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Ein Badehut zum »Schutz des Gehirns«

Artikel vom 13.07.2010 - 02.00 Uhr

Ein Badehut zum »Schutz des Gehirns«

Friedberg (emh). Bei einem abendlichen Rundgang durch die Altstadt unter dem Motto ». . . und wehe, es fehlt der Badehut« begleiteten 14 Interessierte eine Bademagd aus dem Mittelalter durch 2000 Jahre Badekultur.
»Bademagd« Annette Miksch mit den Teilnehmern des abendlichen Rundgangs am Burgtor nach der Besichtigung des römischen Bades im
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»Bademagd« Annette Miksch mit den Teilnehmern des abendlichen Rundgangs am Burgtor nach der Besichtigung des römischen Bades im Burggymnasium. (Foto: Emminger)
Die Stadtführerin Annette Miksch, angetan mit Badehäubchen, Holzschuhen und einfachem Leinenhemd, führte zuerst in die private Badeanlage eines hochgestellten Römers in der Burg, die beim Bau des Burggymnasiums 1963 entdeckt und wahrscheinlich um das Jahr 200 n. Chr. für den Kommandanten des Kastells errichtet wurde. Die damaligen »Wellness-Tempel« mit Warm- und Kaltbad waren nicht nur Orte der Körperpflege, sondern auch des Sehens und Gesehenwerdens.

Die Bäder waren mit Bar und Friseur ausgestattet. Nach der Ölmassage kam abschließend der Epilator-Sklave zum Einsatz, der alle nicht notwendigen Körperhaare auszupfte. In den weniger gut ausgestatteten Frauenbädern galt Nacktheit als unanständig. Und statt des schmerzhaften Zupfens wurden hier die Haare mit Harz, Wachs, ja sogar mit Bimsstein entfernt.

Als Besonderheit der Fundstätte in der Burg weist die Bademagd auf noch erhaltenen Mauerverputz und ein Abflussrohr aus Blei hin, das trotz seines damals hohen Wertes noch vorhanden ist. Auch die Kelten, so erfuhren die Teilnehmer der Führung, legten Wert auf gepflegte Erscheinung. Sie nutzten bereits eine Seife aus Rindertalg und Buchenasche, von deren Bezeichnung Saffo sich das heutige Shampoo ableiten dürfte. Die Römer dagegen rieben sich noch mit einer Mischung aus Öl und Sand ein, die mit dem Strigelis von der Haut geschabt wurde - das reinste Peeling.

»Erst das 20. Jahrhundert konnte wieder an die hohe Badekultur der Römer anschließen«, berichtete die Bademagd. Zwischendurch führten die Kreuzritter im 12. und 13. Jahrhundert Wannen- und Dampfbäder ein, die sie in der Türkei kennengelernt hatten. In der Badgasse nahe der Alten Pforte in der Stadtmauer stand so ein von der Stadt an einen Bader verpachtetes Badehaus. Dort beschrieb die Führerin einen Badegang im Mittelalter: Sobald das Bad bereitet war, ließ der Bader dies verkünden. Nur mit dem Nötigsten bekleidet, kamen die Badegäste in die »Abziehstube«, wo sie ihre Sachen der Obhut des meist unzuverlässigen Badhüters überließen.

Um groben Schmutz zu entfernen, wurde der Gast von den Bademägden mit lauwarmem Wasser übergossen und mit einem Büschel Birkenzweige auf Arme und Beine geschlagen, was die Bademagd zum Vergnügen aller an einem Teilnehmer demonstrierte. So vorbereitet, ging es in den aufgeheizten Baderaum zum Schwitzen. Dort diente der vorgeschriebene krempenlose Badehut aus geflochtenem Roggenstroh, der mitgebracht oder vom Bader gekauft werden musste, »dem Schutz des Gehirns«. Danach ließ man sich in einer Wanne waschen und vom Barbier rasieren und Haare schneiden.



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