Ordnungsamt vertreibt Verkaufsmobil vor Bäckerei Ulrich
Friedberg-Dorheim (ütz). Es hatte so schön angefangen: Vor etwa einem Jahr gab es einen eher zufälligen Kontakt von Bäckermeister Tobias Ulrich und der Metzgerei Lukarsch aus Gedern. Die habe, erfuhr Ulrich, den Mittwoch noch für ihren mobilen Verkaufswagen frei.
Das Verkaufsmobil der Metzgerei steht nach der Anordnung des Ordnungsamts im Hof der Bäckerei Ulrich. (Foto:
Man kam also überein, dass der Wagen an solchen Tagen vor der Bäckerei Ulrich in der Wetteraustraße von 8 bis 12.30 Uhr auf den Parkstreifen gestellt wird. Eine sinnvolle Symbiose, fanden beide Seiten, die zwar, berichtet Ulrich, kaum Gewinn abwerfe, aber immerhin der Nahversorgung - vor allem für ältere Leute, die nicht bis zum Rewe in der Schwalheimer Straße laufen können oder wollen - diene. Doch damit ist es jetzt vorbei.
Wie Ulrich berichtet, fuhren Mitarbeiter des Ordnungsamts vor und erklärten, dass das Verkaufsmobil weg müsse. Dort zu stehen, sei unzulässig. Der Wagen könne, wenn es gewünscht werde, 200 Meter weiter auf dem Marktplatz aufgestellt werden.
»Lächerlich« und »nicht nachvollziehbar« findet Ulrich diese Anordnung. Das Mobil stehe nun seit einem Jahr vor seinem Geschäft; es störe den Verkehr nicht, und niemand habe Anstoß daran genommen. »Im Gegenteil, gerade die älteren Leute waren heilfroh«, so Ulrich. Der Standort sei auch insofern sinnvoll, als der Strom für den Wagen direkt aus seinem Geschäft geliefert werde und die Verkäuferin, wenn sie mal austreten müsse, seine Toilette benutzen könne. »Der Marktplatz würde bedeuten, dass eine 200 Meter lange Stromleitung dort hin gelegt werden muss«, kritisiert Ulrich. Und er sieht auch die Zusammenarbeit dahingehen. Gemeinsam haben Bäckerei und Metzgerei unter dem Motto »Weck trifft Wurscht« einen beidseitig bedruckten Handzettel entworfen, der wöchentlich mit den jeweiligen Angeboten darauf im Ort verteilt wird. »Die Leute lachen schon und fragen, ob die Stadt nichts Besseres zu tun hat«, so Ulrich, der dennoch der Anordnung Folge leistete: Der Wagen wurde in seinen Hof gestellt.
Dort wird er wohl auch künftig stehen müssen (was freilich wegen der Bäckereifahrzeuge, die ein- und ausfahren müssen, schwierig werden dürfte) oder doch auf den Marktplatz umziehen. Denn das Ordnungsamt will hart bleiben, wie dessen Leiter Jürgen Schlerf sagt. Es gebe die Beschwerde eines Dorheimers, der gefragt habe, was der Wagen dort zu suchen habe, und der sei man nachgegangen. Fakt sei, dass das Verkaufsmobil im öffentlichen Verkehrsraum stehe und dabei Parkplätze wegnehme. Man habe der Metzgerei, die einen Reisegewerbeschein vorweisen könne, angeboten, sich auf den Marktplatz zu stellen, wo mit Duldung der Stadt mittwochsvormittags zwei bis drei weitere Stände einen kleinen Markt bildeten.
Lukarsch und Ulrich könnten es sich aussuchen: entweder im Hof der Bäckerei und damit auf privatem Grund oder auf dem Marktplatz - aber nicht auf dem öffentlichen Parkstreifen. Schlerf: »Das wollen wir nicht, und das Recht, es zu verbieten, nehmen wir uns heraus.« Keine guten Nachrichten also für Bäckerei und Metzgerei.