Friedberg (jw). Es begab sich im Jahre des Herrn 1347, von Ferne kündigte sich bereits der »Schwarze Tod« (die Pest) an, da drohte der Freien Reichsstadt und der Burg Friedberg kriegerisches Ungemach: Graf Adolf von Nassau griff die Burgmannen auf dem Alzenküppel vor (Bad) Nauheim an. Mit Schwertern und Lanzen, Roßschindern, Kriegssensen und Rabenschnäbeln hieben die Kontrahenten aufeinander ein. Am Ende der Fehde hatte der Nassauer das Nachsehen und musste sich geschlagen geben. Mehr noch: Die Burgmann nahmen den Haudrauf gefangen, erpressten Lösegeld und bauten damit einen Turm, der, kleine Entschädigung für die Zeit bei Wasser und Brot, seither den Namen Adolfsturm trägt. So oder ähnlich wird es wohl gewesen sein. Wer’s genauer wissen will, ist am Sonntag zu Burgführungen und zur Besteigung des Adolfsturms eingeladen.
Rauf auf den Turm (von links): Kulturregion-Geschäftsführer Konrad Dörner, Burggraf Rupert von Karben (Mark Marthen), Museumsleiter Johannes Kögler, Adolf von Nassau (Ralf Manger) und Bürgermeister Michael Keller. (Foto: jw)
Im Rahmen ihrer neuen Reihe »Burgen, Schlösser und Paläste« präsentiert die Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main die Serie »Du schöner Turm«. Start war am 12. Juli im Weißen Turm in Bad Homburg, nun folgen Friedberg und danach Burg Brandenstein bei Schlüchtern (27. September) sowie die Burg Hayn in Dreieichenhain (11. Oktober).
Im Rhein-Main-Gebiet gibt es 149 Burgen, Schlösser und Paläste. Diese historischen Bauten und die jeweils damit verbundenen Geschichten wolle man wieder stärker ins Bewusstsein rücken, sagte Konrad Dörner, Geschäftsführer der Kulturregion, gestern bei einer Pressekonferenz zu Füßen des Adolfsturms. Yu-Gi-Oh- und Pokemon-Figuren würden die Kinder kennen, nur die eigene Geschichte und die Gebäude, die sie repräsentieren, seien bei vielen unbekannt. Und nebenbei, so Dörner, generiere man durch solche Veranstaltungen Geld, das in den Erhalt der Bauten fließe. »Es ist unser Auftrag, auf den Verfall aufmerksam zu machen.« Der hält sich in Friedberg glücklicherweise in Grenzen. In den letzten Jahren mussten keine größeren Summen in den Adolfsturm investiert werden, wie Bürgermeister Michael Keller sagte. Reichlich Geld (nicht ganz so viel wie weiland das Lösegeld für den Nassauer Grafen) floss hingegen in den Burggarten, der demnächst wiedereröffnet werden soll. Stadt, Geschichtsverein und Freie Ritterschaft kümmerten sich gerne um die Burg, die Rivalitäten zwischen Burg und Stadt gehörten längst der Vergangenheit an. Wie Keller sagte, wird demnächst auch ein neuer Weg zur Römischen Badeanlage, dem einzigen Weltkulturerbe in Friedberg, angelegt: »Das sind Tropfen, die alle in ein Gefäß fließen«.
Zwei Mitglieder der Freien Ritterschaft präsentierten sich gestern in historischen Gewändern. »Graf Adolf von Nassau« hatte sogar einen Rabenschnabel mitgebracht, eine furchterregende Waffe, die jede Ritterrüstung durchschlug. Der Rabenschnabel und vieles mehr, Händler, Handwerk, gemeines Volk und Adel sind am Sonntag zu bewundern. Die Aktion unter dem Titel »Lösegeld zum Turmbau« läuft von 14 bis 18 Uhr. Um 14.30 Uhr erfolgt die offizielle Begrüßung, von 15 bis 17 Uhr kann man den Grafen Adolf im Turmgefängnis besuchen, und auf die Kinder wartet ein Quiz rund um den stolzen Bergfried.
Die Freie Ritterschaft - ausgestattet mit stilechten Rüstungen und historischer Kleidung - wird um 15.15 Uhr und um 16.15 Uhr Führungen durch die Burg anbieten. Um 17.15 Uhr zeigt Stadtführer Dr. Rainer Zuch die andere Seite der (wehrtechnischen) Medaille: »Übersicht und Spionage: Warum ein Turm gebaut und ein anderer verhindert wurde« nennt sich die Führung, die vom Adolfsturm zur Stadtkirche und auf deren Kirchturm führt. Der Eintritt ist frei, es werden Spenden für den Adolfsturm gesammelt.