Karben (pe). Der Gewerbeverein hat einen neuen Vorstand. Während der Jahreshauptversammlung wurde Mike Barowski zum Nachfolger des langjährigen Vereinschefs Werner Vieth gewählt. Die Wetterauer Zeitung befragte den »Neuen« an der Spitze des 100 Mitglieder zählenden Vereins.
Mike Barowski
Herr Barowski, Sie haben in Ihrer Antrittsrede angekündigt, der Gewerbeverein solle »weg vom netten Verein«. Was meinen Sie damit?
Mike Barowski: Die Aussage ist so unvollständig. Mit der vollständigen Aussage »Weg vom netten Verein, hin zur selbstbewussten Interessenvertretung der Gewerbetreibenden (Gewerbesteuerzahler)« wird deutlich, dass der Gewerbeverein sich stärker als in der Vergangenheit dafür engagieren muss, das Karbener Gewerbe zu stärken. Das beinhaltet sowohl die Vertretung klarer Positionen, was die Entwicklung der Stadt angeht, als auch die Förderung des Zusammenhalts der Gewerbetreibenden und die Weiterentwicklung. Natürlich wollen wir weiter ein »netter« Verein sein, was den Umgang miteinander und mit den Bürgern sowie den Institutionen oder etwa der Presse angeht.
Erläutern Sie, warum Sie den Verein strukturell neu ausrichten wollen.
Barowski: Generell geht es nach der Bestandsaufnahme um die strukturelle Ausrichtung. Ob diese dann wirklich neu ist, wird sich zeigen. Grundsätzlich muss man festhalten: Jeder Verein unterliegt im Laufe der Jahre einer Entwicklung, die durch Routine und Gewohnheiten gekennzeichnet ist. Dies ist erstmal keineswegs negativ und ganz normal. Allerdings tut es jedem Verein wie auch jeder Firma oder jeder öffentlichen Institution ganz gut, wenn man hin und wieder Routine und Gewohnheiten hinterfragt und zumindest versucht, eine frische Brise hineinzubringen. Für den Gewerbeverein bedeutet dies, dass es einer besseren Aktivierung der Mitglieder bedarf mit stärkerer Einbeziehung. Der Verein ist nur so gut und stark wie seine Mitglieder, die Reduktion auf allein den Vorstand ist eine falsche Richtung.
Wie sieht für Sie und Ihre neuen Vorstandskollegen ein lebendiges und für die Bürger attraktives Karben aus?
Barowski: Karben ist lebendig und attraktiv. Dies gilt es zu fördern. Dazu gehört eine vom Gewerbe getragene Lebendigkeit in den Stadtteilen, nicht nur im Zentrum. Und dazu gehört ein Gewerbeverein, der zu den Veränderungen in der Stadt, zu Plänen der Stadt und zu Fehlentwicklungen kritisch Stellung bezieht. Natürlich ist Karben keine Insel, und die Attraktivität der umliegenden, schnell erreichbaren größeren Städte kann man nicht ignorieren, aber wir können daran arbeiten, den Karbener Bürgern die vor ihrer Haustür befindlichen Angebote besser zu präsentieren und diese Angebote auch besser zu machen. Die Heimkinoanlage mag in Frankfurt in dem einen oder anderen Geschäft preiswerter sein, aber spätestens beim Service zahlt sich die Nähe zum Anbieter aus Karben doppelt und dreifach aus.
Wird der Gewerbeverein künftig mehr eigene Aktionen über die Gewerbeschau oder verkaufsoffene Sonntage hinaus veranstalten?
Barowski: Einen Gewerbeverein sollte man nicht auf Aktionen reduzieren. Wenn eine Aktion von den Mitgliedern als sinnvoll und für die Bürger nützlich erachtet wird, werden wir uns dafür engagieren. Hierzu zählen sicherlich die Gewerbeschau oder verkaufsoffene Sonntage. Ansonsten werden wir prüfen, wo und wie der Gewerbeverein, ob in Kooperation oder als Veranstalter, weitere Aktivitäten startet. Und letztlich ist es sicher sinnvoll, gemeinsam mit Unternehmen, Vereinen und der Stadt gute Ideen über gezielte Kooperationen zu stärken.
Haben Sie vor, künftig die Werbung breiter zu streuen? Setzen Sie dabei mehr auf die elektronischen Medien oder die gedruckten Produkte? Ist auch die gute alte Tageszeitung für Ihren Verein wichtig?
Barowski: Die gute alte Tageszeitung steht auch für den Gewerbeverein in der ersten Reihe, so lange sie sich nicht über den Trend zu Zentralredaktionen und daraus resultierendem fehlenden Lokalbezug aus dem lokalen Geschehen verabschiedet. Ob und welche Werbemaßnahmen der Verein initiiert, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen offen. Im Moment muss der neue Vorstand sich um die Bestandsaufnahme kümmern, Basiselemente der Kommunikation wie etwa den Internetauftritt des Gewerbevereins auf einen aktuellen Stand bringen. Hier können wir einfach nur um Geduld bitten.