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Schinken und Würstchen bleiben draußen

Artikel vom 22.06.2010 - 12.00 Uhr

Schinken und Würstchen bleiben draußen

Frankfurt (apn). Cara wedelt mit dem Schwanz und kratzt aufgeregt mit den Pfoten an dem schwarzen Koffer. Für die sieben Jahre alte Schäferhündin ist in dem Gepäckstück ihr Spielzeug verborgen, die Zöllner am Flughafen aber wissen: In dem Koffer steckt ein Lebensmittel, das nicht eingeführt werden darf.
Schinken, Käse oder sogar Milch und Eier - es gibt nichts, was Reisende am Flughafen nicht in ihren Koffern mitzubringen versuchen. Doch die Regeln sind streng: »Lebensmittel von Tieren dürfen generell nicht in EU-Länder eingeführt werden«, sagt Tierärztin Silke Herzberger. Weil das viele Reisende nicht wissen, fand am kürzlich am Flughafen ein Aktionstag der Tierärztlichen Grenzkontrollstelle des Landes Hessen statt.

Gerade zu Beginn der Reisezeit wolle das Land über die Einfuhrbedingungen aufklären, sagte der hessische Umweltstaatssekretär Mark Weinmeister. Ziel sei vor allem, das Einschleppen von Tierseuchen zu vermeiden. Deutschland sei seit 2007 tollwutfrei. In Zeiten globaler Mobilität könnten solche Seuchen aber schnell wieder eingeschleppt werden, sagte Weinmeister. Am Flughafen kontrollieren deshalb seit der Vogelgrippe 2005 zwölf Tierärzte die regelgerechte Einfuhr von Tieren, aber auch die Koffer der Passagiere.

Halbes Lamm im Koffer

Ein halbes Lamm, ein ganzes Spanferkel, Antilopenfüße mit Fleisch und Fell oder auch drei Räder Käse hat Herzberger schon in den Koffern gefunden. »Viele Chinesen bringen Hühner- oder Enteneier mit, die angebrütet sind und dort als Delikatesse gelten.« Besonders häufig seien Schweinewürstchen aus Thailand. »Die sind in jedem zweiten Koffer«, sagt die Ärztin. Eingeführt werden dürfen sie nicht: »Wir wissen ja nicht, wie die Würstchen hergestellt wurden. Ihre Reste können aber im Biomüll landen oder beim Bauern im Futternapf seiner Schweine«, sagt die Ärztin. Damit wären unter Umständen gefährliche Erreger im Land. Der selbst gemachte Käse aus der Türkei ist ebenso tabu wie der eingeschweißte Schinken vom australischen Rennschwein.

60 000 Passagiere wurden von den Tierärzten im Jahr 2009 kontrolliert, 25 Tonnen unerlaubte Lebensmittel dabei gefunden. Das entspricht etwa 400 Mülltonnen. Der Inhalt muss als Sondermüll entsorgt werden. »Eigentlich müssten die Leute wenigstens für die Entsorgung zahlen«, findet Zöllner Steffen Schwaar, denn zur Kasse würden die meisten nicht gebeten. »Bei manchen Fliegern aus der Türkei riechen sie den Käse schon von weitem, trotzdem lügen einen die Passagiere noch an«, ärgert er sich.

Auch Weinmeister betont, die Kontrollen seien nicht als Schikane für die Reisenden gedacht, auch wolle man keinem »das Schinkenbrötchen nicht gönnen«. Doch in der Türkei sei die Geflügelgrippe noch immer hochaktuell, in Asien die Maul- und Klauenseuche. Kontrolliert wird deshalb risiko-orientiert: Eine Kommission im Ministerium beurteilt, wo die Gefahr am größten ist. Entsprechend werden die Ärzte an den Zollstellen der eingehenden Flieger eingeteilt.

»Das Hauptproblem sind die Reisenden«



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Artikel vom 22.06.2010 - 12.00 Uhr
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