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Wirt zeigt Gästen den Hitlergruß

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Artikel vom 22.10.2013 - 15.00 Uhr

Wirt zeigt Gästen den Hitlergruß

Friedberg (lk). »Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat«, sagte Marc B. (Name geändert) am Montag während der Verhandlung vor dem Friedberger Amtsgericht. Der braungebrannte Glatzkopf war angeklagt, vor Gästen seiner Kneipe in Friedberg am 1. Mai 2013 den Hitlergruß gezeigt und »Sieg Heil« gerufen zu haben.

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Richter Dr. Stüber verurteilte Marc B., der derzeit im Gefängnis in Dieburg einsitzt, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten.

Marc B., bis zu seinem Haftantritt im Juni Wirt, berichtete, er habe am 1. Mai dieses Jahres in seiner Kneipe den ganzen Tag gefeiert und getrunken. »Dann hab’ ich das wohl gesagt. An den genauen Wortlaut kann ich mich aber nicht mehr erinnern«, sagte der 49-Jährige während der Verhandlung. Der Ausspruch, mit dem der Wirt seine Gäste beim Anstoßen zwischen Steaks und Würstchen empört hatte, lautete »auf Führer, Volk und Vaterland«, es folgte der Hitlergruß, garniert mit den Worten »Sieg Heil«. Sogar für die Passanten auf dem Bürgersteig sollen die Worte hörbar gewesen sein, hieß es in der Anklageschrift.

Der Angeklagte, er wurde in Fußfesseln in den Saal gebracht, sitzt derzeit eine Haftstrafe wegen diverser Rechtsbrüche ab, erinnerte sich, die Polizei sei an jenem Abend noch in der Kneipe vorbeigekommen. »Die haben mich pusten lassen, da hatte ich 2,7 Promille«, gestand der 49-Jährige. »Halleluja«, kommentierte Richter Dr. Stüber dieses Ergebnis des Atemalkoholtests.

Vor 30 Jahren das erste Mal verurteilt

Stüber hakte beim Angeklagten nach, ob dieser tatsächlich noch wisse, dass er den Hitlergruß gezeigt habe, oder ob er es nur annehme, da er an jenem Abend betrunken gewesen sei. »Sie wissen ja, wie es läuft: Ich verurteile Sie nicht für etwas, das Sie nicht mehr wissen«, sagte der Richter zu dem Mann, dessen kriminelle Karriere vor 30 Jahren begann. »Doch, doch. Ich hab’ das gesagt und gemacht«, antwortete Marc B. Warum, das könne er nicht erklären. »Ich habe mit einigen von der Burschenschaft getrunken. Ich hab’ eigentlich gar nicht diese Gesinnung.«

Richter Stüber erinnerte den Angeklagten an ein Verfahren aus dem Jahr 2008. Damals stand B. wegen Körperverletzung vor Gericht. In der Anklageschrift soll jedoch auch der Vorwurf des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angeklungen sein. Der Vorwurf konnte damals nicht nachgewiesen werden. Dennoch: Marc B. habe das Bild von sich in der Öffentlichkeit mit der aktuellen Tat nicht korrigiert. »Das kommt so rüber, als hätten Sie öfter Feste rechtsradikaler Gesinnung gefeiert«, sagte Stüber zu B.



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Artikel vom 22.10.2013 - 15.00 Uhr
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