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»Quer-Denken-Kongress« in Friedberg Protest formiert sich

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Artikel vom 23.09.2015 - 18.00 Uhr

»Quer-Denken-Kongress« in Friedberg Protest formiert sich

Friedberg (jw). Zahlreiche Referenten wollen beim »Quer-Denken«-Kongress Ende Oktober in der Stadthalle »neue Wege« aufzeigen, »die sich darauf ausrichten, eine tatsächliche Neugestaltung unserer Kultur zu schaffen«. Das »Bündnis gegen geistige Brandstiftung« protestiert dagegen.

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Eva Herrmann wird beim Kongress in der Stadthalle referieren.
© DPA Deutsche Presseagentur
Eine illustre Gesellschaft trifft sich Ende Oktober in der Friedberger Stadthalle. Da ist die ehemalige Nachrichten-Sprecherin Eva Herman, die Deutschland für »ein zum Kriegsgebiet erklärtes Land« hält, »das von unzähligen Asylsuchenden, Stück für Stück, eingenommen wird«. Von Leuten, die »laut« und »streitsüchtig« sind, sich gegenseitig verprügeln und Einheimische bespucken. Oder Nigel Farage, Ex-Ex-Vorsitzender der britischen Unabhängigkeitspartei UKIP, der wegen Pöbeleien im EU-Parlament eine Geldbuße von 3000 Euro zahlen musste, weil er dem Parlamentspräsidenten das »Charisma eines feuchten Lappens« bescheinigte.

Da ist außerdem der Holländer Lex van Someren, der seine Zuhörer mit spiritueller Musik in die Lage versetzt, dass sie »ihre eigene Seelendimension wiedererkennen« können. Und da ist Dr. Udo Ulfkotte, Autor von Büchern wie »Albtraum Zuwanderung«, das den Untertitel »Lügen, Wortbruch, Volksverdummung« trägt, worauf der Journalist Stefan Niggemeier schrieb, mit »sowas kennt sich der frühere FAZ-Journalist aus«. Niggemeier hat Ulfkottes Bestseller »Gekaufte Journalisten« einem Faktencheck unterzogen und festgestellt, dass es »voller Übertreibungen, Verdrehungen und Unwahrheiten« ist.

Herman, Farage, van Someren, Ulfkotte und weitere Referenten wollen beim »Quer-Denken«-Kongress am 31. Oktober und 1. November in der Stadthalle »neue Wege« aufzeigen, »die sich darauf ausrichten, eine tatsächliche Neugestaltung unserer Kultur zu schaffen«. Dagegen regt sich Protest. Ein »Bündnis gegen geistige Brandstiftung« hat sich gebildet, kritisiert rechtsextremes Gedankengut und Verschwörungstheorien, für welche die Referenten bekannt seien und setzt dem eine bunte Vielfalt an Ideen entgegen. Das Bündnis hat eine Info-Reihe zusammengestellt, die Termine stehen nun fest.

Film über die Mondverschwörung

Den Beginn machen drei Filmvorführungen samt Diskussionen, jeweils um 18.30 Uhr im Junity. Am 7. Oktober wird die Doku »Mondverschwörung« gezeigt, am 14. Oktober folgt »Boza« von Walid Fellah und am 16. Oktober »Interview mit Dr. Stoll« über einen Verschwörungstheoretiker. Die Vorträge eröffnet Jutta Ditfurth mit »Moderner Antisemitismus, Querfront und völkische Bewegung« am 21. Oktober (19 Uhr, Stadthalle). Über »Quantenquark und Heilsversprechen« sprechen Dr. Holm Gero Hümmler und Sebastian Schmalz am 22. Oktober (10 Uhr, Pastis/Haagstraße). Am 28. Oktober klärt Oliver Gottwald über »Michael Vogt – Aufbruch Gold-Rot-Schwarz und die Reichsbürger« auf (19 Uhr, THM). Der »Freien Energie« schließlich widmet sich Dr. Norbert Aust am 29. Oktober (19 Uhr, Pastis).

Am ersten Kongresstag, Samstag, 31. Oktober, ruft das »Bündnis gegen geistige Brandstiftung« zu einer Demo und zum »Markt der Möglichkeiten« auf: Vor der Stadtkirche informieren Vereine, Gruppen und Parteien über ihre Arbeit. »Wir wollen zeigen, dass es dieses rechte ›Querdenken» nicht braucht und wir viel bessere Ideen für das Zusammenleben der Menschen haben«, sagt Cornelia Wenk vom Bündnis. Am Abend soll bei einem »Ge(h)denken« durch Friedberg an die jüdische Gemeinde erinnert werden, deren Mitglieder durch die Nationalsozialisten vertrieben und ermordet wurden. Für den Sonntag planen die Bündnis-Mitglieder eine Mahnwache vor der Stadthalle.

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Artikel vom 23.09.2015 - 18.00 Uhr
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