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Riesiger Andrang zum Film über »Klärchen«

Artikel vom 25.09.2010 - 14.00 Uhr

Riesiger Andrang zum Film über »Klärchen«

Karben (aho). Hartmut Polzer war ebenso von dem Besucherandrang überrascht, wie seine Lebenspartnerin Irma Mattner. Denn das Kino »Cinepark« fasst gerade mal 177 Sitzplätze. Was bisher allemal reichte, war diesmal für ihren Film »Klärchen - Flucht in eine fremde Welt«, über die letzte Holocaust-Überlebende der Stadt, nicht annähernd genug.
Das Interesse an dem von Hartmut Polzer gedrehten Dokumentarfilm über Claire Kirschberg ist so groß, dass nicht mehr alle im Kin
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Das Interesse an dem von Hartmut Polzer gedrehten Dokumentarfilm über Claire Kirschberg ist so groß, dass nicht mehr alle im Kino einen Sitzplatz finden können. (Foto: Hofmann)
»Jemand fragte mich schon, was wir machen, wenn nicht alle Zuschauer hineinpassen. Ich habe nur gelacht«, sagte Polzer. »Wir haben Freunden noch zum Spaß gesagt, kommt früher, sonst bekommt ihr keinen Platz mehr«, zeigte sich auch Mattner von dem Ansturm überwältigt.

Nachdem Polzer den Stehenden angeboten hatte, mit dem Kino einen weiteren Aufführungstermin zu vereinbaren, gingen rund 40 Personen, die sonst hätten stehen müssen, mit sichtlichem Bedauern. Nicht wenige aber blieben entschlossen, sich den Film auch auf der Treppe stehend anzusehen.

Und sie wurden nicht enttäuscht. Der Film, in dem neben »Klärchen« auch Burg-Gräfenrode mit seinen Einwohnern eine Hauptrolle spielt, ist ein zwar von Amateuren gedrehter, aber erstaunlich professionell umgesetzter Dokumentarfilm, der viele Zuschauer beeindruckte. Der Streifen beginnt mit Claire Kirschbergs Familiengeschichte, mit den Großeltern und dem Onkel, der im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallen war. Das aber zählte unter Hitler nicht mehr. Die Eltern rücken in den Blickpunkt, Klärchen und das jüdische Leben, das so in den Alltag von Burg-Gräfenrode integriert war, dass niemand ernsthaft etwas gegen die Kirschbergs sagen konnte. Eine Nachbarin beschreibt die Familie in dem Film sogar als sehr hilfsbereit.

Immer wieder kommen Zeitzeugen, ehemalige Klassenkameraden Klärchens oder damalige Nachbarskinder zu Wort. Und der - anwesende - ehemalige Vorsitzende des Karbener Geschichtsvereins, Helmut Heide, stellte die Schicksale der Karbener Juden ebenso in einen historischen Rahmen, wie Monica Kingreen vom Fritz-Bauer-Institut deren Lage damals umriss.

Als die Repressalien gegen Juden immer bedrohlicher wurden, nutzten Claires Eltern die Möglichkeit, ihre Tochter nach England zu verschicken. Dort fasste die 14-Jährige Fuß und bekam sogar Unterstützung, ihre Eltern nachzuholen. Aber als alle nötigen Papiere endlich für deren Ausreise fertig sind, bricht der Zweite Weltkrieg aus und verhindert deren Flucht nach England. Sie kommen in den KZs um. Neben London sind Liverpool, Nottingham, New York, Pittsburg, wo sie Arnold Zweig heiratete, Stationen in Klärchens Lebensweg. Nun lebt sie in Florida.



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Artikel vom 25.09.2010 - 14.00 Uhr
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