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Diskussion um den Kormoran soll belebt werden

Artikel vom 02.02.2010 - 02.00 Uhr

Diskussion um den Kormoran soll belebt werden

Karben (kum). Bei der jüngsten Veranstaltung des örtlichen Naturschutzbundes (NABU) stand der durch den NABU und den Bayerischen Landesbund für Vogelschutz gewählte Vogel des Jahres 2010, der Kormoran, im Mittelpunkt. Udo Seum, Experte auf dem Gebiet der Kormorane und maßgeblicher Mitgestalter des Naturschutzgebietes Bingenheimer Ried, referierte in seinem Diavortag über Lebensweise, Jagdverhalten sowie das Brutgeschäft und die Jungenaufzucht des umstrittenen Wasservogels.
Der Kormoran wurde am Bodensee schon 1555 nachgewiesen und steht nach Jahrzehnten gnadenloser Verfolgung schließlich seit den 70er Jahren unter Schutz. Es gibt zwei verschiedene Rassen, erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Binnenlandkormoran sei vornehmlich in Gebieten nahe des Rheins und an lange eisfrei gebliebenen Flüssen anzutreffen, wohingegen sich der Meereskormoran an Küsten aufhalte. Das Erkennungsmerkmal ist der Kehlfleck. Nur der geschulte Fachmann kann beide Rassen an der Neigung des Kehlsackes unterscheiden. In Kolonien lebend, baut der Kormoran seine Nester ganz im Gegensatz zu anderen Wasservogelarten auf Bäumen, welche durch den Kot beschädigt zurückgelassen werden.

In der Regel werden zwei bis vier Eier gelegt. Allerdings können sich meist nur zwei der nacktgeborenen Jungvögel durchschlagen, die bis zu 30 Tage im Nest von den Altvögeln gefüttert werden. Die Binnenlandpopulation in Hessen ist von in den letzten Jahren gezählten 6000 Jungvögeln im Jahr 2009 auf 3000 zurückgegangen.

»Zum Vogel des Jahres wurde der Kormoran aus dem einfachen Grund gewählt, um den bestehenden Konflikt und die Diskussion an die Öffentlichkeit zu bringen«, erklärte Seum. Weil der Kormoran Fische als Nahrung braucht, hatte er sich in jüngster Vergangenheit nicht nur Freunde gemacht. Nach wie vor kritisieren Angler, dass der Vogel eine Gefahr für den Fischbestand darstelle. Die Ursache des angesprochenen Problems liege allerdings vielmehr in der Verunreinigung der Gewässer und der Begradigung von Flussbetten sowie dem erhöhte Raubfischbestand und der Wassererwärmung, erklärte Seum. Man könne nicht einfach alles auf den Kormoran schieben.

Vogelschützer wie Jürgen Becker, Vorsitzender des NABU, und Seum plädieren deshalb für ein Umdenken der Behörden bei der Strukturverbesserung, das heißt: Keine Kanalisierungen und Begradigungen von Flussbetten mehr. Dadurch würden sowohl Fischarten als auch Vögeln neue Lebensräume geboten.

»Die Arbeitsgruppe ›Kormoran Wetterau‹ unter der Leitung von Gottfried Lehr, in der sowohl Vogelschützer als auch Angler mitarbeiten, hat in Sachen Renaturierung in Bad Vilbel schon Beachtliches geleistet.« Durch die Wiederherstellung des Karbener Niddaknies wurden bereits acht neue Fischarten gezählt. Nur dadurch würden sowohl Fischarten als auch Vögeln neue Lebensräume geboten. Zur Vergrämung der Kormorane an Laichplätzen hätten sich akustische Laute des natürlichen Feindes Seeadler sowie das Spannen von Schnüren über die betroffenen Teiche bewährt, was der Bad Vilbeler Naturschutzbeirat laut Seum sogar bezuschusse.

15 000 Kormorane werden jedes Jahr in Deutschland als sogenannte Schadvögel getötet. Nun gelte es, ein allgemeines Bewusstsein bei allen Betroffenen für die erforderlichen Präventivmaßnahmen zum Artenschutz zu schaffen. Ganz nach dem Motto »Gemeinsam sind wir stark«, wie Seum zum Schluss seines Vortages betonte.

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