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Kritische Worte zur Praxis der Sterbehilfe

Artikel vom 20.01.2010 - 20.11 Uhr

Kritische Worte zur Praxis der Sterbehilfe

Friedberg (har). »Wie sanft, wie ruhig fühl’ ich hier des Lebens Freuden ohne Sorgen« - mit dem Lied »Die Zufriedenheit« von Wolfgang Amadeus Mozart, vorgetragen von Verena Wittmann und am Klavier begleitet von Pfarrerin Gisela Theis, wurde der erste Neujahrsempfang der Hospizhilfe Wetterau im Albert-Stohr-Haus eröffnet.
Gisela Theis
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Gisela Theis
Viele waren am Montagabend gekommen, Mitglieder und Mitarbeiter der Hospizhilfe sowie Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiter aus dem Bereich der Palliativmedizin und der Sterbebegleitung. »Unser Wunsch für das Zusammensein ist es, ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und sich kennenzulernen«, sagte Theis bei ihrer Begrüßung. Neue Impulse und Kräfte für das gemeinsame Anliegen solle der Empfang geben, und dieses Anliegen ist, wie Theis sagte, »der Beistand für sterbende Menschen und deren Umfeld«. Ein besonderer Dank ging an die katholische Kirchengemeinde, vertreten durch Pfarrer Stefan Wanske, die das Albert-Stohr-Haus für den Empfang zur Verfügung gestellt hatte.

Um einen Überblick über die Gäste zu bekommen, bat Theis alle Ehrenamtlichen in eine Ecke des Saals und alle, die beruflich mit Hospiz- und Palliativarbeit zu tun haben, gegenüber. Einige gingen in die Saalmitte: Sie sind sowohl beruflich als auch ehrenamtlich bei der Begleitung sterbender Menschen tätig. So sorgte Theis nicht nur für »etwas Bewegung«, sondern konnte die einzelnen Gruppen und die Tätigkeit etliche Besucher erläutern und diese kurz befragen. Nach diesem »Zwischenspiel«, bei dem viel gelacht wurde, wurde es noch einmal ernster. Theis hielt »einen kurzen Vortrag mit einigen Provokationen darüber, wo wir jetzt mit der Hospiz- und Palliativarbeit in der Region stehen«.

Zunächst ging sie auf die Umsetzung zum Anrecht auf »Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung« (SAPV) in der Wetterau ein. Zwei solcher SAPV-Teams wurden eingerichtet, erfreut zeigte sich Theis auch über die Errichtung der Palliativstation im Bürgerhospital mit acht Betten und der Schaffung von acht Schmerzbetten im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim. »Diese Entwicklung wird sich stabilisieren und als eine große Unterstützung für Menschen in der letzten Lebensphase herausstellen«, so die Pfarrerin, die aber auch nicht an Kritik sparte. So erlebten die Hospizmitarbeiter die Überleitung sterbender Menschen von Krankenhäusern in den häuslichen Bereich »immer wieder als katastrophal, gerade auch was die Schmerzindikation betrifft«.

Was sich hinter »Arbeitsverdichtung« verbirgt

Theis kritisierte auch, dass »Ärzte und Pflegepersonal in den Krankenhäusern die eigenen Sozialdienste nicht einschalten, übergehen oder einfach vergessen«. Das Honorar für Hausbesuche durch Hausärzte sei »viel zu mager«, die Personalsituation in den Altenpflegeheimen und Krankenhäusern sei angespannt, und dies gelte selbst für Reinigungskräfte. Die ständige Kürzung von Zeiten und Personal werde verschönend als Arbeitsverdichtung bezeichnet, doch »dabei bleibe manches auf der Strecke«. Die Ehrenamtlichen unterstützen gerne die Einrichtungen, die Profis könne man aber nicht ersetzen. »Trotzdem tun wir, was möglich ist.«

Gesundheit sei eine öffentliche Aufgabe und gehöre nicht in die Hand der Privatwirtschaft, die Gewinne erziele, sagte Theis. Und zur Einrichtung einer Hospizstation merkte sie an: »Die Bevölkerung einer ganze Region muss so eine Einrichtung wollen.« Es sei nicht einfach, ein Hospiz zu betreiben. »Ich träume davon, dass die Menschen, die über reichlich Geld verfügen, einen Teil ihres Vermögens für ein Hospiz zur Verfügung stellen«, sagte Theis und sorgte am Ende ihrer Rede noch einmal für Bewegung im Saal: Wer glaubte, dass in drei bis fünf Jahren ein Hospiz in der Wetterau eingerichtet ist, wurde in eine Saalecke gebeten, die »Pessimisten« in die andere. Gut zwei Drittel aller Anwesenden waren der Meinung, das Ziel könne erreicht werden.

Mit der Vertonung des Psalm 139 »Du bist da« beendeten Verena Wittmann, Ingrid Meisel und Karlheinz Schepp, begleitet von Gisela Theis am Klavier, den offiziellen Teil musikalisch. Danach wurde an den Tischen lebhaft diskutiert.

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Artikel vom 20.01.2010 - 20.11 Uhr
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