Karben (dit). »Es geht uns darum, dass bekannt wird, in welchem Ausmaß die Bahnstrecke zwischen Bad Vilbel und Friedberg erweitert werden soll«, erklären Bärbel und Anthony McWilliams und betonen, dass sie nichts gegen den Ausbau der S-Bahn einzuwenden haben, jedoch schockiert sind über die von der Deutschen Bahn AG beabsichtigte Ausweitung des Fern- und Güterverkehrs.
Anthony McWilliams zeigt, dass die Lärmschutzmauer unmittelbar vor der verglasten Veranda errichtet würde. Auch ein Raum der Gästewohnung im Untergeschoss wäre ohne Tageslicht.
Vom Stand der Planungen hat die Familie, die seit zwölf Jahren in Okarben lebt und deren Grundstück direkt an die Bahnlinie grenzt, im vergangenen Herbst erfahren. Mit Schreiben vom 7. Oktober teilte die DB Projekt GmbH, Regionalbereich Mitte, dem Ehepaar mit, dass parallel zur vorhandenen Fern-Bahnstrecke eine zweigleisige Strecke für den Betrieb der S-Bahn Linie 6 errichtet werden soll. »Der Neubau wird notwendig, um den S-Bahnbetrieb in Zukunft unabhängig vom restlichen Schienenverkehr zu ermöglichen«, heißt es in dem Schreiben. Die neu zu erstellenden Gleisanlagen und Bauwerke erforderten stellenweise zusätzliche Flächen, die von der Deutschen Bahn AG erworben beziehungsweise während der Bauarbeiten vorübergehend in Anspruch genommen würden.
Deshalb sei auch das Grundstücks der McWilliams betroffen. Bärbel McWilliams berichtete: »Nachdem wir dieses Schreiben erhalten hatten, recherchierten wir zunächst im Internet. Dann setzten wir uns mit der Deutschen Bahn AG in Verbindung, weil wir hören wollten, wie die konkreten Planungen aussehen. Am 28. Oktober informierte uns DB-Vertreter Norbert Wolf hier im Haus. Er brachte auch Entwürfe mit. Dabei wurde uns das Ausmaß des Vorhabens klar.«
Laut Anthony McWilliams teilte Wolf mit, dass die bestehenden Gleise in Zukunft der S-Bahn vorbehalten sein sollen. »Die Bahnsteige sollen in etwa so bleiben, wie sie sind.« Beabsichtigt sei es, beidseits der Gleisführung für die S-Bahn Schallschutzwände zu errichten. »Auf der an unser Grundstück grenzenden Seite der Bahnstrecke sollen die zusätzlichen Gleise für den Fern- und Güterverkehr gebaut werden. Als Lärmschutz ist eine drei bis vier Meter hohe Wand vorgesehen.« Angesichts dessen, dass laut Wolf die Fern- und Güterzüge Okarben mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 bis 160 Stundenkilometern passieren dürften, zweifeln die McWilliams’ an der Effektivität einer solchen Lärmschutzwand.
Unterstützung erhalten sie unter anderem von Ingrid Rohde, die in unmittelbarer Nähe auf der gegenüberliegenden Seite der Friedberger Straße in Okarben lebt. »Der Schall zieht nach oben. Alle Anlieger der Friedberger Straße sind genauso betroffen vom Lärm der Bahn.« Entsetzt sind Anthony und Bärbel McWilliams auch darüber, dass die Bahn AG für die Realisierung des Vorhabens mehr als die Hälfte ihres Grundstücks benötigt und die Lärmschutzwand direkt vor der verglasten Terrasse, die sommers wie winters als erweiterter Wohnzimmerbereich genutzt wird, installieren will. »Es käme kein Tageslicht mehr ins Wohnzimmer.
Selbst das Fernsehen wäre laut Herrn Wolf aufgrund des Geräuschpegels nicht mehr denkbar. Tageslicht fiele auch nicht mehr in ein Zimmer unserer Gästewohnung. Und der Garten samt Schuppen würde gänzlich verschwinden. Bei unseren Nachbarn müsste die Garage weichen«, so Anthony McWilliams, der auch auf steigende Feinstaubbelastung hinwies und darauf aufmerksam machte, dass mit dem Streckenausbau die Risiken bergenden Anzahl von Gefahrenguttransporten zunähme. Bärbel McWilliams vermutete: »Es geht letztlich gar nicht um den S-Bahn-Ausbau, den wir selbstverständlich befürworten, sondern um den Ausbau des Fern- und Güterverkehrs zur Entlastung der Rhein-Strecke.«