Die Wühltischzeiten sind vorbei, der Schlussverkauf bleibt
Friedberg/Bad Nauheim (jw). Winterschlussverkauf (WSV) vor ein paar Jahren, das bedeutete, dass in den letzten Januar- und ersten Februar-Tagen in den Kaufhäusern das Chaos ausbrach. Doch seit die gesetzlichen WSV-Beschränkungen gefallen sind, ist das Gedränge an den Wühltischen Geschichte. Dennoch: Der WSV, davon sind Friedberger und Bad Nauheimer Einzelhändler überzeugt, bleibt bestehen – wenn auch nicht ganz so wie zu Wühltischzeiten.
Winterschlussverkauf mit Schneeverwehungen: Die Wetterlage ist derzeit nicht ganz so günstig für die Einzelhändler, die allerorten mit »knallhart reduzierten« Preisen locken. (Foto: nic)
Die Lager müssen leer geräumt werden, damit neue Ware gekauft werden kann. Deshalb wird der WSV – wie sein sonniger Bruder Sommerschlussverlauf auch – bestehen bleiben. Außerdem haben sich viele Kunden an den Termin Ende Januar gewöhnt. Der neuerliche Schneefall hat dabei einen doppelten Effekt: »Einerseits durchforsten die Kunden ihre Schränke und merken, dass sie noch etwas brauchen, und da bietet der WSV so manches Schnäppchen«, sagt Jochen Ruths vom Modehaus Ruths in Friedberg. »Andererseits sind die Verkehrsverhältnisse derzeit nicht gut.« Der WSV habe eigentlich schon an Weihnachten begonnen, »und so lange es kalt ist, werden die Preisnachlässe weitergehen«, sagt Ruths. Manche Artikel seien bis zu 80 Prozent reduziert. Allerdings leide der WSV daran, dass es das ganze Jahr über Rabatte gibt.
Die Übergänge von normalen zum Sonderverkauf sind fließend, bestätigt Ulf Berger von Lederwaren Steck auf der Kaiserstraße. »Es wird schon zwischendurch vieles reduziert.« Doch jetzt wird nachgelegt, 60 bis 70 Prozent etwa auf Handtaschen und Reisegepäck. »Die neue Farben sind anders, das Frühjahr wird bunter«, sagt Berger.
»WSV läuft noch ein paar Wochen«
Geschäfte mit Wintersportartikeln seien momentan bevorteilt, weiß Jens Köhler von Sport Möll. »Wir haben am Freitag angefangen, unsere Erwartungen wurden deutlich übertroffen.« So langsam gehe die Winterware zur Neige, Extraware für den WSV wird nach Auskunft der Geschäftsführer weder bei Sport Möll noch in anderen Geschäften dazugekauft. Köhler: »Es gibt auch nichts mehr, beim Einkauf von Winterwaren muss man ein halbes Jahr Vorlauf einkalkulieren.« War der Winter gut, sei das Sortiment am Ende ausverkauft.
Mit positiven Erwartungen geht Ulrich Habermehl, Inhaber des Friedberger Textilhauses von der Emde, in den WSV. »Derzeit sind die Verkehrsverhältnisse schwierig. Aber grundsätzlich will der Kunde preiswerte und qualitativ hochwertige Waren, und die haben wir im Angebot.« Nicht selten komme es vor, dass Kunden zuerst in den großen Kaufhäusern in Frankfurt waren und nichts fanden, dann aber am nächsten Tag »doch hier im Städtchen nachforschen«, sagt Habermehl. Sein Textilhaus wirbt damit, eine der größten Stoffabteilungen Deutschlands vorzuhalten. Entsprechend seien die Preisnachlässe in diesem Sortiment am größten. Im Frühjahr kommen neue Muster und Farben. Habermehl ist zuversichtlich, das Lager weitgehend räumen zu können. Zumal der WSV wohl »noch einige Wochen« laufe, spätestens bis Fasching, wenn das ein oder andere Clownskostüm genäht werden muss.
Wichtig, so betonen alle Einzelhändler, sei für die heimischen Geschäfte, dass sie »Markenware zum extrem günstigen Preis« anbieten. Große Gewinne könne man damit nicht machen, den Vorteil hätten die Kunden. »In Fachgeschäften, wo die Reduzierungen stimmen, kann man Geld sparen«, sagt der Bad Nauheimer Herrenausstatter Hans Peter Hinzen. Bei großen Häusern frage man sich schon mal, ob die »Mondpreise« kaufmännisch nachvollziehbar seien. Hinzen bietet Hemden und Hosen mit über 50 Prozent Preisnachlass an, bei Anzügen und Sakkos sind es 30 Prozent, auf Jacken und Strickpullover gibt’s 20 Prozent. »Der WSV hat Zukunft, auf jeden Fall«, ist sich Hinzen sicher.