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Ausgrabungen: Historischer Pleezbrunnen freigelegt

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Artikel vom 09.09.2014 - 13.15 Uhr

Ausgrabungen: Historischer Pleezbrunnen freigelegt

Friedberg (jw). Für den Laien sieht es aus wie ein großer Steinhaufen, für Fachleute ist es ein bedeutsamer Fund: Grabungstechniker unter Leitung des Kreisarchäologen Dr. Jörg Lindenthal haben Ende letzter Woche auf dem Elvis-Presley-Platz den zweiten großen Stadtbrunnen entdeckt.

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Noch ist der Pleezbrunnen von einem steinernen Gewölbe abgedeckt.
© Nicole Merz
Der Pleezbrunnen liegt vor dem Hotel Trapp, seitlich der Einmündung der Wolfengasse in die Kaiserstraße. Ob er erhalten bleibt und im Rahmen der Platzumgestaltung dauerhaft präsentiert wird oder wie die anderen bisherigen Funde mit flüssger Erde verfüllt wird, steht laut Lindenthal noch nicht fest.

Erst Reste mittelalterlicher Häuser, dann ein römischer Töpferofen, Spuren des römischen Vicus und dann der 18 Meter tiefe Schacht des Waaghausbrunnens – der zentrale Platz auf der Kaiserstraße ist ein historischer »Hot-Spot«, wer hier gräbt, stößt auf Spuren der Vergangenheit. Nun wurde das Gewölbe des Pleezbrunnens freigelegt. Seine Lage war dank alter Pläne und Abbildungen bekannt. Er wurde, wie die beiden anderen historischen Brunnen auf der Kaiserstraße – neben dem Waaghausbrunnen noch der Katharinenbrunnen am Alten Rathaus – in der Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut. Damals wurde die Umrandung bis unter das Straßenniveau abgetragen und mit einem Basaltgewölbe überdeckt. Der Scheitelpunkt des Gewölbes liegt wie beim Waaghausbrunnen nur knapp 30 Zentimeter unter dem Niveau der heutigen Fahrbahndecke.

Die genaue Bauzeit des imposanten, über 22 Meter tiefen mittelalterlichen Bauwerkes ist aus dem archäologischen Befund bisher nicht zu ermitteln. Dass das Brunnengewölbe ohne Beschädigung freigelegt wurde, sei dem vorsichtigen Vorgehen der Ausgräber und Bauarbeiter zu verdanken, sagte Lindenthal am Montag vor Ort und hob besonders das Gespür von Grabungstechniker Roland König hervor. Er stoppte rechtzeitig den Baggerfahrer, als der Straßenbelag abgetragen wurde. Die Lage des Brunnens außerhalb der Fahrbahn machte es möglich, den Brunnen zu erhalten. Noch muss aber das gesamte Gewölbe aufgedeckt und dokumentiert werden. Stadt und Archäologische Denkmalpflege suchen nach einer Lösung, wie die vorhandene Substanz in die Planungen des Platzes integriert werden kann, um sich für die Zukunft alle Möglichkeiten für die Gestaltung des Brunnens offen zu halten.

Durch die im Stadtarchiv vorbildlich aufgearbeiteten Quellen lässt sich der archäologische Befund schnell zu einem informativen Bild erweitern. So zeigt eine Abbildung den Brunnen vor seiner Überdeckung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Foto von 1863 zeigt den nun überwölbten (nicht mehr sichtbaren) Brunnen, der mit Schwengelpumpe und Brunnentrog ausgestattet war. Wie gefährlich offene Brunnen waren, zeigen Berichte über Unglücksfälle. Glück hatte ein betrunkener Schmiedeknecht, der Pfingsten 1542 in den Pleezbrunnen fiel (der Wasserspiegel liegt heute bei etwa 15 Meter) und erst nach mehrstündigem Rufen lebendig herausgezogen werden konnte. Wie die Stadtbrunnen früher aussahen, erfährt man im Wetterau-Museum. Im Hof ist die prächtige Brunnenbekrönung des ebenfalls um 1850 überwölbten Katharinenbrunnens zu sehen.

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Artikel vom 09.09.2014 - 13.15 Uhr
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Leserkommentare
(10.09.2014 10:12)
fiatpanda1975
Bin nicht aus fribersch
... aber wäre es ned besser so etwas wie diesen Brunnen usw. für die Nachwelt zu erhalten und für jeden sichtbar zu machen, anstatt irgend so eine Elvis Statue hin zu stellen, nur weil er in der "Ehemaligen" Kaserne stationiert war? Aber mit sowas lässt sich kein Geld verdiene, mit so nem Elvis Kitsch eher, schade eigentlich, das man in Fribersch so denkt.
(10.09.2014 09:56)
grübel
Geld!
Am Ende wird es wieder am Geld hängen mit dem einbinden. Komisch das man dafür keine Gönner finden kann.
Bei dem Potenzial das auf der Kaiserstrasse verborgen liegt hätte man so viel machen können in Hinsicht auf Fenster in die Geschichte aber das hätte dann wohl zur Folge das man Konsequenterweise die Kaiserstrasse Verkehrsfrei machen müsste ausserdem ist sich in der Vergangenheit schon an vielen Dingen versündigt worden. Da war aber der Herr Keller nicht Schuld. Die das teilweise mit verbrochen haben könne heute von Glück reden das es damals nicht so einfach wie heute ist so was zu dokumentieren ;)
(10.09.2014 09:51)
Karl2
Elvisstatue kommt bestimmt,...
... lebensgroß mit Geldeinwurfschlitz. Ein € - ein Song.... Vor dem Dicken dann eine Kuscheltierablagegelegenheit. Und der EP-Freundeskreis sammelt die Viecher jeden Abend ein, zur gemeinsamen Bestattung auf dem Friedhof der Kuscheltiere....natürlich mir Musik vom King. Muss i´denn...oder so...
Provinz live und in rosa.
(10.09.2014 07:47)
Snufkin
oh ja...
aber mit Lorbeerkranz und hochgereckter Fackel.
Dazu eine Bulettenbude und das alles in rosa.
Käme dem Geschmack von Elvis sehr nahe.
(10.09.2014 06:38)
MichaelFB
Lieber eine Statue von Elvis
Anstatt den Platz den archäologischen Funden zu widmen, steht Elvis Presley im Mittelpunkt, der im Grunde nie was mit Friedberg zu tun hatte, wie arm ist das denn Herr Bürgermeister?
Am besten eine Statue von Elvis Presley und daneben eine vom Bürgermeister.
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