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Hitze hin oder her, die Robe ist ein Muss

Artikel vom 15.07.2010 - 02.00 Uhr

Hitze hin oder her, die Robe ist ein Muss

Friedberg/Bad Nauheim (lk). Wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke knackt, ist es Zeit für Badelatschen, Shorts, kurze Röcke und Trägertops. Was im Privaten kein Problem ist, wird nicht an jedem Arbeitsplatz gerne gesehen. Doch wie strikt ist die Kleiderordnung im Büro und anderswo an den heißesten Tagen im Jahr? Und was unternehmen die Wetterauer gegen die Hitze am Arbeitsplatz? Die WZ hat sich umgehört.
Der Staat muss sparen: Keine Klimaanlage für Richter Dr. Markus Bange (links) und Protokollführer Helmut Fischer.	(Fotos: lk)
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Der Staat muss sparen: Keine Klimaanlage für Richter Dr. Markus Bange (links) und Protokollführer Helmut Fischer. (Fotos: lk)
»So strikt ist unsere Kleiderordnung gar nicht«, meint Daniela Will von der Volksbank Mittelhessen und widerspricht damit dem Vorurteil, vor allem Bankangestellte hätten einen strengen Kleiderkodex zu befolgen. »Wir müssen nur ordentlich aussehen«, sagt die Teamleiterin in der Zweigstelle am Bad Nauheimer Aliceplatz. Miniröcke und bauchfreie Oberteile seien selbstredend nicht in Ordnung. An heißen Tagen könne aber durchaus Hemd oder Bluse mit kurzen Ärmeln getragen werden. Während in der Geschäftsstelle eine Klimaanlage brummt, müssen die Angestellten der Kreditabteilung im ersten Stock des Gebäudes auf einen solchen Luxus verzichten. »Dort gibt’s zwar Jalousien, aber es ist trotzdem heiß«, sagt Anna Antschischkin. Weniger Stoff auf der Haut müsse es ihrer Meinung nach trotzdem nicht sein: »Das ist schon o.k. so.«

Klimaanlage? Fehlanzeige im Friedberger Amtsgericht. Obwohl es heiß und stickig im Verhandlungssaal ist, harren einige Leute nicht nur mit Hemd, Krawatte und langer Hose aus, sondern tragen noch ein weites, mantelartiges Gewand über ihrer Kleidung. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Protokollführer dürfen ihre Robe nur ausziehen, wenn der Richter es erlaubt. Doch da sind sie bei Dr. Markus Bange an der falschen Adresse, denn der verhandelt immer mit Robe. »Auch bei 70 Grad«, betont der Richter schmunzelnd. Dieses Kleidungsstück sei bei Strafsachen vom Staat vorgeschrieben, bei großer Hitze dürfe davon abgewichen werden. Er nutze diese Regelung nicht, schließlich sei die Robe dazu da, Eindruck auf den Angeklagten zu machen. Damit die Hitze erträglich ist, trägt Bange eine Robe aus atmungsaktiver Merino-Wolle. »Mit der halte ich es aus, die ist quasi klimatisiert«, sagt er. Und auch Protokollführer Helmut Fischer scheint keine großen Probleme mit der Kleiderordnung zu haben: »Mich stört das nicht. Zudem hält die Robe im Winter warm«, sagt er lachend. Wenn es wirklich zu heiß werde, bestehe die Möglichkeit, zu den Arrestzellen zu gehen. »Da ist es schön kalt«, verrät der Richter.

»Lockerer als das, was wir derzeit tragen, geht nicht«, sagt Polizeisprecher Erich Müller über die Kleiderordnung bei Gesetzeshütern. Konkret: Kurzärmlige Hemden sind erlaubt, auf Krawatte und Jacke darf verzichtet werden. Badelatschen seien hingegen tabu. Auch kurze Hosen seien nicht zulässig. »Da gibt es sogar ein Urteil dazu«, sagt Müller. Ordnungshüterinnen könnten einen Rock anziehen. »Aber der ist nicht beliebt.« Die meisten Kollegen würden die Kleiderordnung ohne Murren hinnehmen, nur vereinzelt werde gestöhnt. Um die Hitze im Büro erträglich zu machen, seien auf der Sonnenseite der Friedberger Station die Jalousien unten. »Viele bringen sich Ventilatoren mit«, sagt Müller.

»Muskelshirt ist unästhetisch«

Ob Winter oder Sommer, ob kalt oder warm - fast jeden Tag steht Hüsnü Atma vor dem Döner-Grill. »150 bis 200 Grad gehen von dem Gerät aus«, sagt der Bad Nauheimer, der mit einem Bistro-Imbiss selbstständig ist. »Klar ist die Kleidung zurzeit lockerer.« Aber egal, wie heiß es ist, mit Muskelshirt würde er sich nicht hinter den Tresen stellen: »Ich finde das nicht ästhetisch.« Eine Klimaanlage gibt es in Atmas Bistro nicht. Dennoch hat er eine Möglichkeit, sich ein klein wenig Erleichterung zu verschaffen: »Wenn ich die Dunstabzugshaube anmache, wird die heiße Luft abgezogen«, erzählt er lachend.

Bis in die 1970er Jahre hinein gab es bei der Ovag in Friedberg eine offizielle Kleiderordnung. »Es war sogar festgelegt, wie der Schlips zu tragen ist«, verrät Andreas Matlé, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Ein Schlipszwang existiere heute genauso wenig wie offizielle Vorschriften. Kurze Hosen und Muskelshirts seien bei den Männern nicht gerne gesehen, »Frauen sollten darauf achten, dass Röcke und Kleider nicht zu kurz sind«, sagt Matlé. Ein Teil der Hauptverwaltung sei klimatisiert, in anderen laufe der Ventilator. Übrigens: »Jeder, der einen Ventilator möchte, bekommt ihn von der Firma gestellt«, sagt Matlé.



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Artikel vom 15.07.2010 - 02.00 Uhr
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