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Australien zwischen Traum und Albtraum

Artikel vom 10.02.2010 - 16.56 Uhr

Australien zwischen Traum und Albtraum

Friedberg (buc). Christoph Kozubek wollte die »harte Tour«, als er im August letzten Jahres als Rucksacktourist nach Australien aufbrach. Diese »harte Tour« sollte den damaligen Abiturienten aus seinem gewohnten Leben und seinem Alltagstrott herausreißen. Die Idee dazu holte er sich aus dem Fernsehen. Dort habe er Sendungen wie »Goodby Deutschland« und »auf und davon« gesehen und sich gesagt: »Das wäre doch auch etwas für mich.«
Christoph Kozubek und ein Farmarbeiter mit einer Wagenladung voller Chokoes. 	(Foto: bf)
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Christoph Kozubek und ein Farmarbeiter mit einer Wagenladung voller Chokoes. (Foto: bf)
Ein selbst verordnetes Kontrastprogramm. Mit der Sprache und der Wahl des Landes fing es an. Kozubek war im Englischunterricht der schlechteste, wie er zugibt. Deshalb suchte er sich ein englischsprachiges Land aus. Aber eine Tour durch Europa - das wäre ja nur eine Schmalspurversion gewesen. Das andere Ende der Welt sollte es also sein: Australien. Weiter ging es mit der Jobwahl. Der heute 20-jährige hätte in einem Café oder Restaurant als Kellner in einem schönen australischen Städtchen oder einer Metropole jobben können. Aber der Friedberger entschied sich bewusst für einen Knochenjob und das Landleben fern jeder Zivilisation. Mit seinem Kumpel heuerte er im Nirgendwo auf einer Farm in Queensland an der australischen Ostküste an. Bei knapp 30 Grad im Schatten und an manchen Tagen bis zu hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit schuftete er vier Tage die Woche zehn Stunden lang.

Einziger Backpacker auf der Farm

Nächste Erschwerniszulage: Kozubek war der einzige Backpacker auf der Farm auf einer Fläche dreimal so groß wie Friedberg. Sein Kumpel war in einem anderen Arbeitstrupp auf einer anderen Farm. Schweißtreibend waren nicht nur Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, sondern auch die Arbeit: Kozubek pflanzte, pflückte und schleppte Bananen und Chokoes. Chokoes ist ein Gemüse, das an Bäumen wächst und eine Art australische Kartoffel ist.

Eine Bananenstaude wiegt zwischen 90 und 100 Kilogramm. Die mussten vom Baum geschnitten und zum Wagen transportiert werden. »Bananen zu ernten trifft den Ausdruck Sklavenarbeit recht gut«, sagt Kozubek. Noch gesteigert wurde die Herausforderung, weil er permanent von Mücken und anderen Insekten, Ratten und Schlangen begleitet wurde.

»Die erste Woche war die härteste - da ging gar nichts mehr«, erinnert sich Kozubek. Die beiden Weltenbummler beschlossen in diesen ersten Tagen, nur so lange auf den Plantagen zu schaffen, bis sie genügend Geld zum Rückflug nach Deutschland hatten. Am Ende wurden es dann aber doch drei Monate. So kräftezehrend die Arbeit auch war: Kozubek und sein Kumpel hielten durch.

Kozubek lernte aber auch seine Grenzen kennen. Eines Tages erlebte er etwas, das ihn noch im Rückblick schockt. Dazu müsse man vorweg wissen, erläutert er, dass in den Bananenstauden manchmal Ratten säßen. Diese nicht besonders angenehme Vorstellung ertrug er noch mit Fassung. Eines Tages jedoch, als er gerade eine Staude auf den Rücken gewuchtet hatte, warnte ihn ein Arbeiterkollege plötzlich: »Pass auf, in deiner Staude ist eine Schlange.« Eine giftige Schlange. Der erfahrene Arbeiter schleuderte das Tier von Kozubeks Rücken und zerteilte es vor seinen Augen. Ein Biss wäre tödlich gewesen. In dem Moment war für den Friedberger klar: Keinen Moment länger würde er als Bananenpflücker arbeiten. Fortan war es seine Aufgabe, Chokoes von den Bäumen zu schneiden, Setzlinge zu pflanzen, Äste zusammenzuzurren und geerntete Früchte auf die Farm zu bringen. Doch auch diese Arbeit hat ihre Tücken: Zwar ist sie körperlich weniger anstrengend, aber der Saft des Gemüses ätzt auf der Haut.



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Artikel vom 10.02.2010 - 16.56 Uhr
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