Altes Hallenbad: »Startschuss« für Rückbauarbeiten
Friedberg (emh). Von der benachbarten Marienkirche schlägt es 9 Uhr. Als die Glocken verstummen, sind an der Treppe zum Alten Hallenbad, wo sich Hallenbadfreunde, ein TV-Sender und weitere Medienvertreter eingefunden haben, Arbeitsgeräusche eines Abbruchunternehmens aus dem Gebäude zu vernehmen.
Ulrich Lang bei der Begrüßung.
Diese werden aber gleich wieder übertönt von zwei weithin zu hörenden Trompeten: Theo Langstrof und Jonas Willmers, Schüler der Musikschule Friedberg, spielen »Amazing Grace«.
»Heute ist ein denkwürdiger Tag, wir beginnen damit, unser Altes Hallenbad umzugestalten«, begrüßte Ulrich Lang als Vorsitzender des Vereins, der sich die Erhaltung und Neubelebung des gewaltigen Gebäudes zur Aufgabe gemacht hat, gestern Morgen rund 40 Freunde dieses Vorhabens. Sein besonderer Gruß galt der Pfarrerin der Stadtkirche, Susanne Domnick, sowie Bürgermeister Michael Keller.
Zunächst gehe es um mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmte Rückbaumaßnahmen von Einbauten der 60er-Jahre wie Umkleidekabinen, Toilettentrennwände und das Kassenhaus, damit der ursprüngliche Raumeindruck wieder hergestellt wird. Außerdem müssten die nach 30 Jahren Stilllegung unbrauchbar gewordenen Sanitäranlagen, Heizkörper und Wasserleitungen sowie später eingezogene Wände entfernt werden. Dafür sei die Friedberger Firma Alois Höller gewonnen worden, sagte der Vereinsvorsitzende.
Nachdem das Trompeter-Duo einen irischen Reise-Segen intoniert hatte, erteilte Pfarrerin Domnick dem Hallenbad-Projekt ihren Segen und wünschte ihm einen guten, unfallfreien Verlauf. Bürgermeister Keller erinnerte an die Aufbruchstimmung Anfang des vorigen Jahrhunderts, die viele Vorhaben, wie das Hallenbad, auf den Weg gebracht habe, von denen aber nur wenige die Wirren des Ersten Weltkrieges überstanden hätten. Auch die Ausstellung über den letzten Besuch der Zarenfamilie im Jahr 1910 im neu gestalteten, soeben der Öffentlichkeit übergebenen Burggarten mache dies deutlich. »Jetzt geht es darum, dieses nächste große Projekt unserer Stadt voranzubringen. Dazu wünsche ich Ihnen viel Erfolg, vor allem auch beim Auftreiben von Förderern«, ermutigte das Stadtoberhaupt die Initiative.
Lang dankte »allen, die uns auf dem beschwerlichen Weg bis zu dieser Stunde unterstützt haben«, und zeigte sich überzeugt, dass mit dem Start in die praktische Phase, den er mit einem energischen Pfiff auf einer Trillerpfeife symbolisch markierte, »die Spendenbereitschaft neuen Auftrieb erhält.« Denn vor 103 Jahren habe Bürgersinn das Hallenbad erst ermöglicht, jetzt solle Bürgersinn das Jugendstil-Denkmal vor dem Verfall retten.