Friedberg (gk). Immer mehr Menschen lassen sich nicht in Gräbern auf Friedhöfen, sondern in sogenannten »Friedwäldern«, Urnenwänden oder gar anonym bestatten. Dieses Thema griffen die hessischen Friedhofsgärtner auf ihrer Jahrestagung am Mittwoch in der Stadthalle unter dem Motto »Spannungsfeld Friedhof« erneut auf und machten es zum Gegenstand einer Podiumsdiskussion.
Ausgestellte Gärtnereimaschinen vor der Stadthalle.
Moderator war der Leiter der Friedhofsverwaltung in Karlsruhe, Matthäus Vogel. Teilnehmer waren Dr. Dominik Kracheletz als Vorsitzender des Bestatterverbandes Hessen, Holger Rode als Chef des Landesverbandes der Steinmetze und Steinbildhauer sowie der Vorsitzende der Fachgruppe Friedhofsgärtner im Hessischen Gärtnereiverband, Karl Wolf. Um der »Flucht aus dem Friedhof« entgegenzuwirken, müssten Gärtner, Steinmetze, Bestatter und Friedhofsverwaltungen an einem Strang ziehen und sich auf die Bedürfnisse der Menschen einstellen, erklärte Wolf. Auch wenn man die Entwicklung hin zur Pluralisierung der Bestattungskultur nicht aufhalten könne, müsse alles darangesetzt werden, das Friedhofswesen in Deutschland wegen seiner sozialen und kulturellen Bedeutung zu erhalten, so der gemeinsame Tenor der Diskussionsteilnehmer.
»Der Friedhof ist ein Ort für die Lebenden« - unter dieses Motto stellte Matthäus Vogel (neben seiner beruflichen Tätigkeit auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Friedhof & Denkmal) seinen Vortrag über die Umgestaltung des Karlsruher Hauptfriedhofs während der vergangenen zehn Jahre. Echte Trauerkultur werde auf deutschen Friedhöfen immer noch durch eine Vielzahl restriktiver Vorschriften unmöglich gemacht. Häufig dürften Trauerfeiern nicht mehr als eine halbe Stunde dauern, Abschiedsräume glichen allzu oft Abstellräumen, Friedhöfe seien in sterile Abteilungen untergliedert, statt wirkliche Parks mit Erholungswert zu sein. »Ein Friedhof, ein Grab, von dem kein Trost ausgeht, ist seinen Namen nicht wert«, sagte Vogel.
In Karlsruhe habe man eine Reihe von Konsequenzen aus diesem Missstand gezogen. Am Beginn stand die Einrichtung eines Info-Centers, in dem sich Angehörige über das breite Spektrum angebotener Bestattungsformen informieren können. Neugestaltung von Trauerhallen oder -kapellen, mehr Zeit für Abschiedsfeiern, menschenwürdige Räume für den letzten Abschied, keine räumliche Trennung von herkömmlichen und Urnengräbern, Trauerbegleitung, Friedhofsführungen - nur einige Stichworte aus Vogels durch Lichtbilder eindrucksvoll illustriertem Vortrag. Karlsruhe biete mittlerweile auch die Übernahme von Patenschaften für historische Gräber (mit dem Recht, sich dort selbst bestatten zu lassen) ebenso wie Baumpatenschaften an. »Bet-ha-chajim« (Haus des Lebens): Diesem alten hebräischen Wort für Friedhof müsse wieder Geltung verschafft werden. Gelingen könne es aber nur, wenn Bestatter, Gärtner, Steinmetze und Verwaltungen sich als Netzwerk verstünden, statt sich nur von Partikularinteressen leiten zu lassen, erklärte Vogel am Ende seines mit viel Beifall aufgenommenen Vortrags.