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Ein Abend im BBW zum Weltfrauentag

Artikel vom 13.03.2010 - 03.33 Uhr

Ein Abend im BBW zum Weltfrauentag

Karben (jas). Männer sind alle gute Kumpel. Und Frauen? Frauen neiden sich gegenseitig den Erfolg, tragen Zickenkriege aus und machen sich das Leben schwer. Und wenn sie sich doch mal gut verstehen, dann nur, um gemeinsam Kaffeekränzchen abzuhalten oder ausgedehnte Shopping-Touren zu unternehmen. So jedenfalls wird es oft dargestellt. Dass die Realität anders aussieht, machten anlässlich des Weltfrauentags die Auszubildenden und Mitarbeiterinnen des Berufsbildungswerkes Südhessen (BBW) deutlich.
Afrikanische Rhythmen bringen die Trommlerinnen zu Gehör, die auf die Lesung mit Texten aus Afrika einstimmen.  	(Foto: Stavenow
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Afrikanische Rhythmen bringen die Trommlerinnen zu Gehör, die auf die Lesung mit Texten aus Afrika einstimmen. (Foto: Stavenow)
Unter dem Motto »Beste Freundinnen, Cliquen und Netzwerke - was Frauen verbindet« zeigten sie, auf welch vielfältige Weise sich Frauen gegenseitig unterstützen, motivieren, fördern und gemeinsam ihre Wege gehen. Zahlreich waren die Besucherinnen gekommen, um sich die unterhaltsame und informative Collage aus literarischen Texten, Bildern, Musik und Filmen anzusehen und sich außerdem von den frühlingshaften kulinarischen Kreationen der Beikoch-Azubis verwöhnen zu lassen.

»Brauchen wir nach 99 Jahren Frauentag überhaupt noch eine solche Veranstaltung. Wir sind doch emanzipiert. Das haben wir uns bei der Vorbereitung dieser Veranstaltung gefragt«, schickte Ida Todisco, die zusammen mit BBW-Pressesprecherin Elke Beeck den Abend moderierte, vorweg und gab gleich die Antwort: »Ja, ein solcher Tag hat noch immer seine Berechtigung. Es gibt viel nachzubessern.«

Jasmin Ziemann, die zur Raumausstatterin ausgebildet wird, entführte ihre Zuhörer mit einer Lesung aus dem Buch »Paris war eine Frau« in die französische Hauptstadt der 20er-Jahre. Untermalt von Akkordeonklängen erinnerte sie an die Gruppe von Amazonen, die zu dieser Zeit Paris, »der faszinierenden, kreativen und klugen Frau«, nicht hatten widerstehen können und dort ihr künstlerisches Leben entfaltet hatten.

Es waren mehrheitlich amerikanische Frauen, die am linken Seineufer wohnten und als Frauen von der »Left-Bank« in die Geschichte eingegangen sind. »Es war die Stadt Paris, die sie vereinte«, zitierte die Auszubildende.

Wie wichtig Frauennetzwerke sind, um die persönlichen Perspektiven für Mädchen und Frauen zu verbessern, darauf machten die BBW-Mitarbeiterinnen Dorothea Waldschmidt, Gudrun Stamm und Christine Wissmann sowie Karina Maiberger aufmerksam, die zur Hauswirtschafterin ausgebildet wird. »Seit über 100 Jahren engagieren sich Frauen, um ihre Situation zu verbessern. Waren es früher vor allem das Wahlrecht und das Recht auf Arbeit, für das gekämpft wurde, sind es heute Themen wie Frauengesundheit, Frauenarbeit und deren Bedingungen sowie Gewalt gegen Frauen«, so die Referenten. Die Fakten sind erschreckend: »40 Prozent alle Frauen haben mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt.« Kurz stellten die vier Vortragenden den Deutschen Frauenrat vor, in dem sich derzeit 56 bundesweit aktive Frauenverbände und -organisationen zusammengetan haben.

Die Musik als Mittel, ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen und Stimmungen zu transportieren, haben die Auszubildenden Jasmin Ziemann und Helene Heger für sich entdeckt. Gemeinsam mit BBW-Mitarbeiterin Nicole Epifani sangen sie den Song »Schwestern fürs Leben« und wurden mit reichlich Applaus belohnt. Afrikanische Rhythmen brachten die Trommlerinnen zu Gehör, die auf die Lesung afrikanischer Text mit der Auszubildenden Juliette Ochaya und Mitarbeiterin Franziska Gerlach einstimmten. Der Frage, was eigentlich eine beste Freundin ausmacht, waren Anne Lehinant, Ausbildern in der Malerwerkstatt, und Ida Todisco nachgegangen. Bewaffnet mit der Videokamera hatten sie sich auf dem BBW-Gelände auf die Suche nach Antworten gemacht, und so einige gefunden, wie ein kleiner Film zeigte.

Frauenfreundschaften waren auch Thema auf dem roten Sofa, auf das die beiden Moderatorinnen Renée Eve Seehof, Nicole Epifani, deren beste Freundin Silke Wallerscheck und Rabia Othman gebeten hatten. »Meiner besten Freundin gegenüber kann ich mein Innerstes nach außen kehren«, sagte Seehof. Angesprochen wurde die Frage nach Frauen in Führungspositionen. »Fühlt man sich als Frau in einer Führungsposition allein?«, wollte Ida Todisco von der BBW-Geschäftsführerin wissen. Es sei noch immer eine harte Bastion: »Von 52 Berufsbildungswerken werden 49 von Männern geleitet. Bei 28 Berufsförderungswerken gibt es nur eine Frau in einer Leitungsposition«, informierte Seehof, die sich sicher ist, dass ein ausgewogenes Verhältnis der Qualität zugute kommen würde.

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Artikel vom 13.03.2010 - 03.33 Uhr
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