Friedberg-Bruchenbrücken (ütz/hed). Wöllstadt Bürgermeister Alfons Götz ist entsetzt; Friedbergs Rathauschef Michael Keller will überprüfen lassen, ob die Friedberger Einwendungen ausreichend berücksichtigt wurden: Dies waren die Reaktionen auf die gestern vom Pressesprecher des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt, Dieter Ohl, verbreitete Nachricht, dass der Firma ABO Wind AG (Wiesbaden) die Genehmigung erteilt wurde, in Bruchenbrücken drei Windkraftanlagen zu errichten.
In dem Gebiet zwischen Bruchenbrücken und Wöllstadt sollen die Windräder entstehen. (Foto: nic)
Damit ist auch der jahrelange Kampf der Bürgerinitiative Lebensraum Wetterau gegen die Anlagen verloren. Der Pressesprecher von ABO Wind, Alexander Koffka, sagte, die Firma wolle noch in diesem Jahr mit dem Bau der Windräder beginnen.
Wie Bürgermeister Keller erklärte, »musste das Verfahren ja irgendwann mal abgeschlossen werden«. Er selbst habe den Ausgang als ergebnisoffen betrachtet. Die Stadt werde nun überprüfen, ob ihre Einwendungen berücksichtigt wurden. Keller geht aber davon aus, dass dies beim RP geschehen ist. Der habe alle Fachabteilungen, »die wir nicht haben«. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe seinerzeit den Bau solcher Anlagen als privilegiert eingestuft, und er gehe davon aus, dass der RP »auf fachlich hohem Niveau die Vorgaben der Bundesregierung beurteilt hat«. Die Krux sei, dass die Kommunen durch das Gesetz in ihren Möglichkeiten, Windräder zu verhindern, maßgeblich eingeschränkt würden.
»Ich bin entsetzlich enttäuscht«, sagte der Wöllstäder Bürgermeister Götz. Gleichwohl habe man die Entscheidung kommen sehen. Vor dem Hintergrund, dass Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) kürzlich in einem Erlass die Handlungsempfehlung ausgegeben habe, dass künftig zu bauende Windkraftanlagen einen Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohnbebauung haben müssen, sei sie aber in keiner Weise nachzuvollziehen. Beim Verfahren sei deutlich geworden, dass »über vernünftige Argumente einfach hinweggebügelt wurde«. Der RP habe bei seiner Entscheidung keine Vernunft walten lassen. »Über vier Jahre hat die ABO Wind ihren Antrag ständig nachbessern müssen - aber immer nur, wenn wir oder Dritte auf Mängel in den Unterlagen hingewiesen haben.«
Enttäuscht sei er auch von der Stadt Friedberg, die keine Anstrengung unternommen habe, mit Wöllstadt gegen die Windräder zu kämpfen. »Man kann sagen, die Zusammenarbeit ging nicht sehr nachbarschaftlich vonstatten«, resümierte Götz. Dabei habe die Gemeinde keinen »Kulturkampf gegen Windkraft« geführt, sondern dem RP sinnvoll dargelegt, dass die Anlagen an der geplanten Stelle fehl am Platz seien. Die Kommune wolle nun prüfen, ob es noch rechtliche Möglichkeiten gibt, gegen die Entscheidung des RP vorzugehen.
Wie Koffka von ABO Wind sagte, sei der Windpark auch mit drei Anlagen gut. Ursprünglich hatte die Firma Ende 2004 einen Genehmigungsantrag für fünf Windkraftanlagen gestellt. Die drei Windräder würden in den gleichen Dimensionen wie beantragt - also mit einer Nabenhöhe von 100 Metern - errichtet. Allerdings entsprächen die damals beantragten Anlagen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Um sie rentabel arbeiten zu lassen, würden andere Windräder aufgestellt; dazu werde man um eine Änderungsgenehmigung ersuchen. Bis diese erteilt ist, könnten einige Monate vergehen. Geplant sei aber, in diesem Jahr mit dem Bau der Windräder zu beginnen und sie möglichst auch noch in 2010 in Betrieb zu nehmen.