war kein roter Teppich ausgerollt, doch Plätze in den ersten beiden Reihen waren für die Mimen reserviert. Weiter hinten im Kinosaal hatten Freunde, Eltern, Großeltern und viele andere Neugierige Platz genommen, die die märchenhafte Party auf der Leinwand unter keinen Umständen verpassen wollten.

Allerlei Überraschungen versprach schon der Song »Es wird viel passieren« - vielen aus einer deutschen Vorabendserie bekannt-, mit dem die turbulente Märchencollage musikalisch unterlegt war.

Mitten hinein ging es in den Märchenwald Karbens, wo die Kinogänger Bekanntschaft mit drei berühmten Personen machten: Hänsel, Gretel und Hans im Glück. Wer aber glaubte, die Handlung der Grimm'schen Geschichten bestens zu kennen, der wurde schnell eines Besseren belehrt. In rosa Bluse und weißer Hose scharwenzelt da ein homosexueller Hans, alias Waltraud (Marvin Ulrich), durch den Wald, immer auf der Suche nach einer abgefahrenen Party. Auch die Geschwister Hänsel und Gretel (Nils Weber und Nadine Mistetzky) erscheinen nicht als arme Kinder, die sich im Wald verlaufen haben, sondern als verwöhnte Gören mit Handy, die auf der Suche nach ihrem Erzeuger sind. Statt Brotkrumen streuen sie Chips auf den Weg, und die Hexe (Maike Kaffenberger) treffen sie nicht im Knusperhaus, sondern ganz zeitgemäß in der Dönerbude. »Ich schieb voll Kohldampf«, verkündet Hänsel und beißt in seinen Hexen-Döner für drei Euro. Die Hexe lacht sich ins Fäustchen. »Den Typen mäste ich und die Tussi putzt für mich«, fällt aber dann doch auf Gretels Backofen-Trick herein und landet beim Fladenbrotbacken in der Röhre. Das Publikum war begeistert und spendete immer wieder Zwischenapplaus. Hans hat unterdessen seinen Goldklumpen in ein Schwein - gespielt von Hund »Elimu« - getauscht und trifft auf das unschuldige Rotkäppchen (Claire Pliquett), das Big Mäc und Bier zur kranken Großmutter (Karina Ochsenhirt) bringen will. Doch auch im Film der Okarbener kommt es wie es kommen muss: Der Wolf in Gestalt des entlaufenen Sittenstrolches Don Juan de Wolf (Jana Balas) setzt alles dran, Rotkäppchen zu verführen - herrlich witzig gespielt von den beiden Protagonistinnen. Der Jäger (Kristina Mayer) verhindert Schlimmeres, alarmiert die Polizei (Ann-Kathrin Löhr) und rettet Rotkäppchen und Oma.

Zuletzt treffen die Kinogänger auf ein unglaublich von sich selbst überzeugtes Schneewittchen (Lara Ullrich), das über den ungemütlichen, feuchten und kalten Wald schimpft und jammert »Die Waldluft schadet meinem Teint«. Doch angesichts des drohenden Todes flüchtet sie auf Stöckelschuhen hinein ins Dickicht und trifft schließlich auf die sieben Zwerge (Rowenia Bender, Marcus Eckhardt, Johannes Feigl, Fabian Hohmann, Frederick Löhr, Rene Rapior, Hanna Schulz und Kristin Weber).

Für die Sieben, die tagaus tagein auf der Zwergenbank arbeiten, bricht ein hartes Leben an: Schneewittchen kommandiert sie herum, droht, faulenzt und kümmert sich einzig und allein um ihr Aussehen. Zweimal vereiteln die Zwerge die Versuche der bösen Stiefmutter, die Prinzessin mit Hilfe von vergifteten Blumen und Elektrosmog umzubringen. Mund-zu-Mund-Beatmung - bei den Zwergen äußerst beliebt - bringt die eitle Schönheit zurück ins Leben. Erst der vergiftete Burger scheint ihr zum Verhängnis zu werden. Die Zwerge jammern, betrauern das »emanzipierte Mädchen« und jubeln, als Herzog Karl Eugen von Hessen (Frank Schulz) ungeschickt über die Liege Schneewittchens stolpert und ihr damit das Leben rettet.

Das Happy End haben die Darsteller um Regisseur Dautenheimer, der schon 2006 den Film »Herzsprung« inszeniert hatte, in die Okarbener Kirche verlegt. Herzog und Prinzessin heiraten. Den Pfarrer spielt - wie sollte es anders sein - Eckart Dautenheimer. Und alle Märchengestalten sind zur großen Party eingeladen. »Jetzt hab ich sie endlich gefunden«, jubelt Hans, bedauert aber, »schade nur, dass so viele Frauen da sind.«

Gelacht wurde am Premierenabend im Kino herzlich und viel - über die turbulente Geschichte, die fantasievolle Umsetzung und die hervorragend gespielten Szenen. Für die Okarbener Mimen gab's reichlich Applaus, viel Lob und Rosen vom Regisseur. Für die Zuschauer hatten die Darsteller noch ein filmisches Schmankerl parat: Ausschnitte aus dem »Making of«, darunter so mancher Versprecher und Lachanfall. Ein gelungenes Ende für einen durch und durch unterhaltsamen Film. Janine Stavenow

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Artikel vom 11.11.2009 - 18.51 Uhr
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