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Gedenken mit Poetry Slam: Mutig neue Wege gehen

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Artikel vom 29.01.2014 - 10.34 Uhr

Gedenken mit Poetry Slam: Mutig neue Wege gehen

Friedberg (ihm). Es ist kalt und dunkel vor dem »Junity«, im Innern des Jugendzentrums hingegen leuchten schon Lichter. Die Zuhörer haben sich bereits weitgehend versammelt zum Poetry Slam anlässlich des 69. Jahrestags der Befreiung des KZs Auschwitz. Jakob Kielgaß, Student aus Marburg, steht noch draußen, schaut noch mal sein Manuskript an. »Alle Texte, die heute vorgetragen werden, haben mit Gedenken, Versöhnung und Toleranz zu tun«, erzählt der 27-jährige Poet.

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Poetry Slammer Andreas Arnold präsentiert Mounir Jaber, Sebastian Barwinek, Benedict Hegemann, Dominik Rinkhart, Lena Noske, Tamasgol Sabbagh und Diana Tedros (von links). (Foto: ihm)
»Ich schreibe gesellschaftskritische Lyrik oder Lyrik fürs Leben. Ich hoffe, dass die Leute durch die Kunst etwas mitnehmen können.«

An der Tür zum Saal begrüßen Andreas Balser (Antifa BI) und Stadtjugendpfleger Lukas Hölzinger die Gäste der gemeinsamen Veranstaltung von Antifa BI, »Junity« und Poetry Slammer Andreas Arnold. »Wir stellen zum dritten Mal eine Gedenkveranstaltung auf die Beine«, erläutert Hölzinger. »Wir fragten uns: ›Was können wir machen?» Es gibt Jugendliche, die Interesse und einen Bezug zur Thematik haben, die es aber wenig anspricht, Gedenkveranstaltungen mit Politikern, Redebeiträgen und Kranzniederlegungen zu besuchen. Deshalb wollten wir mal mutig neue Wege gehen.«

Arnold, der gekonnt durch den Abend führt, hatte sofort Ja gesagt, als man ihn fragte, ob er teilnehmen will. »Es ist aber auch eine Riesenverantwortung«, bekennt er. Normalerweise gehe es bei seinen Veranstaltungen flapsig und humorvoll zu. Würden die Gräuel des Holocaust, dessen Schrecken durch die nackten Zahlen in den Geschichtsbüchern kaum greifbar seien, in lyrischen Texten aufgearbeitet, sei das aber sehr berührend. Zwischen den Beiträgen der jungen Poeten liest Arnold Gedichte vor, unter anderem »Bleibtreu« von Mascha Kaleko, die in die USA emigrierte und noch Jahrzehnte später Heimweh nach der Bleibtreustraße in Berlin hatte.

Jakob Kielgaß ist als erster an der Reihe, er liest »Nie«, einen stimmungsvollen wütenden Text, in dem es um Rassismus geht. Diana Tedros (16) aus Friedberg gibt den nachdenklich machenden Tagebucheintrag einer dunkelhäutigen Jugendlichen wieder, die wegen ihrer Hautfarbe beschimpft wird und im vollen Bus allein sitzt. Das, obwohl Begriffe wie Toleranz und Respekt überall an erster Stelle stünden. Der Journalist Dominik Rinkhart aus Karben erzählt, er habe sich bei der Vorbereitung zunächst gefragt, wie er als 21-Jähriger plötzlich auf »superklug und lebensweise« machen soll. Dann las er Leserbriefe in der Zeitung zum Thema »Armutseinwanderung«, was ihn zu dem pointierten Beitrag »Dumm ist, wer Dummes spricht« inspirierte.

»Stilles Gedenken falscher Weg«

Lena Noske aus Friedberg richtet in ihrem Poem ergreifende Worte an eine Frau namens Sulamith, die in Paul Celans »Todesfuge« eine Rolle spielt, Mounir Jaber (Wiesbaden) ruft mit großer Bühnenpräsenz dazu auf, die Gedanken zu ändern, um die Welt zu verändern. Tamasgol Sabbagh (21) appelliert eindringlich, sich immer wieder die Geschichte in Erinnerung zu rufen, damit sie sich nicht wiederhole. Den Schlusspunkt setzt eindrucksvoll Benedict Hegemann. Stilles Gedenken hält er für den falschen Weg, da es das Handeln blockiere und zur irrigen Annahme führe, damit sei alles getan.

Mit schöner Gitarrenmusik und anrührendem Gesang umrahmt Sebastian Barwinek aus Büdingen die Gedichte, am Ende wählt das Publikum seinen Favoriten-Beitrag. Die meisten Stimmen fallen auf Tamasgols Gedicht.



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Artikel vom 29.01.2014 - 10.34 Uhr
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