Friedberg (buc). Nahezu unscheinbar liegt die Salus-Klinik zur Behandlung Drogenabhängiger in der Warthfeldsiedlung Richtung Dorheim. Verstecken wollen sich jedoch weder die Klinik noch die 70 Patienten. In einer vierteiligen Serie gibt die WZ Einblicke in die Einrichtung und stellt zwei Patienten vor.
Der Eingang zur Salus-Klinik. (Fotos: buc)
Der Direktor der Salus-Klinik, Michael Stehr, sitzt in seinem Büro - bei geschlossener Tür. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise steht sie immer weit offen. Geöffnet ist sie nicht nur für seine Mitarbeiter. Auch die Patienten sind willkommen. Geschlossen ist sie nur, weil Besuch da ist und Stehr über die Klinik und die Patienten erzählt. Seine Patienten sind Drogenabhängige, die nicht mehr lediglich »auf Entzug« sein, sondern mit Hilfe der Rehabilitationseinrichtung dauerhaft von ihrer Sucht befreit werden wollen. Sie nennen ihn auch »Buddha« (»wegen der Buddha-Statuen in seinem Zimmer«, erklärt eine Patientin). Manche sagen auch »Papa Schlumpf« (»Wegen der Pfeife und der Brille«, wie einer seiner Schützlinge verrät). Seit fünf Jahren ist Stehr Direktor der Klinik. Zuvor war er rund 30 Jahre in der Alkoholsucht-Rehabilitation tätig und hat zwei Drogenkliniken aufgebaut. Ihm steht ein Team aus 25 Ärzten, Psychologen und Sozialarbeitern zur Seite.
Die Friedberger Klinik gehört zur Gruppe der Salus-Kliniken. Als einzige dieser Gruppe werden hier Drogenabhängige therapiert. »Salus« heißt aus dem Latein übersetzt Wohlbefinden. Das ist auch das Motto, dem sich die Klinik verschrieben hat. Gemeinsam mit den Patienten sollen neue, konstruktive Lebensziele und die Gestaltung des Alltags frei von Drogen entwickelt werden. 2009 kamen 230 Drogenabhängige nach dem Entzug hierher. Wichtigste Voraussetzung ist, dass der Betreffende am Tag der Aufnahme körperlich »völlig entgiftet« ist. In der Regel kommen die Patienten aus einer Drogenentzugsklinik. Um den Therapieplatz muss sich der Patient selbst bewerben. Die Wartezeit nach dem Antrag beträgt aktuell rund drei Monate. Da nicht jeder Antragsteller die Therapie antritt, kann es aber schneller gehen, betont Stehr.
Stufenmodell in der Therapie
In der Therapie gehe man nach einem Stufenmodell vor, erläutert der Direktor. Die erste Stufe der »stationären Therapiephase« dauere einen Monat und bedeute: kein Verlassen des Klinikgeländes, kein Internetzugang. Besuch von außen sei jedoch unbeschränkt möglich. Das werde auch viel genutzt. Ab dem zweiten Monat dürfen Patienten in Begleitung von Patienten der dritten Stufe das Gelände verlassen. Stufe drei beginnt ab dem dritten Monat und dauert regulär drei Monate lang.
Regulär bedeutet zweierlei: Auf der einen Seite kann die Therapie bei Erfolg früher beendet werden. Auf der anderen Seite können die Patienten auch eine Verlängerung beantragen. Sie könnten sich dann - wie auch in den anderen Stufen außerhalb der Therapie- und Arbeitszeiten - frei bewegen. Auch Heimfahrten und Übernachtungen sind in der dritten Stufe erlaubt.
»Wir sind eine der liberalsten Einrichtungen unserer Art, sagt Klinikdirektor Michael Stehr. Doch wer die Regeln missachtet, kann gehen.