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Im Herzen bleibt man immer Pfadfinder

Artikel vom 23.02.2010 - 16.43 Uhr

Im Herzen bleibt man immer Pfadfinder

Friedberg. Freitagabend in der Marienkirche. 36 Kinder zwischen 7 und 13 Jahren sitzen gekleidet in sandfarbene Hemden auf den Bänken und warten. Nach Lesung, Predigt und Liedern ist es soweit: Die Neulinge werden aufgestuft, erhalten einen höheren Pfadfindergrad, versinnbildlicht im orangefarbenen, blauen oder grünen Halstuch. Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in Friedberg feiert Gottesdienst und nimmt neue Mitglieder auf.
In einer Prozession ziehen die Kinder in die Marienkirche ein.
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In einer Prozession ziehen die Kinder in die Marienkirche ein.
Für Bernd Gaube, Diakon und Vorstand der DPSG Friedberg, immer wieder ein erhebender Augenblick: »Man kann als Redner da vorne den Kindern in die leuchtenden Augen schauen, diese strahlenden Gesichter sind überwältigend.«

Wer aufgenommen wird, gibt ein Versprechen ab, die Umwelt zu schützen und die Gemeinschaft zu achten. Die Leiter der Gruppen knoten das Halstuch des Neulings und besiegeln mit dem Grußwort »Gut Pfad« das feierliche Versprechen. Doch was machen Pfadfinder eigentlich? Die Pfadfinderbewegung gilt als die größte Jugendbewegung der Welt. Die DPSG, der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) und der Bund der Pfadfinder und Pfadfinderinnen (BdP) umfassen bundesweit zusammen rund 177 000 »Scouts«. Der britische General Robert Baden-Powell gründete die Pfadfinderbewegung, 1907 fand das erste Zeltlager statt. Doch noch heute werden die Mitglieder mitunter belächelt und mit Vorurteilen konfrontiert. Pfadfinder rennen im Wald herum und müssen jeden Tag eine gute Tat vollbringen. Oder? Nein, meint ein Pfadfinder, man sei »längst aus dem Wald befreit worden«. Peter Exner, Vorstand und Leiter der ältesten Gruppe, den »Rovern«, erläutert die Arbeit mit den Kindern: »Natürlich bringen wir ihnen den sicheren Umgang mit Werkzeug und ihren Händen bei, damit sie ein Baumhaus, einen Staudamm oder eine stabile Sitzbank bauen können.« Auch das Lesen von Sternenbildern am nächtlichen Himmel und das richtige Knoten stehen auf dem Programm, aber »streng sind wir nicht«, sagt eine Pfadfinderin, die vor kurzem ihre Leiterausbildung begonnen hat. »Wir wünschen uns zwar, dass unsere Pfadfinder im Laufe der Zeit in der Lage sind, ihr Zelt aufzubauen, ein gesichertes Feuer oder einen Knoten zu machen. Aber von militärischen Verordnungen halten wir nichts«, fügt sie hinzu.

Die tägliche gute Tat

Und was ist mit der täglichen guten Tat? »Wir helfen nicht einfach älteren Mitbürgern über die Straße, wenn sie gar nicht rüber wollen«, lacht Exner. Gute Taten seien keine aufgezwungenen Pflichten, sondern ein Bewusstsein für seine Mitmenschen, das jeder besitzen sollte. Generell geht es bei den Pfadfindern um die Jugendarbeit. »Wir geben den Kindern und Jugendlichen einen Ort, um sich auszutauschen, gemeinsam zu reisen und fürs Leben zu lernen«, erklärt Exner.

Die Leiter besuchen regelmäßig Seminare, in denen Themen wie gewaltfreier Umgang oder Spiritualität behandelt werden. Eine abgeschlossene Ausbildung gibt es so gesehen nicht. Das Konzept der Jugendarbeit wird ständig modifiziert und ergänzt. Nach der Grundausbildung erhält jeder Absolvent den »Woodbadge«, ein Abzeichen, das aus zwei länglichen Holzperlen an einem Lederband besteht. »Der Woodbadge ist sogar international anerkannt und wird in ähnlicher Form auch im Management-Training großer Unternehmen verwendet«, erklärt Exner. Alle Leiter sind Ehrenämtler. Das Dankeschön der Eltern und der Wunsch der Pfadfinder, später auch mal Leiter zu werden, seien die Bezahlung.

Das Pfadfinderzelt als Metapher

Das Zelt ist eine treffliche Metapher, um das Wesen der Pfadfinder zu beschreiben. Eine Jurte (ein Schwarzzelt für zehn Personen) kann man nicht alleine aufbauen. An jeder Zeltstange muss jemand stehen, damit zwei weitere Menschen den tragenden Holzstamm in der Mitte platzieren können. Im vergangenen Jahr veranstaltete die DPSG ein Sommerlager zum Thema »Mut tut gut - Gegen die Drachen unserer Zeit«. Aus ganz Hessen kamen 1000 Pfadfinder zusammen, um gemeinsam zu zelten. Auf die Frage, was denn die Drachen unserer Zeit seien, antwortet Exner: »Das kann der Computer, der Einfluss der Medien oder Mobbing sein. Jeder hat seinen eigenen Drachen, den es zu überwinden gilt.« Außerdem veranstaltet der Friedberger Pfadfinderstamm »Sankt Leonhard« jedes Jahr ein Muttertagsgrillen vor der Heilig-Geist-Kirche. Es werden auch jährliche Bezirkslager für alle Alterstufen angeboten, damit die Jugendlichen auf Fahrt gehen und neue Erfahrungen sammeln können. Eine Roverin berichtet, dass sie vor vielen Jahren ihre Aufstufung während eines Sommerlagers in der Bretagne feiern durfte. »Es ist etwas ganz Besonderes, seine Aufstufung abends bei Fackellicht und Meeresrauschen zu zelebrieren«, erzählt sie.

Der Austritt aus einem Pfadfinderbund ist selbstverständlich möglich, viele Mitglieder ziehen im Laufe der Jahre weg oder haben keine Zeit mehr. Aber damit geht nur die aktive Mitgliedschaft zu Ende - mit dem Herzen bleibt man stets Pfadfinder. Julia Alexandru

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Artikel vom 23.02.2010 - 16.43 Uhr
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