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Widerstand durch Aufklärung: Sozialpreis geht an Antifa-BI

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Artikel vom 26.11.2014 - 19.16 Uhr

Widerstand durch Aufklärung: Sozialpreis geht an Antifa-BI

Friedberg (jwn). Für ihr demokratisches Engagement ist die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) am Montagabend im Kreishaus mit dem Sozialpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet worden. »Für uns ist die Auszeichnung eine Aufforderung zum Weitermachen«, sagte Andreas Balser, Sprecher der Initiative.

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Preisverleihung (v.l.): Landrat Joachim Arnold, Tobias Gniza, Nora Zado, Andreas Balser (alle Vorstand Antifa-BI) und Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel.
© Jürgen W. Niehoff
Balser weiter: »Der Sozialpreis ist die erst nicht-parteiliche Auszeichnung, die wir erhalten. Wir sehen darin eine Aufwertung unserer politischen Arbeit.«

Der Preis wurde zum sechsten Mal verliehen. Vorige Preisträger waren die Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel, die Frauenselbsthilfegruppe gegen Krebs, Hubertus Ellerhusen von der Schuldnerberatung, die Eltern-Kind-Initiative Wölfersheim und die Grünen Damen Wetterau für ihren Einsatz in Krankenhäusern, Altenheimen und für Flüchtlinge. Der Vorschlag, als Preisträger die Antifa-BI Wetterau auszuwählen, sei von den drei Fraktionen SPD, Grüne und FDP abgegeben worden und ohne Gegenstimme vom Findungsgremium akzeptiert worden, teilte Kreisbeigeordneter Helmut Betschel (Grüne) zufrieden mit. »Mit der Auswahl wollten wir ein Zeichen setzen.« Die Antifa-BI sei in vielen Schulen unterwegs und leiste angesichts steigender Flüchtlingszahlen und der damit zusammenhängenden rechtsgerichteten Kreise wertvolle Aufklärungsarbeit. Auch der Marburger Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger, der die Laudatio hielt, warnte davor, das rechte Lager nicht unterschätzen.

»Die Rechten nicht unterschätzen«

Zwar seien organisierte Kräfte wie NPD oder Republikaner überschaubar und von den demokratischen Kräften im Zaum zu halten. Doch es gebe eine starke Strömung rechtsgerichteten Gedankenguts, das bis weit in die Mitte der Gesellschaft reiche. Hier gelte es Widerstand zu leisten, und das funktioniere am besten mit Aufklärung und Bildung. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Sympathien für das rechte Gedankengut vor allem in bildungsfernen Bevölkerungsgruppen starken Anklang verbreitet seien. Die Antifa-BI habe deshalb ein Bildungskonzept für Schulen entwickelt, mit dem sie sich für eine offene Gesellschaft ohne Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit einsetze.

Damit wollen die Mitglieder verhindern, dass soziale Fragen wie Arbeitslosigkeit, Armut und Wohnungsnot von den Rechten aufgegriffen, als nationale Frage umgedeutet und die Ursachen Ausländern und Asylbewerbern zugeschoben werden. Diesem menschenverachtenden Mechanismus mit seinen simplen Erklärungen und falschen Antworten setze die Antifa-BI eine wichtige Aufklärungsarbeit entgegen.

Die Preisverleihung an die Antifa-BI ist allerdings nicht ganz unumstritten. Vor allem die Freien Wähler und die Alternative für Deutschland (AfD) kritisieren die Auswahl des Preisträgers. So beanstandet die Sprecherin der Wetterauer AfD, Christiane Gleissner, der Wetteraukreis habe mit der Verleihung an eine »einseitig orientierte politische Initiative« ein falsches Signal gesetzt habe. »Das ehrenamtliche Engagement im Sozialbereich wird so nicht gefördert.«

Auch die Freien Wähler zeigen sich von der Preisvergabe überrascht, denn nach den Vergaberichtlinien solle »beispielhaftes ehrenamtliches Handeln im sozialen Bereich ausgezeichnet werden«. Dabei mangelte es nicht an Vorschlägen aus dem Sozialbereich, was auch Sozialdezernent Betschel bestätigt. So soll der Hospizdienst Wetterau zum wiederholten Male auf der Vorschlagsliste gestanden haben.

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Artikel vom 26.11.2014 - 19.16 Uhr
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Leserkommentare
(28.11.2014 22:33)
Karl2
Werter bff..,
...nichts für Ungut, ich kenne Sie als aufrechten Demokraten. Aber lassen Sie uns nicht nach China abschweifen. Das Faschismus kein nur auf Deutschland beschränktes Übel ist, ist wohl auch Konsens. Und da es der Wetterauer Sozialpreis ist, der wohl an lokale Organisationen vergeben wird möchte ich bei der Bewertung auch in der BRD bleiben. Genügt wohl auch, braun sind in der Wetterau nicht nur die fruchtbaren Böden. Leider.
Und der Imster Schulförderverein...Ich glaube der Motor ist dort wie so oft Eigennutz. Kinder/Enkelkinder sind auf der Schule, da will man natürlich das Beste fürd Kind. Und mal überspitzt gesagt, dass halt andere Kinder auch etwas von dem Engagement haben ist bei einem Projekt wie Schulhofgestalltung unvermeidliches Nebenprodukt. Uneigennützig ist der Einsatz mit Sicherheit nicht, ist aber auch nicht verwerflich sondern menschlich.
Aber ich schweife ab. Schönes Wochenende Ihnen.
(28.11.2014 21:46)
datics
Da hat einer ...
... halluzinierte Angst.
Bin froh, daß der Preis NICHT an eine "pseudopolitische Organisation" ging.
Worum dreht sich also der ganze Schmonsens?
(28.11.2014 20:39)
bobby_fischer_fan
@Karl2
Lieber Karl2, die Nazi-Diktatur kann man mit nicht vergleichen, da sie sich nicht nur auf unserer Land beschränkte, sondern ganz Europa heimsuchte. Stalin, Mao und wie andere Despoten hießen haben nur ihre Länder (mehr oder minder) verwüstet. OK, Tibet ist immer noch chinesisch besetzt. Was den Widerstand angeht, so bedauert jeder Demokrat, daß es nicht mehr aufrechte Politiker wie z.B. Otto Wels gab. Die „bürgerliche Mitte“ und die Generäle wachten, wenn überhaupt, leider viel zu spät auf. Nichtdestotrotz glaube ich, daß ein Sozialpreis nicht an eine pseudopolitische Organisation gehen sollte. Es gibt genügend politisch neutrale Organsitionen (z.B. Schulfödervereine) im Wetteraukreis, die man auszeichnen könnte. Der Schulhof in Imscht wurde nicht zuletzt durch das Engagement des dortigen Schulfördervereins zum Nutzen ALLER Schulkinder saniert. Und ich hoffe sehr, daß sich hinter Kommentator Mr.B. nicht Herr Balser von der ausgezeichneten Organisation verbirgt. Dies würde nämlich meine Befürchtungen bestätigen.
(28.11.2014 15:02)
MR. B.
Kritik ist nachvollziehbar,
wenn man sich anschaut, aus welchem Blickwinkel sie kommt. Da hat die AFD wohl Angst, inhaltlich gestellt werden zu können: "Sie ist durch ihre politischen Ziele und Thesen eine rechtspopulistische Partei mit diversen Anschlussstellen für die islamfeindliche, neu-rechte und rechtsextreme Szene." http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/was-ist-eigentlich-rechtspopulistisch-der-afd-9751
(27.11.2014 16:48)
datics
@Thomas Schlosser
der Vergleich hinkt (Todesopfer).
100 fremdenfeindlich motivierte Todesopfer gegenüber 7500 Menschen die von Ausländern getötet wurden.
Der Richtigkeit halber müsste man die deutschenfeindlich motivierten Morde zählen, oder aber die von Deutschen getöteten Ausländer insgesamt.
Haben Sie Zahlen?
(27.11.2014 16:40)
Wetterauerlein
@Thomas Schlosser
Auf diese rechtspopulistische Aussage mit den "Kriminellen Ausländern" lasse ich mich in diesem Kontext gar nicht erst ein, sie lenkt bloß vom ursprünglichen Thema ab.
(27.11.2014 15:55)
bla
Sozialpreis
Ist doch klar, dass ein "Sozialpreis" auch an Sozialisten geht. "Linke Gewalt", sowas gibt es garnicht und "Antifa" ist das Synonym für Gewaltlosigkeit, Aufklärung und Demokratie.
Bushido bekam für seine Integrationsleistung lediglich einen Bambi.
(27.11.2014 15:15)
Thomas Schlosser
@Wetterauerlein
Danke für die ausführlichen Hinweise, 100 Todesopfer sind 100 Opfer zuviel, keine Frage....
Darf ich gleichzeitig hoffen, dass Sie die 7.500 deutschen Todesopfer, die in den letzten 20 Jahren von ausländischen Straftätern umgebracht worden sind, ebenfalls bedauern...?
Auch wenn diese Opfer von den hiesigen Medien und der Politik regelmäßig als "bedauernswerte Einzelfälle" deklariert wurden und werden...?
Und auch wenn nach einem Johnny K. in Berlin oder einem Daniel S. in Kirchweyhe keine Straßen und Plätze in diesem Land benannt worden sind...?
(27.11.2014 11:51)
Wetterauerlein
Die Gefahr kommt von links
@Thomas Schlosser: Nett, dass Sie die Hauptgefahr im Linksextremismus und Salafismus sehen. Wenn wir auf die letzten zwei Jahrzehnte zurückblicken haben wir um die 100 Todesopfer von rechter Gewalt zu beklagen - aber irgendwie keine durch linke "Extremisten". Dass der Salafismus ein ganz eigenes Problem darstellt, das mag ich nicht ankreiden - aber im Endeffekt gehören diese Menschen, die mit Gewalt anderen ihren Religions- und/oder Staatsgedanken aufzwängen wollen in die gleiche Ecke wie Neonazis - ja richtig, Muslime können auch Nazis sein! Aber ich bitte dann gefälligst zwischen radikalem, gewalttätigem Islamismus, dem nur ein Bruchteil der Anhänger dieser Religion nachgehen und dem Rest zu unterscheiden.
Hier wird eine Angst vor Linken und dem Islam geschürt, die so nicht sein müsste. Natürlich sind sie leichte Angriffsziele: Brennt irgendwo eine Mülltonne oder wird ein Fenster eingeworfen - dann waren das die Linksextremen! Betet jemand zu Allah, dann ist er gleich ein islamischer Terrorist der sich im nächsten Einkaufzentrum in die Luft sprengen wird. Die Rechten bekommen damit Wind in ihre Segel, denn sie sind ja schon immer einzig und allein für Deutschland da gewesen und lassen uns schon nicht im Stich!
Hört auf in "extreme" Richtungen zu denken! Idioten gibt es überall und das vor allem in der Mitte der Gesellschaft! Diese muss aufgeklärt werden, denn sie ist dafür verantwortlich, welche Politik in diesem Land gefahren wird - und die Tendenz geht nach rechts!
(27.11.2014 11:09)
Karl2
Werter bbf,...
...in Teilen kann ich Ihr hinterfragen schon nachvollziehen. Aber man kann Sie sehr leicht falsch verstehen.Es ist doch sicher nicht Ihre Absicht die faschistische Gewaltherrschaft in Deutschland mit Völkermord und Ermordung der Opposition, gleichzustellen mit dem kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstand ? Da sich die rechte Brut schon seit geraumer Zeit vermeintlich derThemen annimmt, die in der Mitte der Gesellschaft sind (Umwelt, Resourcenschutz, soziale Ungleichheit, pipapo) ist diese Strategie für weite Teile der Bevölkerung nicht mehr auf den ersten Blick durchschaubar. Und hierin liegt eben die Chance der Rattenfänger und die Gefahren für Jugendlichen. Und der folgenden Satz sollte sich in die Hirne einbrennen: Jugend ist verführbar, gestern wie heute. Schutz davor bietet Aufklärung und politische Bildung. Die Kausalkette ist immer gleich: aus Nichtwissen/Dummheit/Ignoranz entsteht Hass, aus Hass entsteht Gewalt. Diesem Bestreben rechter Rattenfänger, sich als "einer von uns" darzustellen entschieden entgegenzutreten ist Pflicht eines jeden aufrechten Demokraten.
Und dieses Engagement der Antifa auszuzeichnen geht durchaus klar, wenn auch die soziale Komponente nicht aus dem klassischen Begriffsverständis fußt. Daumen hoch für Jugndliche die sich abseits digitaler Verblödung für präventive Jugendarbeit einsetzen.
(27.11.2014 10:35)
Libero
@Mr.B
wenn Konsorten wie Sie an der Macht wären, gäbe es sicher Umerziehungslager für die "AfD Konsorten" Sie sind mit ihrer Denke ein ganz gefährlicher Zeitgenosse!
(27.11.2014 09:58)
datics
Roman Markus
Um nur einen Satz aufzugreifen, " Eine größtenteils halluzinierte 'rechte Gefahr' genügt, ..."
Haben wir denn aktuell "halluzinierte" Opfer rechter Gewalt zu beklagen? Oder ist da am End was dran?
(27.11.2014 06:06)
Thomas Schlosser
Bezeichnend......
Anstatt einer sozial vorbildlichen Einrichtung wie dem Hospizdienst Wetterau den Preis zu verleihen, wertet man lieber eine Organisation auf, die von morgens bis abends von 'Toleranz' und 'Weltoffenheit' schwafelt, diese Attribute aber ausdrücklich nur für Gleichgesinnte gelten lassen will. Eine größtenteils halluzinierte 'rechte Gefahr' genügt, um solchen Leuten einen Preis zu verleihen.....
Dass die Hauptgefahr für die Demokratie in diesem Land mittlerweile von gewaltbereiten Linksextremisten und außer Kontrolle geratenen Islamisten (Salafismus) ausgeht, wird konsequent ausgeblendet...
Von daher werte ich diese Preisverleihung als das, was sie ist: Eine als Provinzposse getarnte Verbeugung vor dem Zeitgeist....
(26.11.2014 22:53)
bobby_fischer_fan
@MR.B.
Liebe(r) MR.B.,leider bringt uns Ihre Argumentation kaum weiter. Warum geht ein sozialer Preis an eine offensichtlich politische Gruppierung? Diese Frage kann man doch stellen. Für politische Gruppierungen gibt es sicherlich politische Preise. Ich habe auch nicht kritisiert, daß den Schulen Material zur Verfügung gestellt wird, ich frage nach einer möglichen Einseitigkeit. Ich empfand die Ausführungen meines Kindes aus seinem Unterricht als nicht ausgewogen. Ebenso erscheinen mir Ihre Ausführungen über politische Ansichten möglicherweise Andersdenkender (AfD und Konsorten?) (geringe Wertschätzung sozialer bzw. politischer Arbeit) bei bei der Lösung des Problems Extremismusbekämpfung (Rechts und Links) leider wenig hilfreich.
(26.11.2014 21:06)
MR. B.
Beschreibend für AFD und Co.
Der Sozialpreis wurde von einer Jury einstimmig an die Antifa-BI für ihre Arbeit gegen Rechtsextremismus und für Demokratie vergeben. Hier wurde aus dem Wetteraukreis heraus ein budnesweit einmaliges Bildungskonzept zur Präventionsarbeit entwickelt, das sehr gut angenommen wird. Eine politische Gruppe, die gegen Diskriminierung "anderer" arbeitet und somit auch die "Schwachen" dieser Gesellschaft stärkt und schützt, eine Gruppe, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und auch die Abwertung sozial schwacher im Unterricht thematisiert,.., eine solche Arbeit ist natürlich auch sozial. Der Preis passt also. Dass nun jedoch die AFD und Konsorten als Teil des Problemes die verschiedenen Gruppen (Hospiz etc.) gegeneinander ausspielen will, dass zeigt ihre geringe Wertschätzung jeglicher sozialen oder politischen Arbeit. Denn klar ist: Es gibt in viele Bereichen viele Akteure die eine unglaublich wichtige Arbeit machen. Diese gegeneinander "aufwiegen" zu wollen, dass ist vermessen.
(26.11.2014 19:45)
bobby_fischer_fan
Sozial- oder Politikpreis?
Sozialpreis als "Aufwertung unserer politischen Arbeit", so daß Zitat des Sprechers der Initiative. Ist dafür ein Sozialpreis da? Oder vielleicht eher der Georg-August-Zinn-Preis? Das die Antifa-BI an Schulen gegen rechtgerichte Kreise "unterwegs" ist, ist löblich. Wie sieht es mit linksgerichteten Kreisen aus? An der Schule meines Kindes hat man bis jetzt im Unterricht auch nur die Gefahren des Rechtsextreminmus behandelt; es scheint keine Linksextremen mehr zu geben, oder irre ich mich. Die Bilder von "Blockupy" in Frankfurt gegen die EZB erschienen mir nicht rechts- sindern eher linksextrem.
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