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Besuch auf dem Wochenmarkt: »Hier kennt jeder jeden«

Artikel vom 16.03.2010 - 11.00 Uhr

Besuch auf dem Wochenmarkt: »Hier kennt jeder jeden«

Friedberg (lk). Jeden Samstagvormittag pulsiert auf der Kaiserstraße zwischen Usa- und Wolfengasse das Leben. »Wenn ich samstags nicht auf den Markt gehe, ist es kein richtiger Samstag«, bemerkt eine Besucherin, bevor sie zwischen Händlern und Käufern abtaucht. Für viele Friedberger ist der Gang über den Markt ein lieb gewordenes Muss. Und immer mittendrin: Marktmeister Roland Pursch. Die WZ hat ihn begleitet.
Kümmel kommt bei Marianne Haup erst direkt vor dem Verkauf auf den Handkäse.
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Kümmel kommt bei Marianne Haup erst direkt vor dem Verkauf auf den Handkäse.
»Renate, du siehst gut aus. Alles farblich abgestimmt.« Renate Seifried, eine blonde Frau mit pinkfarbenen Ohrringen, pinkem Pullover und ebenfalls pinker Jacke muss lachen. Über den Tresen ihres Metzgerei-Wagens händigt sie einen Schein aus. Standgebühr. »Zwei Euro pro Laufmeter müssen die Beschicker bezahlen«, erklärt Roland Pursch, der seit 15 Jahren für den reibungslosen Ablauf des Marktes zuständig ist. Der Ordnungspolizeibeamte ist dabei weit mehr als Ersthelfer und Ansprechpartner von Händlern und Besuchern. Er ist auch die gute Seele des Marktes, nimmt sich Zeit für das ein oder andere Schwätzchen.

Bevor es dazu kommt, kümmert sich Pursch gegen 6 Uhr morgens um Falschparker. Nur wenn keine Autos mehr auf dem Marktareal stehen, kann er den Beschickern ihren Standplatz zuordnen. »Im Winter lassen die Leute seltener ihre Autos stehen als im Sommer, wo man länger draußen sitzt, und auch mal einen trinkt«, weiß der 54-Jährige. Trotz winterlicher Temperaturen sind es am Samstag drei Pkw, die dem Abschleppdienst zum Opfer fallen. »Wenn es sich um Autos mit Friedberger Kennzeichen handelt, frag’ ich auch mal bei der Polizei nach dem Wohnort des Halters und klingel dann bei den Leuten.«

Neu: Stände für Saisonbeschicker

Den Gang über den Markt startet Pursch auf Höhe der Usagasse. Dort sind einige Standplätze unbesetzt. »Das ist neu, haben wir vor zwei Wochen eingeführt. Hier sind die Plätze für Saisonbeschicker. Beispielweise Spargelverkäufer.« Die anderen Händler hätten feste Plätze. »Damit die Kundschaft weiß, wer wo ist.« Auch seien durch die Neuerung Lücken zwischen den anderen Verkaufsständen geschlossen worden.

Am Wagen der Nösbertser Bauernbrotbäckerei verlangsamt sich Purschs Schritt. »Und, wie läuft’s?«, ruft er Rosemarie Bohn zu, die am Samstag erst zum zweiten Mal Brot aus Natursauerteig und reinem Roggen in Friedberg anbietet. Bohn zuckt mit den Schultern. »Wird schon«, muntert Pursch sie auf. »Jeder Stand muss sich erst mal einlaufen«, erklärt er und kassiert die Standgebühr. Einige Meter weiter bleibt Pursch erneut stehen. Hier gibt es Obst und Gemüse. »Wie geht’s dem Vater«, fragt er Hans-Dieter Künstler, der den Senior am Stand vertritt. Doch Künstler hat keine Zeit, um auf die Frage einzugehen. »Klar sind die Zitronen unbehandelt, alle Zitrusfrüchte sind unbehandelt«, antwortet er.

Handkäs’ im »Käsedippche«

Einige Meter weiter stehen die Kunden Schlange. Bei Marianne Haup gibt es Handkäse lose aus der Plastikschüssel. Der Kümmel wird erst vor dem Verpacken drüber gestreut. »Manche Leute bringen sich ›Käsedippche‹ mit, um den Käse abzuholen«, sagt Pursch, und ein Marktbesucher verrät: »Ich hole hier jeden Samstag drei mal vier Handkäse.« Zwei Portionen friere er ein, so sei er die ganze Woche über versorgt. »Ein Frühstück ohne Handkäse ist kein richtiges Frühstück«, betont er.

Den Frühling ins Wohnzimmer holen



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Artikel vom 16.03.2010 - 11.00 Uhr
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