»Baumpflege«: Mulchkopf hinterlässt »Gemetzel« an der Bahnstrecke
Friedberg (jw). Die Deutsche Bahn AG hat entlang der Schienenstrecke zwischen Friedberg und Friedrichsdorf »Baumpflegearbeiten« vorgenommen, doch selbst der Laie kann erkennen: fachmännische Baumpflege sieht anders aus.
»Die Natur erholt sich wieder«, lautet die Ferndiagnose des Bahnsprechers zum Einsatz des Mulchkopfs an der Bahnstrecke zwischen Friedberg und Friedrichsdorf, hier in Höhe der Straßheimer Teiche. (Foto: nic)
Äste aus Obstbäumen, teilweise armdick, wurden regelrecht herausgerissen, hängen zersplittert und zerfasert vom Hauptstamm herunter. Von einem »Gemetzel« sprach ein Fachmann gegenüber der WZ. Die Untere Naturschutzbehörde hat ein Anhörungsverfahren mit der Bahn eingeleitet und will nach Auskunft eines Kreissprechers überprüfen, ob die Maßnahme gesetzeskonform war. Ein Sprecher der Bahn, der die Situation vor Ort nicht kannte, sagte, die Arbeiten seien aus Gründen der Verkehrssicherheit vorgenommen worden: »Die Natur erholt sich wieder.«
Mit einem Mulchkopf, der auf den Bahnschienen bewegt wird, hat eine Firma im Auftrag der Bahn überstehende Äste und Büsche entfernt. Die Strecke wird von der RMV-Linie 16 der Hessischen Landesbahn befahren. Da der Fahrweg im Besitz der Bahn AG ist, muss diese dafür sorgen, dass der Zugverkehr nicht behindert wird. Was die Passagiere aber seit einigen Tagen beim Blick aus dem Fenster insbesondere zwischen dem Industriegebiet Süd und den Straßheimer Teichen zu sehen bekommen, verschlägt so manchem die Sprache. »Jeden Morgen fahre ich diese Strecke mit der Bahn, und gerade in der bevorstehenden Blütezeit ist es ein Genuss, durch dieses Blütenmeer zur Arbeit zu fahren«, sagt eine Leserin. »Statt dessen fährt die Bahn nun jeden Morgen an verstümmelten Bäumen vorbei. Beim Anblick der entstellten Bäume tut es weh, aus dem Fenster zu gucken.«
Baumpflege auf robuste Art: Hier wurde ein armdicker Ast von einem Obstbaum abgerissen.
Die Leserin hat die Untere Naturschutzbehörde verständigt, die Behörde will nun klären, ob das von der Bahn beauftragte Unternehmen gegen naturschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen hat. Dass Hecken beschnitten werden, sei in Ordnung, sagte ein Sprecher des Wetteraukreises. Ob man aber derart mit Obstbäumen umgehen könne, wie hier geschehen, werde man prüfen.
Laut Bahnsprecher handelt es sich bei dem mit Maschinen vorgenommenen Beschnitt um ein übliches Verfahren. Dabei werde kein Unterschied gemacht, »ob es sich um Pappeln oder Obstbäume handelt«. Das Holz werde an Ort und Stelle zerkleinert und zermulcht, »das fördert die Vegetation«. Probleme nach solchen Arbeiten geben es immer wieder, etwa von Anwohnern, die den Naturbewuchs als Sicht- und Lärmschutz gegen die Züge verstünden. »Die Natur erholt sich wieder«, sagte der Bahnsprecher. Die Bäume gehörten der Bahn, seien nicht aber von dieser angepflanzt worden. »Die schlagen wieder aus«, glaubt er.