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Redner fordern mehr Eigenverantwortung von den Bürgern

Artikel vom 11.01.2010 - 09.00 Uhr

Redner fordern mehr Eigenverantwortung von den Bürgern

Karben (dit). »Einen ersten Wunsch für das Jahr 2010 haben Sie heute erfüllt: Einen bestens besuchten Neujahrsempfang«, begrüßte CDU-Vorsitzender Mario Beck die Gäste im Albert-Schäfer-Haus in Petterweil. Mehr als 200 Besucherinnen und Besucher hatten sich trotz Schlechtwetter-Prognosen am Freitagabend dort zu der Veranstaltung eingefunden, die zum fünften Mal stattfand.
Der künftige Bürgermeister Guido Rahn fordert zu aktiver Mitarbeit auf.
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Der künftige Bürgermeister Guido Rahn fordert zu aktiver Mitarbeit auf.
»Viele Menschen aus vielen Organisationen, Vereinen und Verbänden sind gekommen. Sie repräsentieren das, was wir als Volkspartei vertreten, nämlich die Mitte der Gesellschaft«, so Beck, der zahlreiche Ehrengäste willkommen hieß. Dazu gehörten unter anderen der Arge-Sport-Vorsitzende Martin Menn, der Arge-Kultur-Vorsitzende Adolf Koch, Vertreter und Vertreterinnen von Ausländerbeirat, Musikschule, Naturschutzverbänden, VdK, Kirchengemeinden, Feuerwehr und Landfrauen, Landtagsabgeordneter Tobias Utter, CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Konrad Dörner sowie Stadtverordnetenvorsteherin Ingrid Lenz, die CDU-Ehrenvorsitzenden Alfons Bachmann und Eva-Maria Römer und die Vorsitzenden von FDP, FWG und SPD, Oliver Feyl, Laura Macho und Christel Zobeley.

Als die Begrüßung des künftigen Bürgermeisters Guido Rahn mit anhaltendem Applaus einherging, scherzte Beck in Richtung seines Parteikollegen: »Der Beifall zeigt, dass es von den 54 Prozent, die Dich gewählt haben, noch niemand bereut hat.« Das Jahr 2010 beinhalte die Chance für einen Neuanfang in Karben, fuhr Beck fort. »Zum ersten Mal seit 40 Jahren stellt die CDU den Bürgermeister. Magistrat und Stadtparlament werden künftig mit einer Stimme sprechen.« Wichtige Vorhaben seien die Schaffung des Baurechtes für die Nordumgehung, die Entwicklung der Innenstadt, die Einrichtung weiterer Betreuungsplätze für unter Dreijährige und die Sanierung des Hallen- und Freizeitbades. Dies alles funktioniere nur im Rahmen geordneter Finanzen. Die Aufnahme von Krediten und das Drehen an der kommunalen Steuerschraube sollten vermieden werden.

»Arbeitslosenzahl wird steigen«

Auf die krisengebeutelte Wirtschafts- und Finanzlage in der Bundesrepublik ging der Hauptredner des Abends, Dr. Hugo Müller-Vogg, ein. »Im Jahr 2010 wird die Finanzkrise noch nachhaltig nachwirken. Die Arbeitslosenzahl wird steigen, die Forderungen nach mehr Staat lauter werden«, prognostizierte der ehemalige Herausgeber der FAZ. Anhand humorvoller Beispiele erklärte der Publizist zunächst die Begriffe Kapitalismus, Turbo-Kapitalismus und Sozialismus. Dann ging er auf die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft ein, die maßgeblich durch Ludwig Erhard geprägt wurde, eine ethische Komponente habe und deren Grundgedanke darin bestehe, dass sie ihre wohlstandsmehrende wie koordinierende Wirkung nur entfalten könne, wenn sie durch eine strenge staatliche Ordnungspolitik auf den Wettbewerb verpflichtet werde. »Das Modell zielte auf wirtschaftliche Effizienz und sozialen Ausgleich.« Die Betonung des »Sozialen« sei gewachsen, die Soziallleistungsquote erheblich gestiegen. »Entstanden ist ein Staat, der Fleißige mit hohen Steuern bestraft, in dem es viele Arbeitslose gibt, die gerne arbeiten möchten und viele Kostgänger, die nicht arbeiten wollen. 40 Prozent aller Deutschen sind mittlerweile Empfänger staatlicher Leistungen«, kritisierte er.

Kritik an Bankmanagern

Niemand habe der sozialen Marktwirtschaft so geschadet, wie die Bankmanager während der Finanzkrise, so Müller-Vogg weiter, der aber auch das profitorientierte Verhalten der Kunden anprangerte. Nach Ansicht des Polit-Kenners, der die schwarz-gelbe Koalition trotz Startschwierigkeiten einer großen oder eine rot-rot-grünen Koalition vorzieht, kann der Staat zwar vieles, aber nicht alles regeln. Notwendig sei die Reform und Vereinfachung der Steuergesetzgebung. Die Krise dürfe nicht an den »Nutznießern« spurlos vorbeigehen, während die »Finanziers« davon betroffen würden, befand Müller-Vogg und plädierte für die Übernahme von mehr Eigenverantwortung.

Dazu forderte auch Guido Rahn die Karbener Bürgerschaft auf. Sein Ziel in seinem Amt als Bürgermeister, das er am 1. April antrete, sei es, dass die Stadt einen Aufbruch erlebe. »Nicht jeder wird seine Wünsche erfüllt bekommen, wir können kein Füllhorn ausleeren und mehr ausgeben, als wir haben«, betonte er. Einen so genannten sozialen Kahlschlag werde es trotzdem nicht geben. »Wir erwarten, dass alle Bürger mit anpacken.« Bereits in jüngster Vergangenheit habe sich gezeigt, dass die Bereitschaft dazu bestehe. Die der Politik vorbehaltenen Aufgaben würden selbstverständlich von dieser Seite erfüllt. »Wir werden verantwortungsvoll mit Ihren Geldern umgehen und langfristig denken. Ich hoffe, dass Sie uns auf diesem Weg begleiten«, so Rahn.

Dem offiziellen Teil des Empfangs, den das Ensemble »Die Fiddler« der Musikschule Bad Vilbel/Karben unter Leitung von Gudrun Jeggle und Christiane Schmidt mit flotter Musik bereicherte, folgte ein gemütlicher Ausklang beim Buffet.

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Artikel vom 11.01.2010 - 09.00 Uhr
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Leserkommentare
(11.01.2010 10:26)
lg
Sozialleistungen werden weiter
Müller-Vogg kritisiert den Anstieg von Sozialleistungen: ?Die Betonung des »Sozialen« sei gewachsen, die Soziallleistungsquote erheblich gestiegen. »Entstanden ist ein Staat, der Fleißige mit hohen Steuern bestraft, in dem es viele Arbeitslose gibt, die gerne arbeiten möchten und viele Kostgänger, die nicht arbeiten wollen. 40 Prozent aller Deutschen sind mittlerweile Empfänger staatlicher Leistungen«, kritisierte er.?
Dem wird gerade Schwarz-Gelb nicht abhelfen. Deren Evangelium heißt doch: Entlastung der Wirtschaft, Entlastung der Wirtschaft, Entlastung der Wirtschaft. Mit der Konsequenz, der Staat soll´s dann richten. Aufstocker (der niedrige Lohn reicht nicht zum Leben und muß dann noch auf Harz-Niveau aufgestockt werden) und Altersarmut sind die Folge. Statt dem z.B. mit Mindestlöhnen, von denen man leben kann und mit mehr Brutto - statt nur mehr Netto vom Brutto - abzuhelfen, schafft und pflegt man die Probleme über die man dann lauthals beklagt und andere dafür beschimpft.
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