Friedberg (jw). Die Ausleihzahlen im Bibliothekszentrum Klosterbau sind abermals gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht der Stadtbibliothek hervor, den die Leiterin Bettina Semmerau den politischen Gremien vorgelegt hat.
Die Lesefähigkeit der Kinder fördern (v. l.): Bibliotheksleiterin Bettina Sem-merau mit Jutta Wolf, Stephanie Roser und Christiane Schütz (Büchereiteam).
Im Jahr 2009 wurden demnach 171 415 Medien ausgeliehen - Bücher, Zeitschriften, Tonträger, Filme, Software, Spiele und Noten. Diese nur kursorische Aufzählung deutet einen weiteren Trend an: »Die mediale Vielfalt nimmt zu«, sagt Semmerau. Bücher allein ziehen keine neuen Kunden an. »Aktuelle Angebote in zeitgemäßer Medienform sind unverzichtbar für eine Stadtbibliothek, um die vielfältigen Anforderungen zu erfüllen, mit denen die Bürger in Schule, Berufsleben und Freizeit konfrontiert werden.«
Der Medienbestand ist leicht gesunken, von 47 239 (2008) auf 46 179. Dem stehen mehr Ausleihen gegenüber (ein Plus von 5647), aber auch ein Rückgang der Besuche. 2006 waren es noch 69 521 Besuche, 2008 dann 65 054 und im vergangenen Jahr 63 554. Mit ein Grund hierfür ist eine Neuerung: Anfang März wurde die Medienrückgabebox vor dem Eingang des Bibliothekszentrums aufgestellt. Zu jeder Tag- und Nachtzeit können nun Bücher oder CDs zurückgegeben werden, sie gleiten nach dem Einlegen sanft auf den Boden des Behälters. Rund 1000 Medien pro Monat werden auf diese Weise abgegeben, »und diese Kunden kommen dann, wenn sie gerade keine Bücher mitnehmen wollen, nicht mehr rein«, erklärt Semmerau.
Weitere Zahlen: Pro Tag kommen rund 255 Besucher in die Stadtbibliothek, werden 688 Medien ausgeliehen. Um aktuell zu sein, wurden 5310 veraltete oder zerlesene Exemplare aussortiert, dafür 4250 neue Medien in den Bestand eingearbeitet. Am begehrtesten ist die Kinder- und Jugendliteratur (44 807 Ausleihen), es folgen Sachliteratur (32 854), Belletristik (29 603), CDs (24 093), DVDs (13 356), Hörbuchkassetten (9955), Zeitschriften (6646) und Spiele (2348). Die Druckmedien liegen klar vor den elektronischen Medien. Vergleicht man aber den Bestand und die Ausleihzahlen, wird deutlich, dass Filme, Hörbücher und Software prozentual mehr ausgeliehen werden als der weitaus größere Bücherbestand.
»Wir haben die neuen Medien stets im Blick«, sagt Semmerau im Gespräch mit der WZ. »Natürlich investieren wir sehr viel Arbeitskraft in die Förderung der Lesefähigkeit.« Aber das alleine reiche nicht aus, um attraktiv zu sein. Semmerau: »Kaum einer liest nur noch Bücher, heutzutage informiert man sich aus vielen Quellen.« Dass es Stimmen gebe, die elektronischen Medien kritisch gegenüber stehen, weiß sie. »Aber im Mittelalter wurde auch das Buch kritisiert.« Heute zählen zu den »Rennern« bei der Ausleihe die Nintendo-Software und Lernprogramme für den Computer.
Kinder ans Lesen heranführen
Das Team der Stadtbibliothek - zehn Mitarbeiterinnen, die sich 4,43 Stellen teilen - wirbt ständig um neue Leser. 27 Führungen durch das Bibliothekszentrum wurden 2009 angeboten, die meisten für Kindergärten und Grundschulklassen. Mit Erfolg, wie Semmer-au sagt. Besonders die Schulanfänger kommen nachher wieder. Sie dürfen dank der Aktion »Leseausweis in die Schultüte« ein Jahr lang kostenlos Medien ausleihen. Nachhaltig sind auch andere Aktionen und Veranstaltungsreihen wie die »Reise ins Buchstabenland« oder die »Bilderbuchwerkstatt«. Während die Kinder den Geschichten lauschen, spielen und basteln, schauen sich die Mütter in der Bibliothek um und stellen fest, dass es hier viel zu entdecken gibt. Und holen sich dann einen Leseausweis. 56 eigene Veranstaltungen waren es 2009, dazu kommen 22 Veranstaltungen von Gästen wie dem Geschichtsverein oder dem Volksbildungsverein, von »Friedberg lässt lesen« (mit der Ovag und der Buchhandlung Bindernagel) oder den Kooperationen mit der Evangelischen Familienbildungsstätte (monatlicher Krimitreff, Internationaler Bücherfrühschoppen u. a.).
Semmerau und ihr Team haben den Blick in die Zukunft gerichtet. Ein Konzept für die nächsten fünf Jahre wurde erarbeitet, Ziele sind unter anderem eine kundenfreundlichere Präsentation der Sachbücher, eine Kundenbefragung und ein neues und ansprechendes Raumkonzept. Es bleibt also noch viel zu tun. (Foto: nic)