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Raum, Form, Farbe, Licht und Rhythmus

Artikel vom 23.07.2010 - 15.00 Uhr

Raum, Form, Farbe, Licht und Rhythmus

Friedberg-Ossenheim. Der Galerie Hoffmann ist es erneute gelungen, profilierte Künstler in die Wetterau zu holen. In der großen Ossenheimer Ausstellungshalle an der Florstädter Straße 10 b präsentieren die Düsseldorferin Gaby Terhuven und der Kölner Achim Zeman vom 31. Juli bis zum 24. Oktober sehenswerte Glasreliefs und ungewöhnlich dimensionierte Wandinstallationen.
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Beide Bildschöpfer experimentieren variantenreich mit Raum und Form, mit Farbe, Licht und Rhythmus. Beide erkennen darin gleichsam notwendige Elemente eigengesetzlicher Ausdruckskraft. Beide sind mit ihren Exponaten strikt auf Denkprozesse während ihres Arbeitens ausgerichtet.

Gaby Terhuven studierte an der Fachhochschule für Kunst in Köln, Achim Zeman absolvierte ein Studium an der Hochschule der Künste in Berlin. Schon während ihrer Ausbildung wechselten die zwei Maler Leinwand gegen Glas als Malgrund aus. Terhuven setzt zwei Glasschichten passgenau hintereinander, so gewinnt sie zwei Vorderansichten, die sie effektvoll gestalten kann und zwei Rückansichten, deren Gestaltung sich auf die Vorderansicht bezieht. Diese Technik gewährt dem Besucher aus jedem Blickwinkel eine völlig neue Sichtweise. Ähnlich - wenn auch anders - arbeitet Achim Zeman. Er schichtet Farbe auf Glas. Was in Friedberg »Sichtweise« heißt, das nannte er während einer Exposition im Forschungszentrum Dresden treffend »Schichtweise«. Bei »Sichtweise« setzt er vor allem auf Sichtwechsel.

Bei aller Modernität ist der Friedberger Ausstellung anzumerken, dass sie mit der Tradition der Glasmalerei verbunden ist, deren Geschichte schon lange vor jener Zeit begann, in der Kirchenfenster gotischen Stils entwickelt wurden. Gaby Terhuven vertritt die Meinung, dass Licht in der klassischen Malerei eine Sinnestäuschung ist, die künstlich durch Farbe erzeugt werden muss. Im Glas dagegen, so die Malerin, ist Licht ständig vorhanden. Im Glasbild führt der natürliche Wechsel des Lichts zu einer beständigen Veränderung der Farbwirkung. Der Betrachter ihrer Glasbilder nimmt dies, je nach Sonnenstand, Jahres- und Tageszeit verändert, auf nachhaltige Weise wahr.

Achim Zeman fesselt die Besucher mit zwei Rauminstallationen, die er direkt auf die Wand gesetzt hat. Erst nach langer Wahl zwischen Probemontagen und vier sehr unterschiedlichen Farbversuchen brachte er sein Werk in die endgültige Form. Zeman bekennt, dass der Raum auf ihn Anziehungskraft ausübt. Das ist offenbar eines der treibendsten Motive für sein Tun. Im Raum, so folgert Zeman, beginnt sich unsere Wahrnehmung zu konzentrieren. Die Kunstkritikerin Karin Wendt bemerkt dazu: »In Zemans Installationen ist es kein bestimmter Gegenstand, der Aufmerksamkeit fordert, sondern man erfährt etwas von der Form der Anziehung selbst, von der Bewegung des Sehens, über Abstände und Entfernungen, Relationen und Perspektiven, über Räume und Grenzen.«

Glas ist beiden Künstlern nicht nur Werkstoff, sondern auch Symbol für Durchsicht, für Durchschaubarkeit, für Erkennen und Erkenntnis. Das hat ihnen internationale Wertschätzung eingetragen. Beide haben einen weiten Wirkungskreis. Allein schon die imponierend hohe Zahl ihrer Einzelausstellungen in bedeutenden Zentren des kulturellen Lebens mag als Beleg für die künstlerische Qualität ihrer Werke gelten, zumal beide auch noch an hochrangigen Gruppenausstellungen beteiligt sind. Was geografisch »in die Breite« geht, das geht in Friedberg »nach oben«, Gaby Terhuven betrachtet ihre Glasflächenteile jetzt als Module, mit denen sie große Wände gestalten kann, lang gestreckt oder hochwachsend, je nach Raum und Fläche.

Achim Zemans Bildfantasie umfasst nicht nur die Wand, sondern auch den Boden, die Säulen und die Decke. Auch seine Sichtweise auf Raum, Form und Rhythmus lernt das Betrachterauge in die Höhe. Rhythmus ist ein wesentliches Ausdrucksmittel seiner Darstellungen.

Die Ausstellung ist geöffnet montags von 11 bis 15 Uhr, dienstags, mittwochs, donnerstags, sonntags von 11 bis 20 Uhr. Um telefonische Vereinbarung wird gebeten (06031/2443). Dr. Günther Petersen

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Artikel vom 23.07.2010 - 15.00 Uhr
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