Karben (pe). »Der Laden soll keine Konkurrenz zu ansässigen Geschäften sein, im Gegenteil: Hier wird der Schulterschluss mit den Leistungsträgern der Region vollzogen.« Das sagte die Geschäftsführerin des Berufsbildungswerks Südhessen (Bbw), Renée Eve Seehof, am Dienstagmorgen bei der Eröffnung des »fair«-Ladens auf dem Gelände der überbetrieblichen Ausbildungsstätte. »Fair« steht hier für »fördern-ausbilden-integrieren-rehabilitieren« und damit für das Konzept des Berufsbildungswerks, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im neuen Ladengeschäft mit möglichst großer Praxisnähe auszubilden.
Kaum hat der neue Laden seine Pforten geöffnet, steht auch schon ein Kunde an der Kasse.
Diesen Aspekt betonte auch die stellvertretende Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg, Elke Ehlen, die ebenso gekommen war wie Vertreter der Agentur für Arbeit oder Regina König-Amann für den Magistrat der Stadt.
Das Bbw Südhessen trage seit 25 Jahren durch qualifizierte Ausbildung und ganzheitliche, individuelle Förderung erfolgreich zur beruflichen und sozialen Integration junger Menschen mit besonderem Förderbedarf bei. »Praxiserfahrung ist uns dabei besonders wichtig, damit die jungen Menschen auch genau die Kompetenzen erwerben, die sie fit für den Arbeitsmarkt machen«, sagte Seehof, die auf die Bbw-eigenen Praxisbetriebe wie das »Deutsche Haus« in Butzbach, das Hotel »Zu den Quellen« in Bad Vilbel oder das »Café an der Nidda« im Karbener Altenzentrum hinwies. Nun komme der Laden hinzu, in dem es Waren aus den eigenen Werkstätten gebe.
Die jungen Leute könnten in der Praxis lernen, wie sie mit Kunden umgehen müssten und wie man untereinander kommuniziere. Das Sortiment stamme aus allen Ausbildungsbereichen und werde von den Auszubildenden gefertigt. Hinzu kommen laut Seehof fair gehandelte Produkte, Waren aus Peru oder »faire Produkte von regionalen Anbietern«.
Über die neuen Wege, die das Bbw mit diesem Laden beschreite, freute sich Elke Ehlen. Dort werde in 29 Berufen ausgebildet, das Bbw decke die ganze Bandbreite ab, also auch Qualifizierung bis hin zur Vermittlung. »Damit bieten die Ausgebildeten beste Voraussetzung für die Integration ins Arbeitsleben.« Ehlen ermunterte die Verantwortlichen im Berufsbildungswerk zu weitereren Anstrengungen, »denn es fehlen in Teilen der Wirtschaft gut qualifizierte Jugendliche«. Hier habe das Bbw einen wichtigen Auftrag.
Nach den beiden Reden durchschnitten Seehof und Ehlen ein rotes Band und gaben damit den Weg zu dem neuen Laden frei. Er befindet sich in dem Haus, in dem die Floristik schon seit Jahren Pflanzen, Blumen und Zubehör anbietet. Die Arbeiten aus dem Floristik-Ausbildungsbereich wurden in den neuen Laden integriert. Das neue »fair«-Projekt wird geleitet von Hildegard Neeb, die Praxis- und Ausbildungserfahrung einbringen kann.
Alle acht Wochen soll in dem Bbw-eigenen Laden das Verkaufspersonal wechseln, die Jugendlichen werden dann auch in anderen Bereichen des Bbw ausgebildet, und sie gehen ebenso in den Verkauf in andere Geschäfte, wo sie ihre Praxiskenntnisse vertiefen können. Insgesamt 26 Jugendliche absolvieren nach Angaben von Neeb und Ausbildungsleiterin Sabine Emmert diese »verzahnte Ausbildung« mit etwa dem Toom-Markt, dem Tegut oder der Metro. 2005 sei das Projekt gestartet worden.