Friedberg (jw). Elf Monate hat ein dreiköpfiges Expertenteam an der achten Fortschreibung des Schulentwicklungsplans gearbeitet. Es gab Ängste und Proteste seitens der Eltern, die um den Bestand kleinerer Grundschulen fürchteten, und es gab politischen Streit um die Frage, wie mit diesen Ängsten umgegangen wurde. Am Mittwoch hat Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) dem Kreistag den Schulentwicklungsplan vorgelegt.
Er ist 468 Seiten stark und randvoll mit Zahlen und Fakten über die 77 allgemeinbildenden Schulen im Wetteraukreis. Die wichtigste Aussage, die vom Kreistag bereits im März gefordert und nun laut Betschel-Pflügel erfüllt wurde: Alle Grundschulstandorte im Kreis bleiben erhalten. Um dies zu gewährleisten, waren einige Änderungen nötig.
Die Grundschule Stammheim wird ihre Selbständigkeit verlieren und künftig zur Außenstelle der Nieder-Florstädter Karl-Weigand-Schule. Wie die drei Schulexperten Gerhard Wächter, Gernot Schäfer und Wilfried Molz sowie Cornelia Wenk von der Kreisverwaltung schreiben, wurde die Mindestschülerzahl für eine Klasse (13) nicht immer erreicht, in den kommenden Jahren werde sich dies fortsetzen. Die Fortführung einer Grundschule mit weniger als vier Klassen und 50 Schülern sei nicht verantwortbar. Deshalb die Angliederung an die Karl-Weigand-Schule. Dadurch können in Stammheim künftig auch Grundschüler aus anderen Stadtteilen unterrichtet werden.
Veränderungen gibt es auch im Bezirk Nidda: Um die Hohebergschule Ober-Lais zu erhalten, werden dort künftig auch Schüler aus Michelnau unterrichtet, die derzeit das ABC in der Niddaer Otto-Dönges-Schule lernen. Dort wiederum wird eine Abteilung für Erziehungshilfe eingerichtet. In Wölfersheim wird die gymnasiale Sekundarstufe auf Zweizügigkeit (zwei Klassen pro Jahrgang) begrenzt.
Darüber hinaus werden im neuen Schulentwicklungsplan mehrere Empfehlungen ausgesprochen. So sollen die Grundschulstandorte und das Weidig-Gymnasium in Butzbach fortbestehen. Hintergrund: In Butzbach ist die Zahl der Schüler zwischen 2005 und 2007 von 5481 auf 3691 zurückgegangen - eine Abnahme um 32,7 Prozent. Zum Vergleich: In Bad Nauheim beträgt die Abnahme 1 Prozent, in Friedberg 0,22 Prozent. Der Rückgang werde für den Erhalt der Butzbacher Schulen dann kein Problem, wenn man je nach Standort von Vier- auf Dreizügigkeit oder von Drei- auf Zweizügigkeit umstelle, sagte der Schuldezernent. Weitere Empfehlungen: Die Schule am Niedertor in Gedern-Wenings soll eigenständig bleiben; spricht sich das Kultusministerium dagegen aus, wird sie als Außenstelle der Seementalschule in Ober-Seemen weitergeführt. Gibt es in Kefenrod künftig nicht genügend Hauptschüler, werden sie in der Gesamtschule Gedern unterrichtet. Die Hauptschüler aus Rinderbügen, Wolferborn und Michelau schließlich werden künftig der Schule am Dohlberg in Büdingen zugeordnet.
Gerade an den Grundschulen im östlichen Wetteraukreis habe es viel Unmut seitens der Eltern gegeben, sagte Betschel-Pflügel. »Wir sind das offen angegangen, haben mit den Betroffenen gesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht.« Er verstehe die Eltern: Wenn nach dem Einkaufsladen und der Post auch die Schule im Dorf zumache, frage man sich, wo das noch ende. Die Bürgerversammlungen seien sehr gut angenommen worden, die Ergebnisse könnten sich sehen lassen. Der Schulentwicklungsplan kann laut Betschel-Pflügel in der vorliegenden Form ans Kultusministerium weitergegeben werden. Gleichwohl wird sich nun der Schulausschuss des Kreistags mit dem Werk beschäftigen.