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»Das menschliche Gedächtnis ist kein Archiv«

Artikel vom 02.11.2009 - 19.26 Uhr

»Das menschliche Gedächtnis ist kein Archiv«

Friedberg (pm). In diesen Tagen erscheint das Buch »Kehillah Kedoschah - Spurensuche« in der überarbeiteten Auflage. Der Autor Hans-Helmut Hoos arbeitet dabei historisch fundiert über sieben Jahrhunderte der jüdischen Geschichte in Friedberg auf. Am Donnerstag, 5. November, findet die Buchvorstellung mit dem Autoren ab 18 Uhr in der Burgkirche statt.
Die Titelseite des Buchs von Hans-Helmut Hoos. 	(Foto: pv)
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Die Titelseite des Buchs von Hans-Helmut Hoos. (Foto: pv)
Anhand von vielen Zeitdokumenten, die in zahlreichen Fotografien abgebildet sind, rekonstruiert Hoos detailreich das jüdische Leben und geht dessen Spuren in Friedberg nach. Er stellt die Chancen und Gefährdungen der jüdischen Gemeinde bis zu ihrer Vernichtung im 20. Jahrhundert dar.

Dem Leser wird darin das Besondere dieser Gemeinde deutlich, die durchgängig von 1349 bis 1942 existiert hat und im alten Reich bis 1805 eine herausgehobene religiöse Bedeutung innehatte. Somit steht die jüdische Gemeinde in Friedberg, die eine der ältesten ihrer Art ist, auch exemplarisch für das jüdische Leben vom Mittelalter bis zur Gegenwart in Deutschland.

Das Buch vermittelt dem Leser in acht Kapiteln ein vielfältiges und differenziertes Bild der historischen Entwicklung der jüdischen Gemeinde bis zu ihrer Vernichtung 1942.

Einige Schicksale der Menschen, von denen nur noch wenige außerhalb Deutschlands leben, viele durch Deportation und Verfolgung umgekommen sind, werden darin nachgezeichnet. Die biografischen Spuren dieser jüdischen Gemeindemitglieder machen das Buch zu einem Beitrag der Erinnerungskultur. Hoos erläutert das Anliegen der historischen Arbeit: »Im Vordergrund steht immer das Sichtbare: Sichtbar zu machen, was verdrängt, vergessen, verschüttet gegangen ist, das ist das Anliegen dieses Buches.«

Im achten Kapitel setzt sich Hoos intensiv mit dem Umgang der Stadt Friedberg mit ihrer national-sozialistischen Vergangenheit nach 1945 auseinander. Zu dem, was Erinnerung ausmacht, schreibt er: »Eine Kultur des Erinnerns ist immer von den jeweiligen Erfahrungen derjenigen abhängig, die mit ihren Erinnerungen versuchen, das Erlebte zu strukturieren und zu verarbeiten. So kann der gleiche Sachverhalt durchaus unterschiedlich erinnert und das Erlebte verschieden interpretiert werden. Dies zeigt sich ebenso in der Erinnerung der Friedberger Juden nach 1945 wie auch der in Friedberg lebenden Zeitzeugen, Mitwisser, Mittäter, Beobachter der Ereignisse von 1933 bis 1942 bis heute. Das menschliche Gedächtnis ist kein Archiv.«

Hoos bezieht sich auch auf die gegenwärtig sichtbaren Zeichen des Erinnerns in Friedberg. Dazu gehören die Erbauung einer Gedenkstätte Synagogenplatz 1996 sowie die Eröffnung der Ausstellung »Fragmente Jüdischer Geschichte in Friedberg« im Wetterau-Museum im August 2008, die als Grundlage für die Einrichtung einer dauerhaften Gedenkstätte der jüdischen Geschichte in Friedberg konzipiert ist.

Der Autor Hans-Helmut Hoos erforscht seit 1983 die Geschichte der Juden in Friedberg und in der Wetterau. Für seine Arbeiten wurde er 1983 mit dem Max-und-Regina-Ehrlich-Preis, 1992 mit dem Ehrenschild der Stadt Friedberg und 2005 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Kommission für Geschichte der Juden im Land Hessen und Mitglied der historischen Kommission Darmstadt.

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